Der japanische Autobauer Mazda wird in diesem Jahr 40 Jahre alt; genauer gesagt, die deutsche Tochter. Am 4. Dezember 1972 trug der erste Geschäftsführer Masayuki Kirihara die "Mazda Motors Deutschland GmbH" in das Handelregister der Stadt Düsseldorf ein. Das Stammkapital des jungen Unternehmens betrug 900 000 Mark.
Die Heimatstadt des 1920 als "Toyo Kogyo" gegründeten Unternehmens für die Veredelung von Kork wäre im Bewusstsein der Welt nie über den Status einer beliebigen japanischen Industriestadt hinausgekommen, hätte der amerikanische Bombenschütze Tom Feerebee an Bord eines viermotorigen Bombers vom Typ B-29 mit dem Kosenamen "Enola Gay" am 6. August 1945, um exakt 8.13 Uhr nicht über dem Zentrum Hiroshimas die erste Atombombe der Welt ausgelöst und damit zur Explosion gebracht. Heute ist Mazda neben diesem Fanal des Zweiten Weltkriegs das wichtigste Aushängeschild Hiroshimas. Also ein positives, das für den Wiederaufbau und das japanische Wirtschaftswunder steht.
Mit dem Bau von Pkw hatte Mazda überhaupt erst 1960 begonnen. Zwölf Jahre und fünf Millionen Einheiten später fiel die Entscheidung, auch jenen Automarkt in Angriff zu nehmen, der damals seit jeher als der "anspruchsvollste der Welt" gegolten hatte: den der Bundesrepublik Deutschland. Immerhin unterhielt Mazda 1972 bereits in 13 Ländern Produktionsstätten und exportierte seine Autos in mehr als 100 Nationen.
Als Masayuki Kirihara seine Stammbelegschaft rekrutierte, ein Anwesen in Hilden anmietete, und den ersten Händlern die unbekannten Autos aus Fernost schmackhaft machte, kamen in Deutschland Fernsehgeräte noch von Grundig und Telefunken und Fotoapparate von Leica und Zeiss. Sony war zu der Zeit noch ebenso unbekannt wie Nikon oder Canon. Doch die besondere Affinität Mazdas zu Deutschland hat nicht zuletzt die Partnerschaft des Unternehmens mit dem deutschen Erfinder Felix Wankel unterstrichen, von dessen Kreiskolbenmotor die Japaner bereits 1961 die ersten Lizenzen erworben hatten. 1972 produziert Mazda als einziger Autobauer weltweit Fahrzeuge mit dem Wankelmotor in richtig großem Stil und in mehreren Modellreihen.
Mazda beginnt den Verkauf in Deutschland mit der Stufenhecklimousine "Mazda 1000". Es folgen der "Mazda 1300" der "616" für die Mittelklasse und der "RX-3" als sportliches Coupé mit 95 PS starkem Wankelmotor für 12 480 Mark. Mit 485 Einheiten fällt das Ergebnis des ersten vollen Verkaufsjahrs 1973 noch überschaubar aus. Der Spruch "Platz da, hier kommt Madza" entsteht in jenen Tagen nicht von ungefähr, denn die Länge der Bremswege, die die Autos benötigen kann es locker mit denen von Frachtschiffen aufnehmen.
Doch in der Folge fasst Mazda schnell Fuß auf dem deutschen Automarkt. Die Autos bewähren sich dank günstiger Preise sowie einer Ausstattung, die weit umfangreicher als bei vergleichbaren deutschen Produkten ausfällt. Und eine überdurchschnittliche Zuverlässigkeit, die bundesdeutsche Autofahrer zunehmend mehr schätzen, als besonders hohe Fahrleistungen und ausgefeilte Kurvenkünste. Mit dem Mazda 323 stellt das Unternehmen auf der IAA 1977 die erste Generation der kompakten Baureihe vor, der sich schnell als ernst zu nehmender Wettbewerber für den VW Golf entwickelt. Neben dem Mazda 323 reift der Mazda 626 in der Mittelklasse zur tragende Säule des Angebots. In den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts avanciert der Mazda 626 mehrfach zum erfolgreichsten Importauto auf dem deutschen Markt. 1991verkauft "Mazda Motors Deutschland" in seinem besten Verkaufsjahr 112 915 Autos.
Obwohl die erste Ölkrise 1973 die Euphorie der Autobauer am durstigen Kreiskolbenmotor praktisch gegen Null gefahren hatte, hält Mazda unverdrossen an dem Antriebskonzept fest und implantiert es erfolgreich im sportlichen Coupé RX-7. Mit diesem populären Sportler generiert Mazda ebenso ein positives Image wie ab 1989 mit dem Roadster MX-5, den mutige Verantwortliche in Hiroshima durchgesetzt haben, obwohl die Klasse der kleinen Roadster seit dem Ende der englischen Anbieter Triumph oder MG lange als totgesagt gegolten hat. 1991 gewinnt Mazda als erster und einziger japanischer Hersteller die "24 Stunden von Le Mans". Und das natürlich mit einem 700 PS starken Wankelmotor.
Seit 2002 setzen der "Mazda 6" und der "Mazda 3" die Tradition der etablierten Erfolgsmodelle Mazda 323 und Mazda 626 fort. Auch der MX-5 bleibt im Jubiläumsjahr eine unverzichtbare Stütze im Angebot der Japaner. Sozusagen als inoffizielles Geburtstagsgeschenk präsentiert Mazda 2012 den "CX-5" als kompakten SUV. Wie sehr sich die Marke tatsächlich innerhalb von vier Jahrzenten auf dem deutschen Markt entwickelt und gewandelt hat, kann am besten ein Blick in eines der ersten Werkstattbücher von 1974 belegen. Das empfiehlt dem deutschen Service-Personal unter der Überschrift "Reparatur des schlauchlöser Reifen" folgende Vorgehensweise bei einer Reifenpanne: "Eine Leck in dem schlauchlöser Reifen kann wie folgt entdeckt werden, den Reifen aufblähen zum empfehlten Druck und dann tauchen in dem Wasser, oder gießen Wasser auf dem Reifen wenn Rad ist montiert auf dem Wagen..." - Heute genügt ein charmant gehauchtes "Zoom Zoom" und Jedermann weiß, dass damit Mazda gemeint ist.

