Klassenkampf
Aristokratie oder Bourgeoisie –Oberschicht oder gehobene Mittelklasse? Wir lassen heute den Mercedes CLSgegen den Herausforderer Audi A7 antreten und ermitteln in unserem Test, wer mehr zu bieten hat. Der CLS ist der Klassenprimus:seit 2004 ist das Erfolgsmodell auf dem Markt. Das damals innovative Konzept vom viertürigen Coupé hat sich durchgesetzt. Im Mai 2011 führt der CLS in der Zulassungsstatistik die Oberklasse mit 712 Neuzulassungen an. Der CLS hat damit knapp 23 Prozent Marktanteil in der Oberklasse. Mithalten kann da nur die firmeninterne Konkurrenz in Form der S-Klasse. Doch immer mehr Hersteller wollen ein Stück vom Kuchen abhaben und legen mit eigenen Modellen nach: sei es der optisch mutige BMW 5er GT oder der kostenintensive Porsche Panamera. In Ingolstadt sägt seit letztem Jahr der Audi A7 an der schwäbischen Vorherrschaft. Wie gefährlich er dem Stuttgarter werden kann, erfahrt Ihr jetzt.
Optische Reize
Optisch sind CLS und A7 mehr als gelungen, Form und Proportionen sind in sich stimmig. Beim CLS der zweiten Generation (seit Januar 2011) hat Mercedes nochmal deutlich nachgeschärft. Besonders die Front kommt im Rückspiegel bullig daher und generiert Einiges an Überholprestige. Im direkten Vergleich hat der Schwabe seine sprichwörtliche Nase vorn. Beide Modelle besitzen das stark abfallende, coupéhafte Fließheck. Der CLS wirkt dabei eleganter, der A7 sportlicher, besonders mit seinem ausfahrbaren Heckflügel. Im Innenraum dagegen ist der Unterschied weitaus eklatanter. Hier zeigt sich wieder der gehobene Mittelklasse-Charakter des A7. Der erste Eindruck: es gibt nichts zu beanstanden, hier kann man sich einfach wohl fühlen. Doch dieser Eindruck ändert sich, sobald man im CLS sitzt. Denn hier umgibt den Fahrer wahrer Luxus. Mit dem mit Leder bezogenen Armaturenbrett mit abgesetzten Nähten kann der A7 mit seinem, wenn auch hochwertigen,Plastik-Ambiente nicht mithalten. Klavierlack und Holzdekor besitzen zwar beide, doch hier liegt gefühlt eineganze Fahrzeugklasse zwischen beiden Autos.
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- Mit mehr als 1,85m Körpergröße hat man sowohl auf dem Fahrersitz als auch im Fond Platzprobleme. Kopf und Knie ecken dabei am häufigsten an.
Vorn und hinten
Für den Fahrer ist die Bedienung beider Autos weitestgehend intuitiv, im Benz noch mehr als im Audi. Mercedes hat das ‚i-Drive‘-System von BMW mittlerweile perfekt kopiert. Beim System des Audi gibt es einige Eigenheiten, die erst erkundet werden wollen. Genau wie die sechs Favoritentasten, die erst programmiert werden müssen. Mit dem Doppelkupplungsgetriebe befindet sich der Ingolstädter wiederum im leichten Vorteil zur Sieben-Gang-Wandlerautomatik des Benz. Der Innenraum des Audi ist familientauglich, aber nichts für wirklich Großgewachsene. Mit mehr als 1,85m Körpergröße hat man sowohl auf dem Fahrersitz als auch im Fond Platzprobleme. Kopf und Knie ecken dabei am häufigsten an. Der CLS ist konstruktionsbedingt ebenso kein Transportwunder, im Fond bietet er aber etwas mehr Platz. Nachdem die Kleinfamilie mit bestenfalls asiatischen Ausmaßen vergurtet ist, bleibt noch zu klären, wieviel Gepäck sie auf ihren Kurztrip mitnehmen darf. Der CLS hat mit 520 Litern Gepäckvolumen 15 Liter weniger als der A7, jedoch lassen sich bei ihm aufgrund der Kofferraumform große Gepäckstücke besser verstauen.
Fotolocation: Kempinski Hotel Airport München
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- Der Schwaben-Diesel 350 CDI BlueEfficiency leistet 306 PS und 620 Nm. Diese Daten sorgen permanent für souveränen Vortrieb.
Was wirklich zählt
Das worauf es wirklich ankommt, steckt unter der Haube. Nun wird sich zeigen, was die beiden sowohl eleganten als auch praktischen Viertürer-Coupés zu leisten im Stande sind. Der Antrieb soll, zum Konzept passend,effizient und dennoch stark sein. Dafür stehen bei beiden Kontrahenten drei Liter Hubraum zur Verfügung. Der Schwaben-Diesel 350 CDI BlueEfficiency leistet 306 PS und 620 Nm. Diese Daten sorgen permanent für souveränen Vortrieb. In 6,2 Sekunden erreicht er die 100 km/h, Schluss ist bei abgeregelten 250 km/h. Bei jeder Drehzahl ist genügend Druck vorhanden. Zudem wartet der CLS mit einer, für einen Diesel kaum schlagbaren, Laufkultur auf. Damit ist er Mercedes-typisch bestens für bequemes Autobahngleiten geeignet.Dafür dürfte der nur 59 Liter kleine Tank genau das des Öfteren unterbrechen. Der V6-Diesel mit Commonrail-Einspritzung und Abgasturbolader des Audi weist dagegen einen stärkeren Dieselcharakter auf. Den geneigten Kunden kann schnell verwirren, dass Audi zwei A7 3.0 TDI quattro anbietet. Die stärkere Version mit 245 PS haben wir als Vergleichsfahrzeug für den CLS gewählt. Er ist auch dann noch etwas schwächer motorisiert als der CLS. In 6,3 Sekunden geht es auf 100, auch er ist bei 250 km/h abgeregelt. Insgesamt ist der Audi wesentlich sportlicher als der Mercedes. Mit diversen Fahrmodi kann der Fahrer den A7 individuell einstellen, aber selbst im Komfort-Modus ist er noch sportlicher. Dabei überrascht, dass der A7 mit seinen mächtigen 1.860 Kilogramm auch noch 45 kg schwerer ist als der Mercedes. Das schlägt sich auch im Verbrauch nieder: in unserem Test brauchte der A7 mit 8,9 Litern immerhin etwas mehr als der CLS mit 8,7 Litern Diesel.
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- Mit nahezu Vollausstattung kommen wir beim Mercedes auf gut 83.000 Euro. Grundpreis plus 20.000 Euro Ausstattung – eine Rechnung, die in der Oberklasse nicht unbedingt überrascht.
Kosten und Fazit
Der Grundpreis des Audi schlägt mit 58.100 Euro zu Buche. Der Benz liegt mit 63.427 Euro – der Oberklasse entsprechend – darüber. Das dicke Ende kommt aber bei der Ausstattung:mit nahezu Vollausstattung kommen wir beim Mercedes auf gut 83.000 Euro. Grundpreis plus 20.000 Euro Ausstattung – eine Rechnung, die in der Oberklasse nicht unbedingt überrascht. Der A7 hingegen, der zur oberen Mittelklasse zählt, bringt es mit seiner Top-Ausstattung auf 92.700 Euro. Allein das Bang & Olufsen-Soundsystem reißt ein 5.000 Euro großes Loch ins Portemonnaie. Bei seiner Aufpreispolitik zeigt sich Audi mehr als selbstbewusst und stellt das Preisgefüge zwischen Aristokratie und Bourgeoisie gehörig auf den Kopf. 10.000 Euro mehr für einen top ausgestatteten A7 als für den CLS entspricht jedoch einem Preis-Leistungs-Verhältnis, dem wir nicht folgen können. Auch wenn der A7 das variablere und sportlichere Fahrwerk hat, ist er sonst auf ähnlichem oder im Innenraum schwächerem Niveau als der Mercedes. In Verbindung mit dem Preis kann der Gewinner unseres Vergleichs deshalb nur Mercedes CLS heißen.
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