Fahrer-Portrait Robert Kubica

Robert Kubica: Alles in der Schwebe

Robert Kubica war auf dem Weg in die absolute Fahrer-Elite der Formel 1 - bis ihn ein Rallye-Unfall stoppte. Jetzt hängt die so vielversprechende Karriere des Polen am seidenen Faden. ( , 16.02.2011)

Kubica: Eine positive Überraschung der Saison 2010

Neben Weltmeister Sebastian Vettel und Mercedes-Pilot Nico Rosberg war Robert Kubica der Fahrer, der in der vergangenen Saison am meisten in positiver Hinsicht überrascht hat. Im gegenüber den Red Bulls, Ferraris und McLarens deutlich unterlegenen Renault hat der Pole nicht nur mit drei Podiumsplätzen, sondern auch mit dem siebten Gesamtrang in der WM-Tabelle auf sich aufmerksam gemacht. 136 Punkte - nur sechs weniger als Rosberg, aber 64 mehr als Michael Schumacher - stehen auf der Habenseite des ersten polnischen und osteuropäischen Piloten der Formel 1-Geschichte. Mit seiner ebenso schnellen wie intelligenten Fahrweise hat Kubica endgültig bewiesen, dass er einen Platz in einem Weltmeisterschaftsteam verdient hätte.

Robert Kubica - Helm
Der Helm des Renault-Piloten Robert Kubica.

Ein Rallye-Unfall verändert alles

Zumindest, was die Saison 2011 betrifft, muss man leider im Konjunktiv bleiben. Denn Anfang Februar erleidet der Pole bei einem Rallye-Unfall in Italien schwere Verletzungen. Kubica zieht sich mehrere Knochenbrüche an der rechten Körperhälfte zu, die rechte Hand kann nur knapp vor der Amputation gerettet werden. Noch im Februar werden alle Brüche gerichtet. Ob Kubica allerdings je wieder in seine alte körperliche Verfassung kommen wird, steht derzeit in den Sternen. Er selbst gibt sich kämperisch, will als besserer Pilot in die Formel 1 zurückkehren, als er es vor seinem Unfall war. Ein Comeback-Termin ist derzeit jedoch nicht abzusehen, Kubica muss erst einmal froh sein, dass er den Unfall überlebt hat und wohl keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen wird.

Renault - Kubicas sportliche Heimat

2011 hätte Kubica für das umstrukturierte Lotus-Renault F1-Team an den Start gehen sollen. Der Wechsel zu Renault vor der vergangenen Saison war für ihn eine Rückkehr in seine sportliche Heimat. Nachdem er als Kartfahrer für Aufsehen gesorgt hat, nimmt Renault Kubica in sein Nachwuchsprogramm auf. Es folgen zwei Jahre in der Formel Renault, gefolgt von einer Saison in der Formula Masters und einem Jahr in der Formel 3 Euroserie. Obwohl Kubica in der Endabrechnung nur Platz sieben belegt, steigt er in die Renault World Series auf. Eine gute Entscheidung, schließlich holt er dort im gleichen Jahr den Titel. Als Lohn winkt eine Formel 1-Testfahrt im Renault Formel 1-Boliden,die BMW-Teamchef Mario Theissen offenbar überzeugt. Theissen holt Kubica für die Saison 2006 als Test- und Ersatzfahrer ins BMW-Team.

Robert Kubica im Renault R30
Robert Kubicas Wechsel zu Renault stand früh fest, obwohl der Verbleib der Franzosen in der Königsklasse lange am seidenen Faden hing.

Der Kanada-Grand Prix als Schicksalsrennen

Nach dessen Unfall beim Deutschland-GP setzt BMW Stammpilot Jacques Villeneuve vor die Tür. Kubica ersetzt den Ex-Weltmeister und fährt bei seinem ersten Rennen in Ungarn auf Platz sieben in die Punkte, wird aber wegen eines zu leichten Autos disqualifiziert. Trotzdem hat der Pole Eindruck hinterlassen und bleibt nicht nur für die letzten Saisonrennen als Stammfahrer an Bord, sondern auch für das Jahr 2007. Das Rennen in Kanada wird ihm jedoch fast zum Verhängnis: Beim etwa 300 km/h knallt Kubicas BMW mehrfach in die Mauer und überschlägt sich sogar. Alle Beobachter befürchten das Schlimmste, doch Kubica kommt mit leichten Blessuren davon.Er muss nur ein Rennen auslassen, was wiederum dem ehemaligen BMW-Ersatzfahrer Sebastian Vettel seinen Karrierestart ermöglicht.

Kampf um die Karriere statt um den WM-Titel

2008 ist der BMW ein Topauto. Ausgerechnet an dem Ort, wo er im Jahr zuvor dem Tod von der Schippe gesprungen ist, fährt er zu seinem eigenen und BMWs Premieren-Sieg. BMW wird Dritter in der Konstrukteurswertung, Kubica landet punktgleich mit dem Dritten Kimi Räikkönen auf Rang vier in der Fahrer-WM. 2009 folgt für Team und Fahrer der Absturz, der mit dem Ausstieg der BMW-Werksmannschaft endet. Kubica wirkt zuweilen lustlos, doch die Teamchefs wissen, dass ihn ein gutes Auto zu Höchstleistungen animieren kann. Bei Renault hat Kubica genau das in der Saison 2010 bereits bewiesen. Doch dann kam der unheilvolle 6. Februar 2010 - der Tag, der für Robert Kubica alles veränderte. Langwierige Rehabilitation statt Aufstieg in das Cockpit eines Top-Teams, Kampf um die Karriere statt um den WM-Titel. Bleibt zu hoffen, dass die Verletzungen Kubica nicht dauerhaft auf seinem vielversprechenden Weg als Formel 1-Pilot stoppen.

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