Ein Auto mit einmaliger Historie: In diesem Lincoln Continental Bubbletop nahm einst US-Präsident John F. Kennedy Platz. Jetzt ging die Staatskarosse für eine knappe halbe Million über den Tisch. (Jessica Fischer , 25.08.2010)
Ein Stück amerikanischer Geschichte
Die Ford Motor Company stellt bereits vor den 1960ern die Staatskarossen des US-Präsidenten. So ist es keine Überraschung, dass der Secret Service 1961 für den jüngsten aller ins Amt gewählten US-Staatsoberhäupter einen Lincoln Continental ordert. Im 1962er Lincoln Continental nimmt aber nicht nur JFK himself Platz, sondern auch die First Lady Jacky Kennedy, der Papst Paul VI, Präsident Lyndon B. Johnson und die Astronauten der Apollo-Mission. Ohne Zweifel ist der Lincoln Continental Bubbletop eines der bedeutendsten Paradefahrzeuge der amerikanischen Geschichte.
Umbau für das höchste Amt
Eine elitäre Präsidentenkarosse ist natürlich kein x-beliebiger Lincoln Continental. Dwight D. Eisenhower schlägt bereits 1954 vor, ein abnehmbares Plexiglasdachüber den hinteren Sitzplätzen zu installieren. So ist der Präsident vor den Elementen geschützt und das gemeine Volk sieht ihr Oberhaupt trotzdem während einer Parade. Die Modifikationen übernimmt Hess & Eisenhardt aus Cincinnati, Ohio. Sie führen die Idee Eisenhowers noch weiter fort. Äußerlich verwandeln sie den Continental in eine geschlossene Limousine, indem sie vor dem Plexiglasdach zusätzlich ein Vinyldach anbringen. Dieser Teil des Daches ist abnehmbar und kann im Kofferraum verstaut werden. Das macht die Dachkonstruktion sehr variabel und für viele unterschiedliche Anlässe einsetzbar.
Eines Präsidenten würdig
Den Antrieb übernimmt standesgemäß ein Sieben-Liter-Achtzylinder mit 304 PS. Die Leistung wird per Drei-Gang-Automatik an die Hinterräder übertragen. Für seinen anspruchsvollen Einsatz ist der Lincoln Continental Bubbletop mit einer ganzen Reihe an specialfeatures ausgerüstet. Die luxuriöse Lederausstattung erscheint da schon fast obligatorisch. Der Innenraum der Fondpassagiere ist von den Vordermännern komplett getrennt. Beide Abteile besitzen eine eigene Klimaanlage und einzelne Radios, inklusive Sprechfunkgerät. Zur Funktion als repräsentative Staatskarosse gehören auch Warnblinker und Sirenen, die in der Stoßstange integriert sind. Auf den Kotflügeln sind Halterungen für die Stars andStripes angebracht.
Morbider Ruhm
Auch wenn die Scheiben aus Sicherheitsglas bestehen, gibt es ansonsten keinerlei Sicherheitsfeatures oder Bewaffnung. Der Wagen ist darauf ausgelegt, die Korrespondenz des Präsidenten während der Fahrt sicher zu stellen und ihn für die Besucher gut sichtbar zu machen. Und genau das soll John F. Kennedy bereits ein Jahr später zum Verhängnis werden. Am 22. November 1963 fährt er in einem offenen Continental derselben Bauart. Auf das Bubbletop-Plexiglasdach verzichtet er aufgrund des schönen Wetters. Um 12:30 wird er mit mehreren Gewehrschüssen hingerichtet. Der Todeswagen des Präsidenten wird später, genau wie dieses Modell, im Henry Ford Museum ausgestellt. Er wird für immer Ausdruck eines einschneidenden und schmerzlichen Abschnitts amerikanischer Geschichte bleiben. Seit dem 14. August ist er in privater Hand. Der neue Besitzer ersteigert den Continental Bubbletop bei RM Auctions in Monterey, Kalifornien für 429.000 Dollar.