Design: Mazda Shinari

Mazda Shinari: Das neue Gesicht

Nagare war gestern. Kreativkopf Laurens van den Acker verließ Mazda 2009 in Richtung Renault-Nissan. Mit ihm ging die Designlinie Nagare. Sein Nachfolger Ikuo Maeda will Mazda ein neues Gesicht geben. Mit der Vision von Kodo. (Stefan Grundhoff , 02.09.2010)

Geschwindigkeit, Spannung, Verführung

„Kodo – the Soul of Motion“ soll das Gesicht von Mazda für die nächsten Jahre werden. Während sich Nagare, die Designsprache aus fließenden Formen mit starken Anlehnungen an die Natur ohne echtes Serienmodell zum Rohrkrepierer entwickelte, soll mit Kodo alles anders werden. Kodo ist für Mazda die „unvermittelte Bewegung aller Vitalität“ bestehend aus den Elementen Geschwindigkeit, Spannung und Verführung. Den Startschuss in ein neues Mazda-Zeitalters soll dabei die Studie des Shinari sein. „Shinari“ bedeutet aus dem japanischen übersetzt so viel wie „kraftvolle und geschmeidige Erscheinung großer Kraft“. Der Mazda Shinari ist eine sehenswerte Vision eines viertürigen Sportcoupés. Dabei ist es keine Überraschung, dass der Viersitzer diverse Komponenten an das Serienmodell des neuen Mazda 6 weitergeben dürfte, der Ende 2012 vorgestellt wird. Auch dem Nachfolger des Wankel-Sportlers RX-8 dürften zahlreiche Designelemente des Shinari gut zu Gesicht stehen. Besonders auffällig ist die völlig neu gestaltete Front. Sie zeigt sich deutlich sportlicher und dynamischer als die bisherige Nagare-Linie aus der Hand des ausgeschiedenen Laurens van den Acker.

Zügiges Zusammenspiel

Mit einer Länge von 4,86 Metern und einer Breite von 1,93 Metern klopft der Mazda Shinari an das Tor zur Oberklasse. Mit gerade einmal 1,34 Metern Höhe und einem Radstand von 2,93 Metern ist der Viersitzer, der auch gut das viertürige 6er Coupé von BMW oder den Jaguar XF mimen könnte, flach und geräumig zugleich. Seine Breitreifen im Format 245 / 40 ZR 21 unterstreichen die sportliche Note, die Mazda mit der Kodo-Designlinie in seine Modelle von morgen und übermorgen projizieren will. Entstanden ist die Studie des visionären Viersitzers im Designcenter in Hiroshima; das auf den Fahrer zugeschnittene Zukunfts-Interieur wurde in Irvine / Kalifornien unter der Leitung von Derek Jenkins kreiert. „Das Shinari-Projekt haben wir sehr zügig durchgezogen“, berichtet Peter Birthwistle, Leiter des Mazda-Designcenters in Oberursel, „wir haben mit den ersten Zeichnungen im Frühjahr angefangen und uns dann zwischen den einzelnen Studios abgestimmt.“ Aus acht Vorab-Modellen wurde der Shinari letztlich im Maßstab 1:1 aufgebaut. In die sehenswerte Tat umgesetzt wurde das Projekt bei Seico, einem japanischen Spezialisten für Fahrzeugstudien in der Nähe von Kobe. „Der Shinari ist kein direkter Vorläufer eines Mazda 6 oder eines RX-Nachfolgers. Vielmehr geht es darum, eine neue Designsprache von Mazda für die nächsten Jahre in Szene zu setzen“, ergänzt Peter Birthwistle.

Mazda Shinari_front_heck
Ein sportlicher Auftritt außerhalb von MX-5 und RX-8 fehlt Mazda seit Jahren. Eine muskulöse, unter Spannung stehende Designsprache wie beim Shinari käme da gerade recht.

So sieht ein echter Sportler aus

Trotz des kurzen Entwicklungszeitraumes hat das Mazda-Designteam rund um ihren Kopf Ikuo Maeda ganze Arbeit geleistet. Die lange Motorhaube, die deutlich herausgearbeiteten Kotflügel und die funkelnden LED-Leuchteinheiten vorne und hinten: so sieht ein echter Sportler aus. Die Form des Gesamtfahrzeugs wirkt muskulös und unter Spannung, wobei die Konturen mit wenigen verwundenen Kanten dargestellt werden. Ein sportlicher Auftritt außerhalb von MX-5 und RX-8 ist das, was Mazda seit Jahren fehlt. Für die nötige Dynamik der neuen Konzernmodelle sollen auch die Motorisierungen sorgen. Ende 2011 wird die neue Generation von hoch verdichteten Sky-Motoren Premiere feiern. Ein Serienauto mit den Genen des Shinari dürfte zudem kaum mit Frontantrieb entwickelt werden. Zu sehr implementiert das Design des sportlichen Viersitzers einen Hinterradantrieb wie ihn im Konzern bereits der Wankel-Sportler RX-8 und die Roadster-Ikone MX-5 haben.

Mazda Shinari_Ikuo Maeda
Ikuo Maeda ist der neue Mazda-Designchef. Er ersetzt den zu Renault-Nissan abgewanderten Laurens van der Acker. Der seit 25 Jahren für Mazda tätige Maeda trägt "Mazda-Blut in meinen Adern." Sein Vater designte in den 70er Jahren den Mazda RX-7.

Ein außergewöhnliches Projekt

Für Chefdesigner Ikuo Maeda war der Shinari ein außergewöhnliches Projekt. Sein Vater hat in der zweiten Hälfte der 70er Jahre den Mazda RX-7 kreiert. Als Laurens van den Acker zu Renault-Nissan abwanderte, wurde der Sportwagenfan, den im Konzern viele nur „Speedy“ nennen, zum Chef des Mazda-Designs. „Es ist eine große Verantwortung und eine große Ehre. Ich bin seit mehr als 25 Jahren hier und trage Mazda-Blut in meinen Adern.“ Derzeit befindet sich der Designprozess des Mazda-6-Nachfolgers in der Endphase. Neben den neuen Sky-Motoren ist es kein Geheimnis mehr, dass die Plattform des neuen Mittelklassemodells um rund 100 Kilogramm abspecken soll. „Die Designsprache des Shinari soll nicht nur großen und sportlichen Modellen vorbehalten bleiben“, so Ikuo Maeda weiter, „das ist in alle Baureihen, von einem Kleinwagen bis zu einem Familienvan oder einem Crossover transferierbar.“

Leider nicht in Paris

Doch in der Autobranche gilt ein ungeschriebenes Gesetz: keine Studie ohne Messe. Auf dem Pariser Automobilsalon Anfang Oktober wird Mazda zwar die Modellpflege des Einstiegsmodells Mazda 2 und die Dieselversion des neuen Mazda 5 zeigen. Doch das Highlight, der Shinari, wird nicht auf der Messe zu sehen sein. Noch ist nicht entschieden, ob er seine Publikumspremiere auf den Motorshows von Los Angeles (Mitte November) oder Detroit (Anfang 2011) feiern wird. Wäre schade drum, wenn der Shinari unter dem Deckel bleiben würde. Schließlich soll er für Mazda ein neues Zeitalter einläuten. Und die Chancen stehen nicht schlecht.

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