Jahr für Jahr treffen sich verwegene Rennfahrer zu einer Bergbesteigung der besonderen Art. Der Pikes Peak International Hill Climb ist die Mutter unter den Bergrennen und wird von einem japanischen Monster beherrscht, das in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge gewonnen hat: NobuhiroTajima. (Thomas Harloff , 02.07.2010)
Seit 2006 fest in japanischer Hand
In den Bergen treiben gerne Monster ihr Unwesen.Bigfoot zum Beispiel, der in fast allen amerikanischen Gebirgen anzutreffen sein soll. Auch der Yeti schnuppert dem Vernehmen nach gern Höhenluft. Ebenso wieNobuhiroTajima. 1992 ist der Japaner, den alle nur „Monster“ nennen, erstmals am Pikes Peak, einem Berg in den Rocky Mountains, gesichtet worden – und verbreitet seitdem Angst und Schrecken. Seit 2006 steht jeweils Tajimas Name ganz oben in der Siegerliste – und auch 2010 hat der Japaner seinen Suzuki SX4 am schnellsten über die mit 156 Kurven gespickte und knapp 20 Kilometerlange Strecke gejagt. Mit einer Zeit von 10:11.490 Minuten distanziert das Monster den amerikanischen Chevy-Piloten Paul Dallenbach (10:39.534 Minuten) deutlich. Dritter wird Rhys Millen in einem Hyundai.Millens Zeit: 11:06.208 Minuten.
Die Schallmauer hält stand
Mit seinem fünften Gesamtsieg beim „Race to the Clouds“ hat Tajima zwar den Abstand auf Rekordsieger Bobby Unser verkürzt; dessen 13 Triumphe dürften jedoch ein Rekord für die Ewigkeit sein. Auch an einem anderen Rekord ist das Monster abermals gescheitert: Die Zehn-Minuten-Schallmauer will einfach nicht fallen. 2007 ist der Suzuki-Motorsportchef noch am nächsten dran, verfehlt mit einer 10:01.408 die berühmte Hürde nur knapp. Seinerzeit tritt Tajima mit einem Suzuki XL7 Hill Climb Special, der auf Meereshöhe mehr als 1.000 PS leistet, am Pikes Peak an. Sein aktueller Bolide, ein SX4-Prototyp, ist etwa 100 PS schwächer.
Europäischer Angriff auf den Pikes Peak
2010 fanddie 88. Auflage des seit 1916 ausgetragenen Pikes Peak International Hill Climb statt. Bis in die Achtziger Jahre hinein ist das Bergrennen fest in amerikanischer Hand, bis die europäischen Werke die Rocky Mountains als Spielwiese entdecken. Für die in der Rallye-WM inzwischen verbotenen Gruppe B-Boliden gibt es hier ein Betätigungsfeld, das absolut ihrem Naturell entspricht. 1985 schockt Michèle Mouton die männliche Konkurrenz, indem sie ihren Audi Quattro in der Rekordzeit von 11:25.39 Minuten die staubigen Straßen hinauf prügelt. 1987 siegt Walter Röhrl im Audi Sport Quattro S1, ein Jahr später gewinnt die finnische Rallye-Legende Ari Vatanan im Peugeot 405 Turbo 16. 2001 wird die Strecke zur Hälfte asphaltiert, weshalb die Zeiten nach unten purzeln. Seitdem gilt die Zehn-Minuten-Marke als absolute Schallmauer. Da bis zur 2011er Auflage des Pikes Peak International Hill Climb weitere Streckenteile asphaltiert werden sollen, stehen Tajimas Chancen gut, diese Marke im nächsten Jahr tatsächlich zu knacken.