Valentino Rossi - Serien-Weltmeister, Rekordsieger, als aktiver Rennfahrer schon so legendär wie Giacomo Agostini. Wo Valentino mit einem frisierten Roller fahren gelernt hat, kommen Durchschnitts-Biker voll auf ihre Kosten: Südlich von Rimini auf dem 22 km langen Kurvengeschlängel zwischen Gabicce Mare und Pesaro, das den bezeichnenden Namen „Panoramica“ trägt.
Rossi hat es in seiner Autobiographie verraten: Nirgends hat er so fahren gelernt, wie in Privatrennen gegen seine Jungendfreunde auf der Panoramica – jener kurvigen Landstraße, die elf km von seinem Heimatort Tavullia entfernt an der Adria entlang führt. Laut Rossi „eine schmale, gewundene Straße, und für uns eine Rennstrecke.“ Autobahn und Superstrada („SS 16“) verlaufen parallel. Wer auf der Panoramica (offiziell „SP 44“) fährt, tut dies aus Spaß an Kurven, Kuppen, kurzen Geraden, extremen Steigungen und Bergab-Passagen und nicht zuletzt wegen des immer wieder schönen Ausblicks auf die smaragdgrüne bis tiefblaue Adria. Die Panoramica beginnt am nördlichsten Küstenzipfel der Region Marken, die an den Süden der Emilia Romagna grenzt – exakt dort, wo die Adriaküste nach den kilometerlangen Sandstränden von Rimini und Cattolica plötzlich bergig wird.
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- Das motorradfreundliche Vier-Sterne-Hotel Venus in Gabicce Mare. Hier gibt’s Park- und Garagenplätze und Tourtipps
Rossis Rhythmus: Schule, Essen, Panoramica
Atemberaubende Perspektiven haben der Panoramica ihren Namen verliehen. Aber deswegen sind der jugendliche Valentino und seine Kumpels nicht immer direkt nach der Schule hierher gekommen. Rossi in seiner Autobiographie („Valentino Rossi“, bombus-Verlag): „Unser Tagesablauf war ziemlich simpel: Schule, Essen, Panoramica. Wir trafen uns am frühen Nachmittag, und dann gab es nur noch uns und die 22 km lange Straße. An manchen Tagen fuhr ich die Panoramica vier- oder fünfmal hinauf und hinunter.“Aber die beliebte Hausstrecke von Rossi und Co. hatte (und hat auch heute noch) durchaus ihre Tücken: Schlechter Belag in vielen Kehren sorgt abrupt für fehlende Reifenhaftung. Umso schlimmer: Meist hohe Bepflanzung neben dem Asphalt sowie das ständige Aufundab der Straße führen zu vielen unübersichtlichen Stellen, wodurch tückische Fahrbahnabschnitte umso überraschender auftauchen. Das hat wohl Rossis Reaktionsvermögen geschult und ihn für die legendären Duelle mit Max Biaggi, Sete Gibernau oder heutzutage Casey Stoner geschult.
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- Alessandro Rondolini vom „Bagni 29“ in Gabicce Mare fährt mit seiner BMW GS eher gemütlich über die Panoramica
Schürfwunden mit Salzwasser geheilt
Ganz ungeschoren kam der in dieser Gegend beheimatete und sehr beliebte „Vale“ nicht immer davon. Zerschundene Knie und Ellbogen zeugten bei ihm und seinen Freunden immer wieder von schmerzlichen Ausrutschern auf der Suche nach einer neuen Bestzeit. Ihre Wunden kurierten die Westentaschen-Agostinis nach den Wettfahrten auf der Panoramica umgehend im Salzwasser der Adria. Vorzugsweise in Gabicce Mare am Fuße des Gabicce Monte, wo die Panoramica ihren nördlichen Startpunkt hat. Am Badestrand Nummer 35 wird der Mann mit der berühmten Startnummer 46 heute noch ab und zu gesichtet. Allerdings ist er längst viel zu populär, um das genießen zu können. In Sekundenbruchteilen wird ein Bad in der Adria ein hektisches Bad in der Menge, wenn die ersten Tifosi den Über-Biker erkennen.
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- In Gabicce Mare geben motorisierte Zweiräder den Ton an – und das dank sehr offener Schalldämpfer meist lautstark
Die berühmte 46 bei Bagni 35
Sechs Badestrände weiter am „Bagni 29“ hat Alessandro Rondolini zusammen mit Vater Tonnino und Mutter Helen das Sagen. Er kennt die Panoramica wie jeder Bewohner von Gabicce Mare nur zu gut. Und der 30jährige Bademeister fährt auch gerne die Kurvenkombinationen der Traumstraße. Allerdings: „Mit meiner alten BMW R 100 GS fahre ich eher gemütlich entlang. Ich hole meine Freunde mit ihren 600er Yamahas erst bei der nächsten Pause wieder ein – jeder fährt eben so, wie es ihm gefällt.“Alessandro warnt nicht nur vor unübersichtlichen Stellen und schlechtem Fahrbahnbelag, sondern auch vor Wildwechsel: „Die Panoramica verläuft durch den Naturpark San Bartolo. Dort leben sehr viele Tiere und deshalb muss man mit Wildwechsel rechnen. Wildschweine und Stachelschweine können plötzlich die Fahrbahn kreuzen.“ Alessandro kennt aber auch einen der besten Aussichtspunkte: Kurz vor dem idyllischen Bergdörfchen Casteldimezzo (acht km südlich von Gabicce, ein kurzer Abstecher lohnt sich) führt ein Schotterweg links von der Panoramica weg den Berg hinauf. Von hier aus hat man einen wundervollen Weitblick über die bergige Küste.Wer die Faszination der Panoramica mit ihrem 22 km langen Kurvengeschlängel genießt, kann dies mit einem erholsamen Badeaufenthalt in Gabicce Mare kombinieren, bei der nahegelegenen MotoGP-Rennstrecke von Misano Rennluft schnuppern oder in der direkten Umgebung von Gabicce Kultur- und Shoppingtrips nach San Marino, Gradara oder Urbino unternehmen.
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- Der Badestrand Nummer 35 in Gabicce Mare: Hier soll sich Valentino Rossi heute noch ab und zu in die Fluten stürzen
Sportbar Tavullia – Wiege vieler Rossi-Gags
Ein Tipp: Vor dem flotten Ritt über die Panoramica in Gabicce Mare in der Gelateria „Bellavista“ ein Eis schlecken. Hier tummeln sich zahllose Motorrad- und Rollerfahrer. Die Möchtegern-Rossis unter ihnen nehmen vor allem am Wochenende gerne und oft die Traumstraße nach Pesaro unter die Räder. Nach der Panoramica kann man den Weg zurück nach Gabicce übers Hinterland mit einem Abstecher in Rossis nahegelegenen Heimatort Tavullia verbinden. Anziehungspunkt dort: Zum Beispiel die Sportbar von Rossis Jungendfreund Pedro, wo einige der berühmten Gags der Rossi-Gang ausgeheckt wurden – etwa jener, als Valentino einen Grand Prix-Sieg in der Auslaufrunde mit einer aufblasbaren Gummipuppe auf dem Rennmotorrad zelebrierte. Wieder zurück in Gabicce Mare bietet sich an, eine Holzofen-Pizza mit scharfem Olivenöl („olio piccante“) in der Pizzeria „Mazzini“ zu verdrücken. Die Gelateria Bellavista und die Pizzeria findet man im Badeort Gabicce standesgemäß nahe der „Via Panoramica“.
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- Der Rastplatz San Marina Alta lädt kurz vor Pesaro zum Verschnaufen ein – es folgt noch ein Serpentinengewirr bergab
Anreise:
Über die Autobahn Bologna – Ancona, Ausfahrt „Cattolica / Gabicce Mare“ (von München aus ca. 650 km). Von Gabicce Mare aus hinauf zum Gabicce Monte, dort beginnt die Panoramica und führt bis ins 22 km entfernte Pesaro. Infos über Gabicce und Umgebung: www.gabiccemare.com.
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- Vom Gabicce Monte aus, wo die Panoramica im Norden beginnt, überblickt man Gabicce Mare, Cattolica und hinten Rimini
Unterkunft:
Hoteltipp in Gabicce: Hotel Venus. Die Besitzerfamilie Barbieri ist motorradfreundlich, es gibt neben reichlich Parkplätzen auf dem Hotelgelände auch einige Motorradstellplätze in einer kleinen Garage. Tourtipps samt Karte sind selbstverständlich. Das Vier-Sterne-Haus mit Wellnesskomfort ist von den Preisen her eher für eine ausgiebige Ruhepause nach längerer Biketour geeignet, weniger als einmalige Unterkunft. www.hotelvenus.it.

