Test a-workx Porsche 911 GT2

Rekordjäger: Wertungsprüfung a-workx Porsche 911 GT2 Sports Cup

Er sieht aus wie ein Rennwagen, er ist ein Rennwagen – aber einer mit Straßenzulassung. Mit diesem 911 GT2 - von a-workx fitgemacht für den Porsche Sports Cup - unterwegs zu sein, ist ein besonderes Erlebnis – und zwar in jeder Hinsicht. (Thomas Harloff , 27.01.2012)

TECHNISCHE DATEN
Porsche a-workx Porsche 911 GT2 Sports Cup
MotorSechszylinder-Boxermotor mit Biturbo-Aufladung
Hubraum3.600 ccm
Leistung418 kW (570 PS) bei 6.500 U/min
Drehmoment750 Nm bei 2.200 U/min
L/B/H in Meter4,47 m/1,85 m/1,29 m
Gewicht1.580 kg
AntriebHeck
GetriebeSechsgang-Schaltgetriebe
Felgengrößevo: 8,5x19 Zoll / hi: 12x19 Zoll
Bereifung235/35 ZR19 / 325/30 ZR19 Michelin Pilot Sport Cup
BremsenScheiben rundum; vo: 380 mm / hi: 350 mm
0-100 km/h3,9 s
0-200 km/h11,3 s
Vmax335 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)35,1 m
Verbrauch16,2 l / 100 km
Grundpreis226.878,53 Euro (inkl. Tuning)
Testwagenpreis135.000 Euro (aktueller Preis gebraucht)
VersicherungsklassenHP 20/ VK 34/ TK 32
Rundenzeit41,0 s
TeststreckeWachau

Warm Up

„Rennsport für die Straße.“ Ein ebenso oft verwendeter wie abgedroschener Leitsatz, der leider nur in den seltensten Fällen stimmt. Denn wer schon einmal in einem richtigen Rennwagen unterwegs war, der weiß, dass die meisten Sportwagen und Tuningautos, mögen sie noch so schnell und stark sein, vom Rennsport so weit entfernt sind wie unsereins von einem Date mit der Wieder-Junggesellin Heidi Klum. Doch in diesem Fall trifft der so oft bemühte Spruch wie Wladimir Klitschkos Faust auf David Hayes Auge. Denn dieser Porsche 911 GT2, aufwendig getunt in den heiligen Hallen von a-workx im oberbayerischen Weßling, ist ein Rennwagen mit Straßenzulassung. Das geht auch gar nicht anders, denn dieses Auto war einst im Porsche Sports Cup unterwegs, und zwar in einer Klasse, in der nur straßenzugelassene Autos starten dürfen. Und dieses Auto war nicht irgendein Mitläufer. Nein, es ist mehrfacher Titelträger und hat somit das Potential, alle bisher von uns getesteten Sportwagen zu verweichlichten Statisten zu degradieren.

a-workx Porsche 911 GT2
Biturbo-Powerpack: Der doppelt aufgeladenen 3,6-Liter-Boxer bleibt reglementsbedingt unangetastet. Macht aber nichts, wie die hervorragenden Fahrleistungen beweisen.

Längs

Reglementsbedingt musste der a-workx GT2 in seiner Rennkarriere auf eine klassische Leistungssteigerung verzichten und tut das bis heute. Allerdings verfügt er über einen K&N Sportluftfilter und den Titan-Komplettauspuff "Slip on Race" aus dem Hause Akrapovic. Das bringt gut 40 PS und etwa 70 Nm, weshalb der Racer nun stramme 570 PS und 750 Nm im Datenblatt stehen hat. Ist man im optimalen Drehzahlbereich - also zwischen 3.000 und 7.000 Umdrehungen - unterwegs, muss man das Gaspedal nur anschauen, und dieser Tuning-GT2 schießt schneller in führerscheingefährdende Geschwindigkeitsregionen, als man „Vorsicht, Blitzer!“ sagen kann. Allerdings muss der Pilot flinke Finger am Schalthebel beweisen, um nicht mit Vehemenz in den Drehzahlbegrenzer zu rasseln oder ins Turboloch zu fallen. 3,9 Sekunden von Null auf Hundert lesen sich genauso spektakulär, wie sie sich hinter dem Steuer anfühlen. Wie der Topspeed von 335 km/h einzuordnen ist, muss an dieser Stelle nicht explizit ausgeführt werden.

a-workx Porsche 911 GT2
Bei einem Auto wie dem Porsche 911 GT2 Sports Cup von a-workx geht es nicht in erster Linie um neue Rekordmarken in punkto Längsdynamik. Vielmehr soll er der Konkurrenz auf der Rennstrecke den Heckflügel von hinten zeigen und das wird er in den meisten Fällen auch tun.

Quer

Bei einem Auto wie dem Porsche 911 GT2 Sports Cup von a-workx geht es jedoch nicht in erster Linie um neue Rekordmarken in punkto Längsdynamik. Vielmehr soll er der Konkurrenz auf der Rennstrecke den verstellbaren Heckflügel von hinten zeigen. Und um es vorweg zu nehmen: Die Erfolge dieses Autos verwundern uns nicht im Geringsten. Dieser Porsche ist eine Fahrmaschine reinsten Wassers, gebaut für den Race Track und deshalb auf diesem Terrain voll in seinem Element. Eines überrascht jedoch schon nach wenigen Kurven: Der Pilot ist ohne großen Aufwand sauschnell und behält stets die Kontrolle über den GT2, der immer verlässlich reagiert und nur dann mit dem Hinterteil auskeilt, wenn es der Pilot drauf anlegt. Lenkung, Bremse, Kupplung und Schaltung wollen hart angepackt werden, wobei jede Komponente für sich absolut direkt und präzise arbeitet und in Kombination ein homogenes Ganzes ergibt, das automatisch für Top-Rundenzeiten bürgt. Das Herzstück dieses formidablen Pakets ist aber das a-workx-Setup für das KW Competition-Fahrwerk. Wie gewohnt hat der Tuner viel Detailarbeit investiert, um Spur, Sturz, Fahrzeughöhe, Radlasten und Spurweite perfekt miteinander zu kombinieren. Der a-workx GT2 ist weich genug abgestimmt, um erbarmungslose Curb-Räubereien lässig zu parieren, wirkt aber dennoch zu jeder Zeit bis zum Bersten gespannt und scharf wie eine Rasierklinge. Die um Stahlflexleitungen und Rennsport-Bremsflüssigkeit ergänzten Serien-Stopper legen zwar mit 35,1 Metern aus 100 km/h keinen Knallerwert auf den Asphalt, lassen sich aber wunderbar dosieren und präsentieren sich extrem standfest. Da die auf 19-Zoll ATS Superlight aufgezogenen Michelin Pilot Sport Cup-Reifen zudem einen hervorragenden Job machen, brennt der a-workx Porsche 911 GT2 eine Zeit von 41,0 Sekunden in den niederösterreichischen Asphalt des Wachaurings. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass er damit der Rekordhalter und somit eine absolute Fahrdynamik-Granate ist.

a-workx Porsche 911 GT2
Täuschungsmanöver auf dem a-workx-Gestühl: Unter der Haube werkelt immernoch ein 3,6-Liter-Aggregat. Die Sportschalen packen zu wie ein Schraubstock, sind aber erstaunlich bequem.

Alltag

Doch wie immer gibt es die andere Seite der Medaille, den Haken an der Sache, den Pferdefuß. Und der offenbart sich beim a-workx Porsche 911 GT2 immer dann, wenn man nicht auf der Rennstrecke unterwegs ist oder Landstraßenkurven im Höchsttempo zu Geraden zurechtschneidert. Ist die Fahrwerkshärte gerade noch erträglich, stellt die allgegenwärtige Geräuschkulisse die eigenen Nerven auf eine harte Probe. Im konsequenterweise Radio- und Soundsystemlosen a-workx GT2 quietscht der nachträglich installierte Käfig, rasselt der komplette Fahrbahnschmutz in den Radhäusern sowie am Unterboden und ist auch der Motor stets akustisch überpräsent. Überhaupt ist der aus Sicherheitsgründen im Motorsport unabdingbare Überrollkäfig sein Hauptmanko im Alltagskapitel. Er macht den Einstieg zur Tortur, schränkt die Rundumsicht immens ein und ist auch noch laut. Waschanlagen sind wegen des Riesenflügels auf dem Motordeckel, den a-workx zudem mit einer Verlängerung aus Carbon aerodynamisch optimiert hat, natürlich tabu. Aber immerhin sitzt man im Rennschalen-Gestühl erstaunlich bequem.

a-workx Porsche 911 GT2
Der Erstbesitzer des a-workx Porsche 911 GT2 hat da schon deutlich mehr investieren müssen. Zu den ziemlich genau 200.000 Euro für das Basisauto addieren sich insgesamt knapp 27.000 Euro für den Rennstrecken-Feinschliff.

Geld

Na, auf den Geschmack gekommen? Dann seid Ihr - Stand heute - mit 135.000 Euro dabei. Genau für diesen Tarif steht das von uns getestete Auto derzeit zum Verkauf. Sein Erstbesitzer hat da schon deutlich mehr investieren müssen. Zu den ziemlich genau 200.000 Euro für das Basisauto addieren sich insgesamt knapp 27.000 Euro für Auspuff, Kupplung, Fahrwerk, Räder, Aerodynamik- und Bremsen-Feinschliff. Eine Menge Holz, aber angemessen für die Verwandlung eines Supersportwagens in ein reinrassiges Rennstrecken-Tier. So mancher GT2-Besitzer, der seinen automobilen Begleiter gern auf die Rennstrecke ausführt, dürfte sich für den Umbau erwärmen können. Doch nicht nur diese priviligierten Zeitgenossen wissen, dass sich bei einem High-Performance-Porsche alle Unterhaltskosten auf exorbitant hohem Niveau bewegen. Trotzdem ist der a-workx GT2 jetzt, wo er als Gebrauchtwagen knapp 100.000 Euro günstiger ist, für den ein oder anderen Fahrdynamik-Junkie mit üppig gefülltem Portemonnaie ein erreichbarer Auto-Traum.

a-workx Porsche 911 GT2
Gut 530 PS auf der Hinterachse, da bittet das Heck gerne mal zum ausladenden Tänzchen. Ein bisschen provozieren muss man den GT2 dafür aber schon.

Wahre Werte

Ihr habt es vielleicht in vorherigen Wertungsprüfungen gemerkt: Wir in der Motorvision.de-Redaktion stehen auf Konsequenz und honorieren das regelmäßig in dieser Rubrik. Deshalb muss der a-workx GT2 Sports Cup hier einfach gut abschneiden, denn wenn ein Auto das Prädikat „Rennwagen mit Straßenzulassung“ verdient, dann ja wohl dieses. Er erfüllt nur einen Zweck, nämlich in alle Richtungen rekordverdächtig unterwegs zu sein. Er streicht das Wort „weichgespült“ aus unserem Wortschatz, lässt die Gesichtszüge der designierten Beifahrerin entgleiten, sobald eine Ausfahrt zu zweit geplant ist, und verschreckt jeden Passanten, der nicht genug Benzin im Blut hat. Kenner wissen seinen Auftritt dagegen zu schätzen, beneiden, nein… bewundern uns, wenn wir damit unterwegs sind, und wollen unbedingt eine Runde mitfahren. Da derlei Reaktionen immer ein gutes Zeichen sind, kann es nur eine Wertung geben: Zehn Punkte!

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Porsche a-workx Porsche 911 GT2 Sports Cup
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
35
Längs09
Quer10
Alltag02
Geld04
Wahre Werte10
MOTORVISION FAZIT
Redakteur Thomas Harloff Redakteur Thomas Harloff
Erst ist es Ehrfurcht, dann Zuversicht, schließlich Freude und ganz am Ende die pure Begeisterung. Dieses Auto hat uns gezeigt, was es braucht, um den Leitfaden „Rennsport für die Straße“ konsequent umzusetzen: Die richtige Basis, wenig Gewicht, feinste Fahrwerks-, Bremsen- und Aerodynamikkomponenten und einen erbarmungslos ins Kreuz tretenden Motor. Machen wir uns nichts vor: Der a-workx GT2 Sports Cup gehört auf die Rennstrecke, nicht auf die Autobahn und schon gar nicht in die Innenstadt. Wer das weiß und es sich leisten kann, wird einfach süchtig nach diesem Auto. Garantiert!

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