Lotus-Renault füllt das Winterloch
Lotus-Renault hat im Winter die Schlagzeilen der Formel 1 beherrscht - wenn auch nicht immer ganz freiwillig. Anfang Dezember ist das Medienecho enorm, als der britische Sportwagenbauer bekannt gibt, das Renault-Team zu übernehmen und als Werksmannschaft in die Königsklasse des Motorsports zurückzukehren. Da aber bereits ein Team Lotus existiert, nämlich jenes, das als Newcomer schon 2010 am Start war, kommt es zum Namensstreit. Dieser beschäftigt aktuell noch die Gerichte und wird erst nach Saisonstart entschieden. Viel schwerwiegender sind jedoch die Konsequenzen, die sich aus Robert Kubicas Rallye-Unfall samt schwerer Verletzungen ergeben. Ohne den polnischen Top-Fahrer wird es schwerer, wieder an die Spitze zu kommen. Also dort hin, wo sich Lotus bis in die Achtziger Jahre hinein bereits befand.
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- Zwischen 1963 und 1978 gewinnt Lotus sechs Fahrer- und sieben Konstrukteurs-Titel. Auf dem Foto ist Graham Hill beim Deutschland-Grand Prix 1969 zu sehen.
Lotus in den 60ern und 70ern: Triumphe und Tragödien
Lotus steigt 1958 in die Formel 1-Weltmeisterschaft ein. Nach zwei Aufbaujahren
gewinnt der vom legendären Colin Chapman geleitete Rennstall den ersten Grand
Prix – der Startschuss für eine goldene Ära. 1963 gelingt Lotus das Double aus
Konstrukteurs- und Fahrer-Titel (Jim Clark). Bis 1978 sollen fünf weitere
Fahrer-Weltmeisterschaften und sechs Hersteller-Titel folgen. Dabei bleibt die
Saison 1970 besonders in Erinnerung – aus traurigem Anlass: Lotus gewinnt zwar
wieder beide Weltmeisterschaften, doch Colin Chapmans Fahrer Jochen Rindt muss
der Titel posthum verliehen werden. Vor dem Großen Preis von Italien führt der
Österreicher die WM mit großem Vorsprung an, als er in Monza im Training tödlich
verunglückt. Sein größter Konkurrent, Ferrari-Pilot Jacky Ickx, kann den
Vorsprung nicht mehr aufholen, Rindt wird nach seinem Tod Formel 1-Weltmeister.
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- Der geniale Konstrukteur Colin Chapman (1928 - 1982) bringt seinen Rennstall 1958 in die Formel 1. Nach seinem Tod verlässt den britischen Traditions-Rennstall leider der Erfolg.
Mit Colin Chapmans Tod beginnt der Abstieg
Ende des Jahres 1982 stirbt der geniale Konstrukteur und Firmengründer Colin
Chapman an Herzversagen. Schon seit vier Jahren titellos, beginnt damit der
endgültige Niedergang des Lotus-Teams. Zwar steigen auch in den Achtziger Jahren
noch prominente Fahrer für Lotus ins Cockpit, darunter der aufstrebende Ayrton
Senna oder Nelson Piquet. Doch es reicht – wenn überhaupt – nur noch zu
einzelnen Grand Prix-Siegen. Der letzte gelingt Senna 1987 beim Großen Preis der
USA. Als Lotus 1994 Insolvenz anmelden muss, ziert das einst so ruhmreiche Team
das Tabellenende.
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- Vitaly Petrov (l.) und Robert Kubica (r., mit Teampräsident Gerard Lopez) waren 2011 als Piloten fest eingeplant. Leider hat sich der Pole vor der Saison bei einem Rallye-Unfall schwer verletzt.
Nick Heidfeld muss Plan B umsetzen
Jetzt ist Lotus also in doppelter Hinsicht wieder da, wenn auch das Comeback der "richtigen" Werksmannschaft unter keinem guten Stern steht. Immerhin ist es der britisch-französischen Allianz gelungen, mit Nick Heidfeld einen Fahrer zu verpflichten, der durchaus das Potential hat, den durch Kubicas Ausfall nötig gewordenen Plan B bestmöglich umzusetzen. Zudem ist nach wie vor Vitaly Petrov als Pilot an Bord, der immer noch für die nötigen Millionen sorgt und - wenn er seine starke Leistung aus dem Saisonfinale 2010 kompensieren kann - endlich zum ernstzunehmenden F1-Fahrer reifen kann. Das Auto präsentiert sich innovativ, beispielsweise beim ungewöhnlichen Auspuff, der im Vorfeld der Saison bereits von einigen Teams kopiert worden ist. Schnell scheint der im nostalgischen Schwarz-Gold lackierte Bolide auch zu sein, sodass der Angriff auf die Spitze trotz aller Nebengeräusche und Rückschläge gelingen könnte.

