Fahrer-Portrait Mark Webber

Mark Webber: Weiteres Red Bull-Jahr als Gnadenbrot

Nachdem er 2010 fast seinen ersten WM-Titel gefeiert hätte, folgte in der vergangenen Saison der Absturz mit nur einem GP-Sieg. Trotzdem hat Red Bull seinen Vertrag nochmals verlängert. Doch auch dem australischen Routinier ist klar: Er hält nur den Platz für seinen Nachfolger warm. ( , 14.02.2012)

1999: Horrorcrash mit dem Mercedes CLK GTR in Le Mans

Anders als sein Teamkollege Sebastian Vettel ist Mark Webber ein Spätstarter. Seine Motorsportkarriere beginnt er auf zwei Rädern, fährt anfangs Motorradrennen. Erst im Alter von zwölf Jahren wechselt Webber in den Kartsport. Nachdem er 1996 den Schritt nach Europa wagt, fährt er zwei Jahre in den Nachwuchsserien im Formelsport, um dann zu Mercedes AMG zu wechseln. An der Seite der deutschen Altmeister Bernd Schneider und Klaus Ludwig pilotiert Webber den Mercedes CLK GTR in der FIA GT-Serie und beim Langstreckenklassiker in Le Mans. 1999 erlebt er dort einen Horror-Crash: Der Vorderwagen seines CLK GTR hebt von der Strecke ab, der Bolide überschlägt sich dreimal rückwärts und landet im Wald neben der Strecke. Webber kommt zwar mit dem Schrecken davon, wechselt zur nächsten Saison aber wieder in den Formelsport.

Formel 1 2012 Mark Webber Helm
Mark Webbers Helmdesign hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht geändert.

Qualifikations-Spezialist bei Jaguar und Williams

Nach zwei Jahren in der Formel 3000 holt Paul Stoddart, seines Zeichens Besitzer des Minardi-Rennstalls, seinen australischen Landsmann in die Formel 1. Sein erstes Rennen ist sein Heim-Grand Prix 2002 im Melbourne. Webber erreicht dank zahlreicher Ausfälle der Konkurrenz im unterlegenen Minardi den fünften Rang und sichert sich zwei WM-Punkte. Es sollen die einzigen in jenem Jahr bleiben. Die Folgejahre verbringt Webber bei Jaguar und Williams, fährt für beide Teams je zwei Saisons. Dort erwirbt er sich einen Ruf als Qualifikations-Spezialist, der Durchbruch zum Topfahrer bleibt ihm aber verwehrt.

Formel 1 2012 Mark Webber
Mark Webbers Vertrag bei Red Bull Racing ist im Winter nochmals verlängert worden. Sollte der Australier 2012 jedoch nicht aus seinem Leistungsloch klettern, könnte es sein letztes Red Bull-Jahr werden.

Webber und Red Bull stecken im Mittelmaß fest

2007 folgt der Wechsel zum Red Bull-Team. Zusammen mit David Coulthard bildet er ein erfahrenes Duo, kann das Team aber nicht aus dem Mittelmaß führen. Der Winter 2008/2009 steht für Webber unter keinem glücklichen Stern. Der Sport- und Ausdauer-Freak stößt bei einem von ihm organisierten Sport-Event auf seinem Mountainbike mit einem Auto zusammen und bricht sich ein Bein. Trotz Genesung im Rekordtempo verpasst Webber fast die komplette Testphase, ist zum Saisonstart aber fit. Mit Sebastian Vettel ist inzwischen ein hoffnungsvoller Jungspund zum Team gestoßen, der Webber von Anfang an die Show stiehlt. Mark Webber gelingen zwar seine ersten beiden Grand Prix-Siege, und während der Saison darf er sich leise Hoffnungen auf den WM-Titel machen. Doch fünf punktlose Rennen in Folge lassen ihn zum Ende der Saison deutlich hinter Vettel zurückfallen.

Ein Buch und eine geheime Verletzung

2010 macht Webber den nächsten Schritt: Er erringt vier Saisonsiege, liegt nach dem viertletzten Rennen in Japan an der Tabellenspitze. Doch wieder verhagelt ihm ein bescheidenes Saisonfinale die Chance auf den Titel, am Ende steht WM-Rang drei zu Buche. Nach der Saison veröffentlicht Webber sein erstes Buch "Up Front", das für Aufsehen sorgt. Darin gesteht der Aussie, dass er die letzten vier Grands Prix mit einem Haarriss in der Schulter gefahren sei. Die Verletzung habe ihn beim Fahren jedoch nicht beeinträchtigt. Dass er die Blessur den Teambossen verschwiegen hat, dürfte das so schon nicht immer harmonische Verhältnis weiter belasten. Sein Red Bull-Cockpit darf er zwar behalten, kann das Vertrauen seines Teams jedoch nicht mit Leistung zurückzahlen. Mit seinem Sieg beim Saisonfinale in Brasilien kann er zumindest seinen Vorjahres-Gesamtrang drei bestätigen. 2012 will der Australier nach offizieller Lesart zwar wieder Weltmeister werden, aber auch ihm dürfte klar sein, dass dieser Zug unter normalen Umständen abgefahren ist. Stattdessen wird sein Cockpit wohl schon kurz nach Saisonende zu einem der begehrtesten im Formel 1-Feld gehören.

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