Für Motorsportfans hat die Motor Show Essen auch diesmal wieder einiges zu bieten. Das Highlight: Die Präsentation von siegreichen Automobilen der „24 Stunden von Le Mans“. (D. Maier , 01.01.2009)
„Die 24 Stunden von Le Mans“ – der berühmteste Langstreckenklassiker im Automobilsport. Die Motor Show Essen zeigt in diesem Jahr eine einmalige Präsentation von siegreichen Automobilen, die Geschichte beim legendären Klassiker in Frankreich geschrieben haben. Die Sonderausstellung zeigt mehr als 20 Rennwagen von 1924 bis heute.
Die 24-Stunden von Le Mans – 2006 zum 74. Male ausgetragen – sind das wichtigste Sportwagen- Rennen der Welt. Der berühmte Langstrecken- Klassiker zählt neben dem Formel 1-Grand Prix in Monaco und dem 500-Meilen-Rennen in Indianapolis zu den wichtigsten Motorsport-Veranstaltungen überhaupt. Seit 1923 steht er im Rennkalender und wurde seitdem nur 1936 (wegen eines General-Streiks in Frankreich in der Woche vor dem vorgesehenen Termin) und von 1940 bis 1948 (wegen des 2. Weltkrieges) nicht ausgetragen.Ausrichter des 24-Stunden-Rennens ist seit jeher der ACO, der „Automobile Club de l’Ouest“. Das ist übrigens der Club, der 1906 in Le Mans mit dem Grand Prix von Frankreich den ersten Großen Preis in der Automobil-Geschichte durchgeführt hat. Als der ACO das Rennen 1923 aus der Taufe hebt, steht dahinter die Idee, den Herstellern von Serien-Sportwagen eine Bühne zu bieten, auf der sie die Zuverlässigkeit ihrer Produkte nachweisen konnten. Und der Beweis gelingt: Beim ersten Rennen starten 33 Autos, nur drei fallen aus.Das Rennen wird ein Erfolg und avanciert bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 neben der 1927 „gegründeten“ Mille Miglia in Italien zum wichtigsten Sportwagen-Rennen. Berühmte Hersteller wie Alfa Romeo, Bentley oder Bugatti starten und gewinnen. Aber auch Aston Martin, BMW, Chrysler oder Mercedes-Benz – um nur einige zu nennen - sind schon in dieser Zeit mit Werkswagen dabei und holen zum Teil Klassensiege, wie z.B. BMW mit dem Zweiliter-328 im Jahr 1939.
Die Katastrophe 1955
Es dauert nach dem 2. Weltkrieg vier Jahre, ehe 1949 wieder ein 24-Stunden-Rennen in Le Mans durchgeführt wird. Seitdem findet es ununterbrochen statt - trotz einiger Tragödien, die sich wie ein Schatten über das Rennen legen. 1955 ereignet sich in Le Mans die größte Katastrophe in der Automobilsport-Historie, bei der mehr als 80 Zuschauer und der Mercedes-Pilot Pierre Levegh (Pseudonym eines französischen Industriellen) getötet werden. Das Rennen – heute unverständlich – wird nicht abgebrochen, sondern läuft noch über 20 Stunden bis zum vorgesehenen Ende weiter. Die Sieger dieses traurigen Rennens sind die Briten Mike Hawthorn und Ivor Bueb auf Jaguar D Type.
Die Erfolgreichen
In den Jahren 1949 bis 1969 dominieren Ferrari (neun Siege), Jaguar (fünf) und Ford (vier). 1970 beginnt dann der Siegeszug von Porsche (bis 1998 insgesamt 16 Siege). Ab 2000 schreibt Audi mit sechs Erfolgen Le Mans-Geschichte, darunter 2006 der erste Gesamtsieg eines Wagens mit Diesel-Motor. In der „ewigen“ Rangliste liegt bei den Herstellern Porsche mit 16 Siegen vor Ferrari (neun), Jaguar (sieben), Bentley und Audi (je sechs) sowie Alfa Romeo (vier) an der Spitze. Aber auch Aston Martin, BMW, Mazda (als einzige Firma mit einem Wankelmotor), Mercedes-Benz, Peugeot oder Renault können den begehrten Gesamtsieg herausfahren. Bei den Fahrern liegt der Däne Tom Kristensen mit sieben Siegen (zwischen 1997 und 2005) an der Spitze, gefolgt von dem Belgier Jacky Ickx (sechs zwischen 1969 und 1982) und dem Briten Derek Bell (fünf zwischen 1975 und 1987). Erfolgreichster deutscher Pilot ist Frank Biela mit vier Siegen (zwischen 2000 und 2006).
Rekorde
Die Rennstrecke von Le Mans (sie besteht zum Teil noch heute aus öffentlichen Straßen) gehört zu den schnellsten der Welt. Sie wird im Laufe der Jahre mehrmals modifiziert. Bevor auf der fast sechs Kilometer langen Hunaudieres-Geraden zwei Schikanen zur „Verlangsamung“ eingebaut wurden, wird dort 1988 ein Sauber-Mercedes mit einer Top-Geschwindigkeit von 407 km/h gemessen. Der Renn-Rekord über die gesamten 24 Stunden steht bei 222,304 km/h, aufgestellt 1971 von Dr. Helmut Marko/Gijs van Lennep (Porsche 917). Auf dem aktuellen Kurs erreichen die Sieger Frank Biela/Emanuele Pirro/Marco Werner (Audi R10) 2006 einen Schnitt von 215,409 km/h.
Kult-Film mit Steve McQueen
1971 kommt sogar ein Film zum legendären Langstreckenrennen in die Kinos: „Le Mans“. Die Hauptrolle spielt Hollywood-Star Steve McQueen, selbst ein guter Rennfahrer, der 1970 auf Porsche beim 12-Stunden-Rennen in Sebring Platz zwei belegt. „Le Mans“ ist ein sehr aufwändiger Film, der dank seiner realistischen Rennaufnahmen, für die Weltklasse-Piloten zur Verfügung gestanden haben, nicht nur für Motorsportfans absoluter Kult ist. Aus ihm wird klar ersichtlich, wie sich seit der Zeit der Automobilsport und Le Mans verändert hat. Damals ist Sicherheit ein Fremdwort. Die Autos rasen über Straßen ohne Auslaufzonen und Leitplanken an Häusern und Bäumen vorbei... Doch die Zeiten in der Formel 1 oder im Rallye- oder Tourenwagensport sind ähnlich wild.Der damals im „wirklichen“ Rennen siegreiche Porsche 917 gehört zu den über 20 Original-Sportwagen, die auf der Essen Motor Show in der Sonderschau zum Thema „24 Stunden in Le Mans“ gezeigt werden. Die Ausstellung zeigt einen kompletten Querschnitt durch die Geschichte des legendären Rennens an der Sarthe. Alle Epochen und Rennwagen aus verschiedenen Nationen sind vertreten. Ältestes Auto ist der Bentley Sport 3 Liter von 1924. Das aktuelle Siegerfahrzeug aus dem Jahr 2006, der Audi R10, ist auf dem Audi-Stand in Halle 3 zu sehen.Bis auf den Audi R10 stehen alle Le Mans-Renner in der Showhalle A1. Die Motor Show Essen findet vom 1. bis 10. Dezember statt. Die Eintrittspreise: Erwachsene zahlen 16 Euro, Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren zahlen zwölf Euro. Kinder unter 8 Jahren haben kostenlosen Eintritt.