100 Jahre Rallye Monte Carlo

Putzmunter auch im hohen Alter: 100 Jahre Rallye Monte Carlo

Was 1911 gemütlich beginnt, ist inzwischen eine PS-Show mit Legendenstatus. In den 100 Jahren ihres Bestehens haben sich einige Rallyepiloten dank der „Monte“ zu Rennsport-Helden aufgeschwungen. www.motorvision.de blickt zurück auf ein Jahrhundert Rallye Monte Carlo. ( , 18.01.2011)

Große Feier im Rahmen der 2. Liga

Die Rallye Monte Carlo, von Fans und Beteiligten liebevoll „Monte“ genannt. Aufgrund ihrer Bekanntheit gilt sie als Mutter aller Rallyes. Sie könnte jedoch auch die Urgroßmutter aller Rallyes sein, schließlich feiert sie 2011 ihr 100-jähriges Jubiläum. Vom 19. bis 22. Januar gibt es die große Geburtstagsparty, wenn auch nicht mehr als Auftakt der WM-Saison. Aber immerhin geben sich die Piloten der IRC-Serie, der „2. Liga des Rallye-Sports“, sowie einige Gaststarter die Ehre, um der Monte zum Geburtstag zu gratulieren. Und kein Zweifel: Aufgrund ihrer bewegten Historie hat sie sich den großen Bahnhof verdient.

Ford V8 Saloon Special
In den Vorkriegsjahren ist Ford recht erfolgreich bei der Rallye Monte Carlo am Start und siegt 1936 und 1938 jeweils mit einem Ford V8.

1911: 25 PS reichen für den Sieg

Auf Initiative von Fürst Albert I. findet im Januar 1911 die erste Rallye Monte Carlo statt. Das Konzept ist damals jedoch noch ein anderes: Das Rennen hat den Charakter einer Sternfahrt, an deren Ende die Teilnehmer auf den Wertungsprüfungen gegen die Uhr antreten. 20 Teilnehmer fahren in den Startorten Genf, Paris, Boulogne-sur-Mer, Berlin, Wien und Brüssel los, um in ihren Schnauferln hoch über dem Fürstentum an der Cote d´Azur um den Sieg zu kämpfen. Erster Gewinner ist der Franzose Henri Louis Rougier, der in einem Turcat-Méry triumphiert. Statt 300 PS wie bei den modernen Rallyeautos reichen seinerzeit 25 PS für den Monte-Sieg.

Mini Cooper S
Mini kann die Rallye Monte Carlo dreimal für sich entscheiden. 1964 gewinnt der Ire Paddy Hopkirk, ein Jahr später triumphiert Timo Mäkinen (Foto) und 1967 siegt Rauno Aaltonen.

Die Monte als Hollywood-Star

Mit der Zeit wird die Rallye immer größer und bekannter. Selbst die Filmindustrie wird auf das Motorsport-Spektakel aufmerksam: 1969 kommt der Streifen „Monte Carlo Rallye“ (im Original „Monte Carlo or Bust“) in die Kinos, der in den 20ern – also den Anfangsjahren der Rallye – spielt und in dem unter anderem Tony Curtis und James Bond-Bösewicht Gert Fröbe Hauptrollen übernehmen. 1977 greift schließlich der dritte Teil der legendären „Herbie“-Reihe den Mythos Rallye Monte Carlo auf. In „Der tolle Käfer in der Rallye Monte Carlo“ nimmt das Krabbeltier mit der Startnummer 53 die Wertungsprüfungen im Disney-Stil unter die Räder.

Ford Focus RS WRC
Die Nacht der langen Messer - die Königs-Prüfung über den Col de Turini. Hier ist Ford-Pilot Mikko Hirvonen auf Bestzeit-Jagd. Die 2007er Auflage gewinnt jedoch Rekord-Weltmeister Sébastien Loeb.

In der „Nacht der langen Messer“ werden Helden geboren

Monte Carlo ist zwar Namensgeber, Stützpunkt sowie Start- und Zielort der Rallye, die Wertungsprüfungen finden jedoch hauptsächlich in den französischen Seealpen statt. Besonders berühmt: die Erstürmung des Col de Turini, die aus mehreren Gründen als eine der schwersten Herausforderungen im gesamten Rallyekalender gilt. Die Streckenführung ist extrem schwierig, das vollkommen unberechenbare Wetter verwandelt die eigentlich als Asphalt-Rallye ausgetragene Monte oft in eine Zeitenjagd im Schnee. Zudem wird die Wertungsprüfung oft in der Dunkelheit ausgetragen, was ihren Spitznamen „Die Nacht der langen Messer“ erklärt. Und nicht zuletzt sorgen die Fans für einen erhöhten Schwierigkeitsgrad, indem sie nur zu gern Schnee auf den Asphalt schaufeln, um die Boliden mit größeren Driftwinkeln vorbeijagen zu sehen.

Lancia 037 Rally
1983 feiern Walter Röhrl (r.) und sein Beifahrer Christian Geistdörfer im Lancia 037 Rally ihren dritten gemeinsamen Monte-Sieg. Für den WM-Titel reichte es diesmal nicht, Audis Allradkonzept war einfach überlegen.

Walter Röhrl und Lancia als heimliche Monte-Könige

Einige Helden des Rallyesports kommen mit den schwierigen Bedingungen der Monte besonders gut zurecht. Rekordsieger ist – wie sollte es auch anders sein – Rekordchampion Sébastien Loeb, der fünfmal im Fürstentum triumphieren kann, jeweils in einem Citroen. Als heimlicher König der Rallye gilt jedoch Walter Röhrl. Der Regensburger gewinnt die Monte vier Mal – für vier verschiedene Marken. Egal ob mit Front- oder Mittelmotor, Heck- oder Allradantrieb: Röhrl ist seinerzeit in den französischen Seealpen kaum zu bezwingen und holt seine Monte-Siege am Steuer eines Fiat 131 Mirafiori Abarth (1980), Opel Ascona 400 Rallye (1982), Lancia Rally 037 (1983) und bei seinem Debüt im Audi Quattro (1984). Die weiteren vierfachen Sieger wechselnihre Arbeitsgeräte nicht so oft: Sandro Munari gewinnt jeweils in einem Lancia (1972 im Fulvia 1.6 Coupé HF, von 1975 bis 1977 im Stratos HF), Tommi Mäkinen siegt dreimal im Mitsubishi Lancer Evo und einmal in einem Subaru Impreza. Der viermalige finnische Champion ist jedoch der einzige Fahrer, der die Monte viermal in Folge für sich entscheiden kann (1999 bis 2002). Das Rekord-Siegerauto ist der Lancia Delta, der in seinen verschiedenen Versionen (S4, HF 4WD und HF Integrale) stets besonders flott über die WPs gebrettert ist. Da auch der Stratos sehr erfolgreich ist, darf sich Lancia mit 13 Gesamtsiegen als erfolgreichste Marke in der Geschichte der Rallye Monte Carlo rühmen.

Ford Fiesta S2000
Im vergangenen Jahr tritt Mikko Hirvonen als Gaststarter bei der Rallye Monte Carlo an - und jagt den Ford Fiesta S2000 zum Sieg. Hirvonen wird seinen Titel leider nicht verteidigen; er gehört 2011 nicht zum Starterfeld.

Kein Bestandteil der WM

Inzwischen ist der Lack der Monte etwas abgeblättert, denn sie zählt nicht mehr zur Rallye-Weltmeisterschaft. Bis 2008 war sie meist der traditionelle Auftakt in eine neue WM-Saison, 2009 flog sie wegen des Rotationsprinzips aus dem WRC-Kalender. 2010 wäre sie wieder dran gewesen, allerdings verlangte die Sportbehörde FIA Zugeständnisse vom Veranstalter, dem Automobile Club de Monaco ACM. Dieser sollte aus Sicherheitsgründen die einzelnen Wertungsprüfungen verkürzen und auf die Nacht der langen Messer verzichten. Dies macht der traditionsbewusste ACM, der ebenfalls Ausrichter des Formel 1-Rennens in Monaco ist, jedoch nicht mit und nimmt deshalb in Kauf, dass seit 2009 „nur“ die International Rally Challenge IRC im Fürstentum gastiert. Allerdings wird das Starterfeld gerne mit bekannten Namen aufgestockt. So konnte im vergangenen Jahr der Ford-WRC-Pilot MikkoHirvonendie Monte gewinnen. Der eigentlich als Testlauf für den neuen Fiesta S2000 geplante Start wurde gleich zum Triumph für den Finnen, der dann aber eine enttäuschende WM-Saison hingelegt hat.

Sébastien Loeb
Sébastien Loeb hat nicht nur mehr Rallyes und WM-Titel gewonnen als jeder andere Pilot, sondern ist auch Monte-Rekordsieger: Loeb hat bisher fünf Mal gewonnen - immer am Steuer eines Citroen.

WM-erprobte Fahrer mit Favoritenstatus

Gut möglich, dass sich auch 2011 - bei der insgesamt 79ten Auflage - wieder ein WM-Pilot in die Siegerliste der Rallye Monte Carlo einträgt. So tritt der eigentliche Citroen-WRC-Fahrer Petter Solberg als Gaststarter mit einem Peugeot 207 an, mit dem er zuvor sogar einige Testfahrten in Südfrankreich absolviert hat. Wie in der WM kommt es zum Bruderduell mit Henning Solberg, der einen Ford Fiesta S2000 pilotiert. Weitere WM-erprobte Fahrer wie die Skoda-Piloten Jan Kopecky, Freddy Loix oder Andreas Mikkelsen, die im Peugeot antretenden Stephane Sarrazin und Toni Gardemeister sowie Ex-WM-Teilnehmer Chris Atkinson in einem neu aufgebauten Proton gehören ebenfalls zum Favoritenkreis.

Ford Focus RS WRC
Ein Streckenabschnitt, wie er typisch ist für die Rallye Monte Carlo: Ford-Pilot Francois Delecour prügelt seinen Boliden über eine WP. Der Franzose siegt 1994 bei der Monte - im Vorgängermodell Escort RS Cosworth.

Siegentscheidung in der Nacht der langen Messer

Zum Jubiläum bietet die Rallye ein rekordverdächtiges Starterfeld mit 120 Teilnehmern und präsentiert einige historische Wertungsprüfungen. Zwei davon befanden sich sogar bereits bei der Premiere 1911 im Streckenverlauf. Und natürlich wird in der Nacht der langen Messer die Entscheidung über Sieg oder Niederlage gefällt. Obwohl die ganz großen Stars in der Nennliste fehlen, präsentiert sich die Monte also auch nach einem Jahrhundert putzmunter. In der Nacht auf Samstag, den 22. Januar, werden wir wissen, wer sich 2011 als Monte-Sieger feiern lassen darf.So schwer ein Tipp fällt, steht eines bereits vor der Rallye fest: Die illustre Siegerliste wird um einen neuen Namen ergänzt, denn kein Teilnehmer aus dem 2011er Starterfeld konnte die Rallye Monte Carlo schon einmal für sich entscheiden.

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100 Jahre Rallye Monte Carlo - ist die Monte noch die alte?

  • Klar doch. Egal ob IRC oder WRC - die Monte ist die Monte.
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  • Monte? Kenne ich nur von Zott, schmeckt aber hervorragend!
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  • Eine Monte ohne die besten Fahrer? Ist für mich nicht mehr interessant!
    26 %
  • Sie hat nicht mehr die Strahlkraft wie früher, ist aber immer noch die interessanteste Rallye der Saison.
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