Gedlich-Rennstreckencoaching

Markus Gedlich-Coaching Teil 2: Hockenheimring

Was kann es für einen echten Autonarren Schöneres geben, als ein sportliches Gefährt über einen abgesperrten Rundkurs zu jagen? Nun ja, eventuell im Stande zu sein, dies auch möglichst rasant und souverän zu erledigen! Genau dafür gibt es Menschen wie Markus Gedlich. Wir begleiten den Personal Coach und lernen mit ihm Schritt für Schritt, wie man richtig schnell Auto fährt. Heute geht es zum Hockenheimring! ( , 06.10.2011)

Was bisher geschah

Auf dem französischen Privatkurs von Anneau du Rhin bringt mir Rennfahrer und Coach Markus Gedlich die Grundlagen des schnellen Fahrens auf der Rennstrecke bei. Nach einem herben Euphorie-Dämpfer in Form eines 120 km/h-Abgangs ins Kiesbett - bei dem zum Glück nichts Schlimmeres passiert - komme ich mit den richtigen Tipps des Profis immer besser in Tritt und verbessere meine Rundenzeit auf dem 2,9 Kilometer langen Kurs im Laufe des Tages um satte acht Sekunden. Völlig infiziert vom Rennfieber und mit dem guten Gefühl, jede Menge gelernt zu haben, geht es zurück in die Heimat, wo bereits in wenigen Tagen das nächste Highlight meiner noch äußerst kurzen „Rennfahrerkarriere“ ansteht – es geht nach Hockenheim.

Markus Gedlich Coaching Hockenheim
Bevor es auf die Strecke geht, ist erst einmal Theorie angesagt. Markus Gedlich zeichnet und erklärt die Ideallinie für den Grand Prix-Kurs, anschließend gibt zeigt er uns eine perfekt gefahrene Runde auf seinem Laptop und geht nochmal auf alle Tücken des Kurses ein.

Nicht so schüchtern

An einem Freitagmorgen gegen 8.30 Uhr ist es also soweit. Die werten Redaktionskollegen Jessica Fischer, Thomas Harloff und ich stehen vor der Hockenheimer Boxengasse und schnuppern astreine Rennluft. Unser Coaching findet im Rahmen einer Pistenclub-Veranstaltung statt, was uns Ring-Neulingen etwas Muffensausen beschert, denn gelinde gesagt ist heute im Badischen die Hölle los. Als Coach Markus Gedlich damit beginnt, uns an seinem Laptop und ganz klassisch auch mit Zettel und Stift Kurve für Kurve in die Geheimnisse des großen Grand Prix-Kurses einzuweihen, wird um uns herum bereits fleißig an der Vielzahl von Sport- und Rennwagen geschraubt und eingestellt. Bei der Armada an Porsche GT3s, Corvettes und Nissan GTRs kommen wir uns mit unseren heutigen „Ringtools“ VW Scirocco R und Seat Leon Cupra R fast ein wenig verloren vor, aber Gedlich beschwichtigt sofort und wähnt uns mehr als ausreichend motorisiert. Viel wichtiger sei es, sich die Linie sowie alle Einlenk- und Bremspunkte genau einzuprägen und diese so sauber wie möglich abzufahren. Wir würden erstaunt sein, wie gut wir später auch mit wesentlich leistungsstärkeren Autos mithalten können. Zum jetzigen Zeitpunkt denke ich, der Mann muss verrückt sein, aber was soll’s, schließlich habe ich aus Anneau du Rhin ja ordentlich was mitgenommen. Also raus auf den Kurs – Hockenheim ich komme…

Markus Gedlich Coaching Hockenheim
Der Seat Leon Cupra R kann bestimmt nichts dafür, aber zu Anfang ist bei mir von Ideallinie weit und breit nichts zu sehen. Nach drei extrem demotivierenden Runden fahre ich entnervt an die Box.

Ach du Sch…., was ist denn hier los!?

…und zwar erst einmal ohne Coach an meiner Seite, denn der sitzt im Auto des Kollegen Harloff. Gute Voraussetzungen sehen anders aus und in der Tat gleichen die ersten Kurven eher einem erbärmlich geführten Überlebenskampf als einer flüssigen Fahrt auf einem Rennkurs. Der Seat kann nichts dafür, ich fahre jämmerlich. Im unerbittlichen Gewusel von Lotus Elisen, C63 AMGs und diesen allgegenwärtigen Porsches, die offenbar allesamt keine große Angst vor Blechschäden haben (um ehrlich zu sein, kacheln sie wie die Wildsäue!), ist jeder Gedanke an eine mögliche Ideallinie im Nu verflogen und ich konzentriere mich eher darauf, nicht gerammt zu werden. Wie war das mit dem mithalten können? Das war nicht sein Ernst…Nach drei miserablen Runden fahre ich entnervt an die Box. Was war das denn? So geht es auf jeden Fall nicht! Zu allem Überfluss erwarten mich in der Boxengassse dann auch noch ein grinsender Redakteur Harloff und ein zufriedener Markus Gedlich mit den Worten: „Der Thomas hat echt Talent! Den kann man ohne Bedenken jetzt schon in ein richtig schnelles Auto setzten!“ Spitze, das hab ich gebraucht! Der Harloff! Ich fluche kurz innerlich und suche sofort Rat beim Coach, gehe mit ihm nochmal alle Kurven durch und fahre in der nächsten Session mit dem Rennfahrer an Bord auf die Strecke. Auch wenn es mit Gedlichs Ansagen in der Folge etwas besser geht, sitzen die Kurven bei weitem noch nicht so, wie sie sollten und der Rennstreckentrainer muss wesentlich häufiger tadeln, als es ihm und mir lieb sein kann. Mit dem eindeutigen Hinweis „ziemlichen Käse“ produziert zu haben geht es erst mal zurück an die Box. Na klasse, wie schwer kann es denn sein, sich diese blöden 15 Kurven zu merken!? Zum Glück ist endlich Mittag! Bei Gulaschsuppe und Bockwurst in einer der stark frequentierten Boxen ist genug Zeit über den „Käse“, den ich gerade zusammengefahren habe, nachzudenken. 2:26 Minuten für den GP-Kurs, da ist wahrlich noch viel Luft nach oben…

Markus Gedlich Coaching Hockenheim
Nachdem ich auch mit dem Coach als Beifahrer nicht recht in Tritt komme, greift der Profi selbst zum Steuer und zeigt mir Punkt für Punkt, wie man auf dem Hockenheimring zu einer vernünftigen Runde kommt.

Es geht doch!

Unser Coach beschließt, sich nach der Mittagspause selbst ans Steuer des Scirocco R zu setzen, um mir ein für allemal einzubläuen, wie man den Hockenheimring richtig fährt. Laut eigener Aussage bewegt Gedlich den grauen Rocco nun zwar lange nicht im Renntempo, aber doch recht flott. Nach meiner Einschätzung fliegen wir förmlich über den Kurs, nichtsdestotrotz findet der Trainer lässig die Zeit, mir gleichzeitig immer und immer wieder alle Brems- und Einlenkpunkte einzuhämmern. Der Lerneffekt in diesem Teil des Coachings ist immens, mit der perfekten sowie durchaus zügigen Linie des Profis macht es bei mir endlich Klick. Dass ich das Grinsen während der kompletten Mitfahrt nicht aus dem Gesicht kriege, hat allerdings noch einen weiteren Grund. Gedlich hängt mit dem VW an den Porsches wie Kaugummi und ich freue mich über unsere Rolle des aufmüpfigen Underdogs wie ein kleines Kind. Ohne große Verausgabung fährt der Coach 2:13 Minuten und ich will endlich ans Steuer. Gedlich und ich tauschen die Plätze, ich bin bereit, Hockenheim zu erobern. Schon nach der ersten Runde stelle ich zufrieden fest, dass mich mein vorheriger Eindruck nicht getäuscht hat – es läuft blendend! Die Linie stimmt endlich, ich fahre flüssig und die Zeiten werden auch immer besser. Plötzlich ist der knallgelbe 996 GT3 nicht mehr Gefahr, sondern Hindernis. Wie geil, der Coach hatte tatsächlich Recht, ich kann mithalten! Sogar mehr als das, ich packe einen GT3 – zugegeben wohl mit einem nicht über die Maßen versierten Fahrer, aber immerhin. Auch Gedlich ist mit meiner Leistung zufrieden und wendet sich wieder den Fahrkünsten meiner beiden Kollegen zu.

Markus Gedlich Coaching Hockenheim
Vor der letzten Session des Tages zeigt uns Coach Gedlich anhand der im Auto aufgezeichneten Daten, wo die Linie noch nicht stimmt und wir folglich noch Zeit liegenlassen.

So muss das sein

Mir bleibt unterdessen noch eine 45-minütige Session, um meine neu entflammte Racing-Euphorie in ein paar sauberen und hoffentlich schnellen Runden zum Ausdruck zu bringen. Die Aufzeichnungen und Daten unserer bisherigen Versuche, die Gedlich uns an seinem Laptop während der letzten Pause gezeigt hat, haben mir deutlich vor Augen geführt, wo der Hockenheimer Asphalt noch ein paar Sekunden für mich bereit hält. Ich versuche die Tipps, die der Coach mir noch auf den Weg gegeben hat, möglichst gut umzusetzen und so wird die finale Fahrt des Tages zum reinsten Vergnügen. Von Runde zu Runde werde ich schneller, merke, wie ich reihenweise andere und zum Teil wesentlich potentere Fahrzeuge hinter mir lasse und beende das Rennstreckentraining mit drei aufeinanderfolgenden 2:17er Runden. Klar, eine Fabelzeit sieht anders aus, aber ich habe mich dank der Linie und den richtigen Anweisungen des Rennfahrers Markus Gedlich in kurzer Zeit um gute neun Sekunden verbessert und fürs erste Mal Hockenheimring kann ich wohl zufrieden sein. Das gilt auch für den Rest der Motorvision-Redaktion, die sich von der Art und dem Resultat des Gedlich-Coachings begeistert zeigte. Chefredakteur Harloff (ja richtig, die Fahrer-Entdeckung des Tages) bringt es auf den Punkt: „Jede Menge Spaß gehabt und dabei sehr viel gelernt, vor allem, dass es mit den richtigen Brems- und Einlenkpunkten kein Hexenwerk ist, schnell zu sein. Unbedingt empfehlenswert das Ganze.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Teil 3 unserer Coaching-Reihe mit Markus Gedlich wird mich übrigens zum Sachsenring führen. Wir verlassen diesmal allerdings das klassische Schema und fahren nicht schnell, sondern quer! Es ist Zeit für die Königsdisziplin – das Driften. Alle Infos zum Gedlich-Coaching findet Ihr unter www.gedlich.com

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