Schweizer Autofans mögen es gern exklusiv. Und sie bauen sich ihr Luxus-Coupé nun selbst: Der H.M.C. Hidalgo verwendet zwar die Technik des Mercedes SLK 55 AMG, spricht mit seiner wunderschön geformten Karosserie jedoch nicht nur Nostalgiker an. Der Preis ist allerdings abartig hoch. (Thomas Harloff , 24.08.2010)
3.000 Meilen sind gar nicht nötig
Im gleichnamigen Hollywood-Blockbuster hat das Rennpferd Hidalgo einst 3.000 Meilen gebraucht, um Ruhm zu erlangen. Der Hidalgo der Helvetic Motor Company (H.M.C.) hat vermutlich noch nicht einmal eine Meile zurückgelegt, ist im Internet aber trotzdem zur angesehenen Berühmtheit geworden. Die Blogger-Community stürzt sich begierig auf das Retro-Coupé, das sich die Traum-Sportwagen der 20er und 30er Jahre zum Vorbild nimmt. Beim Anblick des H.M.C. Hidalgo werden sofort Erinnerungen an den Bugatti Atlantic oder den Talbot Lago wach.Unter der spektakulären Hülle steckt jedoch automobile Hausmannskost, wenn auch recht schmackhafte: ein lupenreiner Mercedes SLK 55 AMG.
Besserer Sprinter als die technische Basis
H.M.C. hat jedoch nicht nur seine eigene Karosserie auf das SLK-Chassis geschraubt. Um dem Blechkleid des Hidalgo stimmige Proportionen zu verpassen, muss der Radstand um 40 auf 2,83 Meter verlängert werden. Ansonsten bleibt die Technik des Mercedes SLK 55 AMG jedoch unangetastet, was in diesem Fall jedoch keineswegs ein Manko ist. Immerhin leistet dessen V8-Motor 360 PS und schickt dank seines üppigen Hubraums von 5,5 Litern stramme 510 Nm maximales Drehmoment Richtung Hinterachse. Die Fahrwerte sollen sich jedoch deutlich von denen des Basismodells abheben. Von Null auf Hundert soll der Hidalgo in nur 3,4 Sekunden sprinten – eine Verbesserung gegenüber dem SLK von satten 1,5 Sekunden. Wie das gehen soll, ist H.M.C.´s Geheimnis. Allein mit der Gewichtsersparnis von 115 Kilogramm (1.460 statt 1.575) ist das deutlich verbesserte Sprintvermögen sicher nicht zu erklären.Der Topspeed von 250 km/h bleibt dagegen unangetastet.
1 Hidalgo = 5,5 SLK 55 AMG
Während H.M.C. den Innenraum zwar stilvoll veredelt, die SLK-Basis aber immer noch deutlich zu erkennen ist, erinnert äußerlich rein gar nichts an den Benz-Roadster. Das stromlinienförmige Tropfenoutfit, das bei Vorkriegs-Luxuscoupés so beliebt war, steht dem Hidalgo wirklich hervorragend. So nostalgisch die Form aber auch anmutet, so modern ist das Material, aus dem die Hülle besteht: Verbundwerkstoff auf Carbon-Basis hilft, das Fahrzeuggewicht niedrig zu halten. Das lässt zusammen mit der hohen Exklusivität des Hidalgo (pro Jahr sollen nur sechs Exemplare entstehen) den Preis nach oben schnellen. Die Angaben in den Blogs schwanken zwischen umgerechnet 310.000 und 445.000 Euro, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Geht man von der goldenen Mitte aus, wären 377.500 Euro fällig. Dafür bekommt man knapp 5,5 Mercedes SLK 55 AMG, dessen Grundpreis bei 70.745 Euro liegt. Angesichts dieser Summe wird der H.M.C. Hidalgo wahrscheinlich eher in den Garagen gut situierter Sammler verschwinden als auf der Straße anzutreffen sein. Schwer vorstellbar, dass auch nur ein Exemplar 3.000 Meilen zurücklegen darf, um auch auf der Straße Ruhm zu erlangen.