Triumphzug hier, Enttäuschung da
Manch ein DTM-Fan ist heilfroh, dass es endlich vorbei ist. Mit dem Einstieg von BMW wird aus dem besseren Markenpokal endlich wieder eine richtige Rennserie. Andere dagegen werden mit etwas Wehmut zurückblicken, denn die Saison 2011 hat gezeigt, dass auch in dieser Konstellation mit nur zwei Marken spannender Motorsport möglich ist. Enge Rennen und ein lange Zeit heißer Titelkampf, in dem Audi-Pilot Martin Tomczyk in seiner elften DTM-Saison endlich sein Meisterstück abgeliefert hat, haben die Fans lange Zeit in Atem gehalten. Überhaupt war die letzte Saison der „Zwei-Marken-DTM“ ein totaler Triumphzug für die Ingolstädter – und trotz des Abschlusssieges durch Jamie Green eine Riesen-Enttäuschung für Dauerrivale Mercedes.
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- Mit seinem zweiten Platz beim Saisonfinale in Hockenheim hat Martin Tomczyk seine grandiose 2011er DTM-Saison gekrönt. Doch der Rosenheimer hat noch keinen Vertrag für 2012. Geht es zu BMW?
Im Gebrauchtwagen zum Titel
Audi hat nicht nur den sechsten Fahrertitel seit 2000 geholt und damit in diesem Punkt seit Wiedereinführung der DTM zu Mercedes aufgeschlossen, sondern auch für ein Novum gesorgt: Erstmals ist ein Pilot in einem „Gebrauchtwagen“ Champion geworden. Nach seiner Degradierung aus dem Werksteam „Abt Sportsline“ zum Kundenteam von Phoenix hat es Martin Tomczyk allen Kritikern gezeigt. Der Rosenheimer war in seinem 2008er Audi A4 von Beginn an im Titelrennen dabei, hat mit seinen Siegen beim dritten (Red Bull Ring Spielberg) und vierten Saisonrennen (Eurospeedway Lausitz) den Grundstein für sein erstes DTM-Championat gelegt und dann kontinuierlich Punkte geholt, um sich bereits im vorletzten Rennen zum DTM-Meister zu krönen. Genau so gewinnt man im Motorsport Meisterschaften, und der lange als sehr talentiert, aber zu unkonstant geltende Tomczyk hat endlich bewiesen, dass er es auch einfach mal durchziehen kann.
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- So sehen Sieger aus: Das Siegerauto von 2011 vor der Audi-Hospitality am Hockenheimring, wo am Sonntagabend kräftig gefeiert wurde.
Erfolg auf der ganzen Linie
Doch Motorsport-Chef Dr. Wolfgang Ullrich darf insgesamt auf eine sehr erfolgreiche DTM-Saison zurückblicken. Denn mit Migual Molinas bester Quali-Zeit in Hockenheim haben die vier Ringe nicht nur das Pole Position-Duell gegen den Stern mit 6:4 gewonnen, sondern sie haben sich nach Mattias Ekströms starkem Saisonfinish auch noch den Vizetitel für den schnellen Schweden und die Teamwertung für seine Abt Sportsline-Truppe gesichert. Wegen der starken Leistungen von Ekström und des Gebrauchtwagen-Fahrers Tomczyk fiel es dann auch nicht weiter ins Gewicht, dass die mit aktuellstem Material ausgerüsteten Piloten Timo Scheider, Oliver Jarvis und Mike Rockenfeller hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.
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- Es sah auch lange gut aus für den Bruno Spengler, bis ab Saisonmitte das Rennpech volle Breitseite zugeschlagen hat. Seit dem viertletzten Rennen in Brands Hatch konnte er nur noch vier Punkte holen.
Spengler geht die Puste aus
Genau das muss man auch über den Mercedes-Fahrerkader sagen. Besonders – einmal mehr – Ralf Schumacher, aber auch Gary Paffett und Jamie Green müssen sich ankreiden lassen, zu wenig aus dem Potenzial ihrer C-Klasse herausgeholt zu haben. An dieser Einschätzung ändert auch Greens Sieg beim Finale in Hockenheim nichts. Das Schwaben-Trio ist schon früh in der Saison in der Gesamtwertung fast aussichtslos zurückgefallen, sodass letztlich Bruno Spengler das einzige Mercedes-Eisen im Titelfeuer war. Es sah auch lange gut aus für den Kanadier, bis ab Saisonmitte das Rennpech volle Breitseite zugeschlagen hat. Seit dem viertletzten Rennen in Brands Hatch konnte er nur noch vier Punkte holen (zum Vergleich: Tomczyk holte 32, Ekström 31), wodurch ihm schon zum wiederholten Male wegen eines desaströsen Saisonfinishes der erste Titel durch die Lappen gegangen ist. Nun heißt es für Norbert Haugs Truppe also, eine knallharte Analyse zu betreiben, denn der Trend spricht eindeutig gegen die Stuttgarter. In den vergangenen fünf Jahren konnte Mercedes zwar drei Markentitel gewinnen, aber das prestigeträchtigere Fahrer-Championat ging vier Mal nach Ingolstadt. Und eins ist sicher: Der Wettbewerb wird 2012 nicht leichter werden.
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- Zeitgleich zum letzten DTM-Wochenende von Hockenheim hat BMW im benachbarten Heidelberg die erste Lackierung des 2012er DTM-Autos präsentiert.
Endlich gibt es das BMW-Comeback
Denn endlich, nach sechs Jahren des oft recht öden Marken-Zweierleis, kehrt BMW in jene Rennserie zurück, die die Münchner bereits bis in die späten 80er Jahre beherrscht haben. Über die Kräfteverhältnisse 2012 kann man jetzt natürlich noch nichts sagen, schließlich liegt noch ein arbeitsreicher Winter vor den Teams, und die Autos sind komplette Neuentwicklungen. Dennoch nimmt BMW seine Motorsport-Aktivitäten erfahrungsgemäß sehr ernst und dürfte top vorbereitet in die DTM zurückkehren. Einen ersten Vorgeschmack auf das kommende Jahr gab es schon beim letzten Rennen in Hockenheim, als alle drei Werke die ersten Exemplare ihrer nächstjährigen Autos in einigen Showrunden über den Kurs gejagt haben.
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- Die drei Marken nutzten das Saisonfinale in Hockenheim, um ihre 2012er Autos für erste Showrunden auf die Strecke zu schicken.
Heiße Runden im Fahrerkarussell
Die neue Teamkonstellation verspricht aber nicht nur eine spannende 2012er Saison, sondern auch einen heißen Winter – zumindest für die Jungs im Fahrerkarussell. Bei Audi wird sich in Sachen Fahrerkader wohl nur wenig ändern, schließlich setzen die Ingolstädter in dieser Frage gern auf Kontinuität, zumal die Piloten traditionell auch in anderen Rennserien (Internationale Le Mans-Serie, VLN-Langstreckenmeisterschaft) zu Einsätzen kommen. Bei Mercedes haben bislang nur Gary Paffett und Ralf Schumacher fixe Verträge für das nächste Jahr, BMW bringt auf jeden Fall Andy Priaulx und Augusto Farfus mit in die DTM. Die spannendsten Personalien betreffen ausgerechnet die beiden Titel-Protagnisten. Champion Martin Tomczyk hat noch keinen Vertrag für 2012 und spricht nach eigener Aussage „mit jedem“. Hier ist die Frage, wie sehr den neuen Meister das mangelnde Vertrauen vor der abgelaufenen Saison und die gleichzeitige Degradierung ins Phoenix-Team gewurmt hat. Während ein Wechsel zum Dauerrivalen Mercedes unwahrscheinlich ist, könnte es den Rosenheimer in Münchner Gefilde ziehen. Gut möglich also, dass BMW bei seinem Comeback ein mehr als illustres Fahrerfeld präsentiert, denn der Wechsel von Bruno Spengler soll dem Vernehmen nach feststehen. Und schließlich steht auch noch die Personalie Nick Heidfeld im Raum, der sich aus vergangenen Formel 1-Tagen sowohl bei BMW als auch Mercedes bestens auskennt, aber auch schon im Audi-Lager gesichtet worden ist.
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- Jamie Greens Sieg beim 2011er Saisonfinale in Hockenheim konnte die misslungene Saison für Mercedes auch nicht retten. Nachdem nun der Reset-Knopf gedrückt wird, hoffen die Schwaben auf das nächste Jahr.
Viel Zeit für alle Beteiligten
Bis zum Saisonstart Ende April 2012 bleibt für die Teams ein halbes Jahr Zeit, das große Stühlerücken zum Abschluss zu bringen und ihre neuen Autos optimal vorzubereiten. Und für die Fans bleibt viel Zeit, die Vorfreude zu steigern. Denn so interessant die 2011er Saison auch war: Es wird höchste Zeit, dass in der DTM wieder richtiger Motorsport geboten wird.

