Der Osten der Republik wird allmählich zur Sportwagen-Hochburg. Nachdem der in Thüringen beheimatete Gumpert Apollo schon oft für Aufsehen gesorgt hat, tritt nun der Melkus RS2000 ins Rampenlicht. Damit lebt in Dresden eine DDR-Legende wieder auf. (powered by Speed Heads , 01.01.2009)
Wir schreiben das Jahr 1979: Der letzte Melkus RS1000 wird in Dresden gefertigt. Von dem einzigen Straßensportwagen der ehemaligen DDR entstehen exakt 101 Exemplare. Genau 30 Jahre später feiert der Rennsportwagen (voller Name der Abkürzung RS) als Melkus RS2000 seine Wiedergeburt mit moderner Technik im neuen Design. Nur 25 Fahrzeuge pro Jahr wollen die Nachfahren der damaligen Rennsportlegende Heinz Melkus produzieren. Die flach auf dem Boden kauernde Flunder hat einen stolzen Preis: 107.500 Euro.
Wie sein Vorgängermodell haben Peter und Sepp Melkus, Sohn und Enkel des berühmten Konstrukteurs, den RS2000 als Leichtbausportler mit Renntechnik konzipiert. Die Karosserie besteht aus Glas- und Kohlefaserwerkstoffen, das Chassis aus Aluminium. Das geringe Gewicht von 950 Kilogramm und satte 270 PS auf der anderen Seite ermöglichen bei einem Leistungsgewicht von 3,5 kg/PS sehr gute Beschleunigungswerte und eine hohe Agilität in allen Kurvenlagen.
Markantes Design in Rennwagen-Optik
Das Design erinnert an den Melkus RS1000, ohne dabei einen Retro-Charakter aufkommen zu lassen. Dabei strahlen die ausgeprägten Rundungen an den Kotflügeln eine enorme Kraft aus. Mit Blick auf die Aerodynamik wird der Unterboden des RS2000 komplett geschlossen ausgeführt, während die ausgeprägte Frontlippe und der Heckdiffusor zusätzlich für jederzeit ausreichend Abrieb sorgen. Weitere markante Merkmale stellen die Heckpartie mit eingesetztem Mittelteil sowie die seitlich kombinierte Luftführung für Bremsentlüftung und Motorbelüftung dar.Als spektakulärstes Merkmal erweisen sich die am Dach angeschlagenen Flügeltüren, die Melkus vom RS1000 übernimmt. Auf Kundenwunsch liefert Melkus die Türen im Dachbereich mit eingefärbten Glassegmenten, die sich leicht demontieren lassen, so dass eine Targa-Variante des Melkus RS2000 entsteht.
Kleiner Motor mit großer Power
Weite Teile der Technik des Melkus RS 2000 stammen vom Lotus Exige. Für Vortrieb sorgt ein 1,8 Liter großer Vierzylinder von Toyota, dessen Leistung Melkus mittels Kompressor auf 270 PS steigert. Das reicht für den schnellen Spurt von 0 auf Tempo 100 in nur 4,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. So lässt sich der Sportler in seinem Stammrevier wahrlich durch die Kurven jagen. Dabei soll der Melkus durchschnittlich nur 9,8 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe.Zur Grundausstattung des Melkus RS2000 gehören technische Raffinessen, wie zum Beispiel ein mechanischer Strömungslader mit Ladeluftkühlung, ein auf der Rennstrecke abgestimmtes Sportfahrwerk und geschmiedete Leichtmetallfelgen. Fahrhilfen wie ABS und Traktionskontrolle befinden sich genauso an Bord wie Fahrer- und Beifahrer-Airbag.
Exklusives Interieur-Design nach Kundenwunsch
Wer in den aufwendig gesattelten Sportsitzen Platz nimmt, ist ringsum von hochwertigem Echtleder und Aluminium-Zierelementen umgeben. Die Innenraum-Gestaltung wird mit jedem Kunden individuell abgestimmt, angefangen bei der Auswahl der serienmäßig zweifarbigen Lederausstattung bis hin zu unterschiedlichen Nahtvarianten. Somit wird jeder Melkus RS2000 zum Unikat.Als Komfortmerkmale sind die serienmäßig integrierte Klimaanlage, elektrische Fensterheber und elektrisch verstellbare Außenspiegel sowie ein Kofferraum mit 225 Litern Stauraum zu nennen. Die Rennsport-Gene vertragen sich mit einer guten Alltagstauglichkeit. Der im September 2005 verstorbene Firmen-Gründer Heinz Melkus erlebte den Nachfolger des RS 1000 leider nicht mehr, doch er wäre vermutlich stolz darauf gewesen.
Melkus RS 1000: Der einzige DDR-Sportwagen
Für viele fast unglaublich, wurde sogar in der ehemaligen DDR ein Mittelmotor-Sportwagen produziert, der Melkus RS1000. Nach der Produktion erfolgreicher Formel-Rennwagen in den 1960er-Jahren wollte der Rennfahrer Heinz Melkus einen Sportwagen bauen, der sowohl im Rennsport als auch für den normalen Straßenverkehr tauglich sein sollte. Melkus setzte seine Idee mit viel Idealismus, technischem Verstand und politischen „Kunstgriffen" im Jahre 1969 um. Von der „Zentralen Sportkommission“ der DDR nicht gewünscht, pries Heinz Melkus den RS1000 als Geschenk zum 20. Jahrestag zur Gründung der DDR an. Da konnten selbst die Gegner beim Staat nicht mehr Nein sagen.
Der Wartburg als Basis
Bis zum Jahre 1979 realisierte Melkus insgesamt 101 Modelle des RS 1000 auf Basis des Wartburg 353 mit einem flüssigkeitsgekühlten Drei-Zylinder-Reihen-Zweitaktmotor. Weitere Bauteile stammten vom Trabant oder wurden in Eigenregie hergestellt. Optisch auffällig waren schon damals die sich nach oben hin öffnenden Flügeltüren. Die nur 850 Kilogramm schwere Straßenversion mit 70 PS erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h. Die Rennversion, mit 680 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht, bringt es mit Sportvergaser auf 100 PS – und damit zu einem Topspeed von 210 km/h.