Revs up, Reventón!

Mit der Weltpremiere des Reventón hat Lamborghini auf der IAA für einen extrem futuristischen, 650 PS starken und 340 km/h schnellen Paukenschlag gesorgt. ( , 01.01.2009)

Wer ihn sieht, bekommt urplötzlich dieses Funkeln in den Augen. Wer sich in sein Cockpit setzt, verspürt auf einmal dieses unerklärliche Kribbeln im rechten Fuß. Wer ihn fährt, ist ihm verfallen. Mit Haut und Haaren. Davon gehen wir aus. Ganz sicher. Wir haben nicht den geringsten Zweifel! Und das, obwohl wir ihn wohl nie fahren dürfen. Denn vom Lamborghini Reventón wird es nur 20 Exemplare geben. Keines weniger, aber auch kein einziges mehr. Natürlich ist die Serie bereits ausverkauft. Lamborghini hat sie quasi unter den Interessenten verteilt. Da war auch die Tatsache, dass man nicht einmal die Außenfarbe wählen konnte, kein. Hindernis. Den Reventón wird es nur im eigens gemischten, gleichnamigen Mattgrau geben. Auch der Grundpreis von einer Million Euro netto dürfte für die Käufer eher Motivation als Gegenargument gewesen sein.

Wir wollen an dieser Stelle nicht die Frage stellen, ob dieser Preis gerechtfertigt ist. Man würde diesem Auto damit nur Unrecht tun. Denn der neueste Kampfstier aus Sant´Agata Bolognese fasziniert von der ersten Sekunde an. Die „Hauptschuld“ daran trägt das Design. Der Reventón ist selbst für Lamborghini-Verhältnisse radikal gestylt und tatsächlich der „Stealth Bomber auf vier Rädern“, als der der Murcièlago gern bezeichnet wird. Oder wie es Stephan Winkelmann ausdrückt: „Der Reventón ist der Extremste von allen“, sagt der Präsident von Lamborghini. „Auf der technischen Basis des Murcièlago haben unsere Designer im Centro Stile Lamborghini die DNA der Marke, ihren genetischen Code, komprimiert und weiter verschärft“.Aussagen wie diese liest und hört man oft, wenn Autohersteller neue Modelle präsentieren. In diesem Fall stimmt sie tatsächlich. Wie seine Brüder Gallardo und Murcièlago verfügt auch der Reventón über diese unnachahmlichen Proportionen, die schon im Stand dessen Bärenkräfte visualisieren. Scharfe Kanten, präzise Linien und klare Flächen zeichnen ein aus allen Perspektiven spannendes Bild, dem der Reventón mit unterbrochenen Linien und verdrehten Flächen eine ganz eigene Signatur verpasst.

Lamborghini Reventón Seitenansicht
Design-Zeichnung des Lamborghini Reventón, Seitenansicht

Wo bitte geht´s zur nächsten Startbahn?

Trotzdem reduziert sich das Design auf´s Wesentliche, nichts wirkt überflüssig. Die zur Mitte gepfeilte Frontpartie dürfte den Fahrtwind bei Topspeed 340 regelrecht zerschneiden. Die unterschiedlichen Seitenansichten unterstreichen das „Form follows Function“-Prinzip, nach dem alle Lamborghinis gestaltet und entwickelt worden sind: Während der Seitenschweller der Beifahrerseite glattflächig verläuft, um die Unterbodenströmung zu unterstützen, ist das linke Pendant stärker ausgeformt, um den Ölkühler mit genug Frischluft zu versorgen. Hinzu kommen vom Murcièlago bekannte Features wie die obligatorischen Flügeltüren und bewegliche Kühllufteinlässe für den Motor. Und dann folgt dieses Heck, das dem Design die Krone aufsetzt: Die gläserne Motorhaube mit Entlüftungsschlitzen gewährt freie Sicht auf den Zwölfzylinder, der im Stillstand wie eine Skulptur wirkt. Wandert der Blick weiter nach hinten, ziehen den Betrachter eigenwillig gestylte Heckleuchten, ein betont ausgeformter Diffusor sowie das mittig platzierte Sechseck-Auspuff-Endrohr in ihren Bann. Der bei höheren Geschwindigkeiten ausfahrbare Heckflügel treibt das Kampfjet-Design auf die Spitze.„Wo bitte geht´s zur nächsten Startbahn…?“ Dieser Gedanke schießt spätestens dann durch den Kopf, wenn man einen Blick ins – im wahrsten Sinne des Wortes – Cockpit riskiert. Wie im Kampfjet informieren TFT-Flüssigkristall-Bildschirme über Drehzahl, Geschwindigkeit und alles weitere, was Auskunft über die Befindlichkeit dieser Boden-Boden-Rakete gibt. Auch das so genannte G Force-Meter erinnert an die Herrscher der Lüfte: Eine sich in einem Kreis bewegende Kugel stellt optisch fahrdynamische Kräfte wie Längs- und Querbeschleunigung dar. Ein Mix aus Aluminium, Carbon, Alcantara und Leder sorgt dafür, dass im Reventón-Interieur jedes Gramm effizient genutzt wird.

Lamborghini Reventón Motor
Lamborghini Reventón auf der IAA 2007 in Frankfurt am Main

Technik vom „kleinen“ Bruder

Doch der Reventón ist weit mehr als ein reines Design-Meisterstück, auch wenn unter der Kohlefaser-Verbundstoff-Karosserie „nur“ die leicht verfeinerte Technik des Murcièlago LP 640 steckt. Das heißt: Im Rücken des Piloten-Duos pocht ein 6,5-Liter-V12-Herz, dessen 650 PS und 660 Newtonmeter dieses automobile Ungetüm im Ernstfall auf Mach 0,32 (= 340 km/h) beschleunigen. Bei stehendem Start lässt der Reventón die 100 km/h-Marke bereits nach 3,4 Sekunden hinter sich. Möglich machen dies der permanente Allradantrieb und das automatisierte e.gear-Getriebe, dessen Gänge per Lenkrad-Schaltpaddel gewechselt werden. Um den Lambo in Rekordzeit wieder von Highspeedtrip herunterholen zu können, versteckt sich hinter den 18-Zoll-Felgen (hinten mit 335/30er-Bereifung!) auf Wunsch eine XXL-Keramik-Bremsanlage. Diese arbeitet rundum mit 380-Millimeter-Scheiben und Sechskolben-Sätteln.Der Form halber sei erwähnt, dass Lamborghini für den Reventón einen Durchschnittsverbrauch von 21,3 Litern und einen CO2-Ausstoß von 495 g/km angibt. Zahlen, die uns genauso wenig interessieren wie die 20 Glücklichen, die bald den Exklusivsten aller Lambos ihr Eigen nennen dürfen. Schade für uns, dass die Klientel ziemlich sicher aus gut betuchten Sammlern besteht, die den Reventón gleich nach Lieferung in die klimatisierte Garage verfrachten. Gut möglich also, dass die Tage, an denen dieser Kampfstier das Sonnenlicht zu sehen bekommt, sehr rar gesät sind. Entsprechend gering ist die Chance, ihm in freier Wildbahn zu begegnen. Unser Vorschlag: Besuchen Sie die IAA, deren letztes Wochenende nun beginnt, und betrachten Sie ihn aus der Nähe. Es lohnt sich!

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