Porsche 911 GT2 RS

Porsche 911 GT2 RS - Renn Superlativ

Als ob ein 911 GT3 RS nicht schon schnell genug wäre. Mit dem 911 GT2 RS bringen die Zuffenhausener den stärksten Serien-Porsche aller Zeiten auf die Piste. Das Ergebnis ist nicht weniger als Atem beraubend. ( , 21.07.2010)

Fast alle schon weg

Es schien so, als würde es eine Bestmarke für ewig sein. Die 612 PS des Supersportwagens Porsche Carrera GT schienen auch in Stuttgart wie in Stein gemeißelt. Auch die potenten 911-GT-Modelle konnten daran bislang nicht kratzen. Doch aktuell baut Porsche 500 Stück des neuen Übersportwagens 911 GT2 RS. „An sich waren nur 300 Stück geplant“, so Projektleiter Andreas Preuninger, „doch dann haben wir uns entschieden, 500 zu produzieren. Bereits jetzt sind fast alle verkauft.“ Der Preis des Supersportwagens: mindestens 237.578 Euro.

GT2RS_heck_seite
Von 0-100 geht es in 3,5 Sekunden, 200 km/h liegen nach 9,8 sekunden an, 300 km/h nach 29 Sekunden. Bei 330 km/h ist Schluß. Trotzdem soll der GT2 RS laut Porsche lediglich 11,9 Liter verbrauchen.

90 Prozent Rennstrecke

Dafür gibt es 456 KW / 620 PS, 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden, 0 auf 200 km/h in 9,8 Sekunden, 0 auf 300 km/h in 29 Sekunden und 330 km/h Spitze. Doch ein Wert beeindruckt weit mehr als die grandiosen Beschleunigungen. Der Durchschnittsverbrauch des Über-Porsche liegt bei gerade einmal 11,9 Litern SuperPlus auf 100 Kilometern. Vor Jahren wäre man in diesen Leistungsklassen mit rund dem doppelten oder mehr an Verbrauch unterwegs gewesen. Der Porsche 911 GT2 RS ist ein Auto für die Rennstrecke. „Rund 90 Prozent der Gesamtfahrleistung eines GT-Fahrzeugs wird von unseren Kunden auf der Rundstrecke zurückgelegt. Viele fahren sonst nur auf eigener Achse dort hin und zurück. Entsprechend haben wir den GT2 RS auch entwickelt“, erläutert Preuninger, „bei diesem Fahrzeug sind wir nah an einem Jet. Den Grenzbereich kann man allenfalls auf der Rennstrecke austesten. An sich bin ich selbst kein Turbofanatiker, aber ich bin ein echter Fan dieses Autos geworden.“

GT2RS_heck
Die Superlative finden kein Ende: Vortrieb wie in einer Rakete, perfekt ausbalanciertes Rennfahrwerk, messerscharfes Handling und nicht enden wollende Bremskraft. Der GT2 RS ist nah an der Perfektion.

Nahe an der Perfektion

Die 620 PS kommen nicht von ungefähr. Der im Normalzustand alles andere als schwächliche Sechszylinder-Boxer mit seinen 3,6 Litern Hubraum wird dank Abgasturbolader zu einer wahren Rakete. Bereits ab 2.250 U/min liegt ein gewaltiges Drehmoment von 700 Nm an. Doch Zahlen können kaum ausdrücken, wie sehr es zur Sache geht, wenn der Turbo sich erst einmal den Motor geschnappt hat. Es gibt kein Halten mehr. Der Hecktriebler spurtet nach vorn, als ob ein Nachbrenner gezündet worden wäre und dem Piloten entgleiten alle Gesichtszüge. Das mit Wildleder bezogene Lenkrad arbeitet besonders in engen Kurven messerscharf und die Keramik-Bremsanlage beeindruckt ernsthaft noch mehr als das Hochleistungs-Aggregat im Fahrzeugheck.

Das Fahrwerk - ein Genuss

Die Abstimmung des Rennfahrwerks ist ein Hochgenuss. Dabei zeigt sich der offiziell knapp 1,4 Tonnen schwere Bolide nicht nur knüppelhart, sondern durchaus noch so, dass er auch auf öffentlichen Straßen zu bewegen ist. Überhaupt ist nicht nur die Rennstrecke, sondern auch die Landstraße der artgerechte Lebensraum für einen Porsche GT2 RS. Zwar kann hier einem auch ein GT3 die Spucke aus dem Mund zaubern, doch der RS legt die Messlatte schon durch die breitere Spur, speziell angepasste Semi-Slick-Reifen und das Plus an Motorleistung nochmals deutlich höher. Während die normale Dämpferabstimmung für Landstraßen oder die Nordschleife die rechte ist, bedient der Sportmodus topfebene Rundstrecken in vorbildlicher Art und Weise. Wer will, kann die Regelungsprogramme für Längs- und Querdynamik im RS einzeln deaktivieren. Andreas Preuninger: „Zuerst hatten wir auf eigene Initiative nur eine Leichtversion als Versuchsträger aufgebaut. Es ist dann immer mehr und immer schneller geworden und irgendwann hatten wir die 600 PS vor Augen.“ Doch Leistung ist das eine. Zudem wurde an allen nur erdenklichen Stellschrauben gedreht, um Gewicht zu reduzieren.

GT2 RS_seite
Das Gewicht hat Priorität: Kofferraumhaube aus Karbon, Kotflügel aus Kunststoff, ultraleichte Felgen und eine Vielzahl von Kleinmaßnahmen drücken das Gewicht ohne Flüssigkeiten auf 1.280 Kilo.

7:18 auf der Nordschleife

Die ohnehin überaus leichte Kofferraumhaube vorne aus Aluminium wurde durch ein Kohlefaserteil ersetzt. Auf ihm prangt nunmehr keine Porsche-Plakette, sondern ein offizieller Rennaufkleber. Zudem gab es vordere Kotflügel aus Kunststoff, dünne Teppiche, Rennschalensitze und eine Vielzahl von Kleinmaßnahmen. „Letztlich ist der Wagen ohne Flüssigkeiten nunmehr gerade einmal 1.280 Kilogramm schwer“, ergänzt Preuninger nicht ohne Stolz, „das sind nur zwei Kilogramm pro PS – ein toller Wert.“ Irgendwann ging es auch um die Rundenzeit auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings. „Bei den ersten Testfahrten lagen wir bei 7.35 Minuten, dann hinterher bei knapp unter 7.30 Uhr mit Walter Röhrl am Steuer“, erinnert sich Projektleiter Andreas Preuninger. Als es an die letzten Testfahrten ging, hatte Rallye-Urgestein und Porsche-Experte Röhrl Rückenprobleme und musste passen. „Ein Testfahrer von uns hat mit dem Wagen dann eine Zeit von 7.18 Minuten gefahren“, erzählt Karten Schebsdat, verantwortlich für die Entwicklung der GT-Fahrzeuge bei Porsche, „da waren wir alle überrascht, wie schnell der Wagen ist.“

GT2RS_Sitze
Extra leichte Teppiche und die vorzüglichen Rennschalensitze sorgen im Interieur für maximale Gewichtsersparnis. Der GT2 RS kommt mit Sechsgang-Handschaltung, über ein Doppelkupplungsgetriebe mittelfristig wird nachgedacht.

Manuell schnell

Auf der Rennstrecke dürfte dieser Porsche 911 GT2 RS kaum zu überholen sein. Ob es langfristig bei einer manuellen Schaltung bleibt, ist dagegen noch nicht entschieden. Aktuell ist der Renner mit einem präzisen, aber knochigen Sechsgang-Getriebe unterwegs. Doch die Porsche-Entwickler könnten sich mittelfristig durchaus den Verbau einer entsprechend hochleistungstauglichen Doppelkupplung vorstellen. Wer aber die manuelle Gangwahl einmal genossen hat, dürfte sich kurzfristig nur schwer umstimmen lassen. Der Fahrspaß, die Gänge bis ans Limit auszudrehen und dann mit kraftvollem Kupplungsfuß und tatkräftigem Druck manuell den Gangwechsel zu vollziehen, ist ein Gefühl, dass man so schnell kaum missen möchte. Also schnell zurück in den Zweiten und ab dafür…

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

Turborenner für Straßensportler

Der neue Porsche 911 GT2 präsentiert sich im Fahrbericht als bärenstarkes und hochpräzises, aber keineswegs unkomfortables Sportgerät.

Porsche 911 GT3 RSR

Porsche 911 GT3 RSR für die Saison 2012: Topfit auf die Zielgeraden

Porsche macht seinen Top-Rennelfer noch einmal fit für den Herbst seiner Karriere: Mit dem neuen 911 GT3 RSR für die Saison 2012 wollen die Schwaben der Konkurrenz noch einmal den Heckflügel von hinten zeigen.

Porsche 911 GT2 RS

Fahrbericht Porsche 911 GT2 RS: Zuffen-Sausen

Kurz bevor sich der 997 endgültig in die Rente verabschiedet, hat uns Porsche noch einmal mit dessen erbarmungslosester Ausbaustufe beschenkt: Eine Woche lang durften wir dem GT2 RS in einem ausführlichen Test auf den Zahn fühlen. Und Ihr könnt uns glauben: Wir haben ihn in allen Facetten genossen.

Porsche 911 GT2 RS

Der PS-stärkste Serien-Porsche aller Zeiten

Carrera adé! Porsche setzt noch eins drauf: Am 25. August feiert der neue 911 GT2 RS seine Weltpremiere. Er ist der Leistungsstärkste aller Porsche.

Vorstellung

Techart: Pornöse Porsche-Premieren

Auch die Porsche-Puristen von TechArt sind auf der IAA vertreten. Und präsentieren neben ersten Tuning-Optionen für den neuen 911er ihr bisher stärkstes Ungetüm: den Techart GTStreet RS.
Ähnliche Videos

Tracktest Porsche 911 GT3 RS

Der zackigste Elfer im Tracktest - da ist die Bestzeit fällig, oder? Patrick Simon, Sie sind dran!

Tracktest Porsche 911 GT3 RS

Patrick Simon greift mit dem giftgrünen Elfer die Bestzeit beim neuen Tracktest an.

Porsche 911 Turbo vs. GT3

Bruderkampf auf der Rennstrecke: Porsche 911 Turbo oder GT3 - welcher Elfer ist schneller?

Porsche 911 GT3 RS

Tim Schrick prügelt den Porsche 911 GT3 RS über den Sachsenring - und fährt mehr quer als geradeaus.

Porsche 911 GT3 vs. Turbo

Turbo oder GT3 - welcher Elfer hat auf der Rennstrecke mehr zu bieten? Patrick Simon macht den Vergleich.

Porsche 911 GT3

Die pure Essenz des Elferfahrens: Auch der aktuelle GT3 bündelt alle positive Eigenschaften der 911er-Reihe. Viel Spaß mit dem roten Straßenrenner.
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Dirt Showdown Launch Trailer
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN
BILDERGALERIEN