60 Jahre Lloyd 300

Lloyd 300: Leukoplastbomber motorisiert in der Nachkriegszeit

Vor genau 60 Jahren läuft der erste Lloyd 300 vom Band. Er hilft dabei Nachkriegsdeutschland zu motorisieren. Wir blicken auf seine Geschichte zurück. (Jessica Fischer , 03.09.2010)

60 Jahre Lloyd 300

Ständig diese tausend PS-Boliden! Ein Supersportwagenbauer versucht den anderen mit seinen Leistungsdaten zu übertreffen. Unter 100 PS läuft heutzutage auch im Alltag kaum noch was. Doch nach dem Krieg waren das noch ganz andere Zeiten. Da war man schon privilegiert wenn man überhaupt ein Auto besaß. Genau dieser Käuferschicht stellt Lloyd, Teil der Borgward-Gruppe, vor 60 Jahren ein motorisiertes Vehikel zur Verfügung. Es ist unterhalb des VW Käfer positioniert.

Lloyd Kombi
Die Karosserie, egal ob Limo, Kombi oder Coupé, wird aus einem Hartholz-Rahmen mit Sperrholzbeplankung und Kunstlederüberzug gefertigt.

Der Lloyd steht am Berg und heult

Der Begriff Vehikel beschreibt den minimalistischen Kleinstwagen wohl auch am besten. Sein zweiter Vorname ist Materialengpass. So wird die Karosserie, egal ob Limo, Kombi oder Coupé, beispielsweise aus einem Hartholz-Rahmen mit Sperrholzbeplankungund Kunstlederüberzug gefertigt. Nicht umsonst heißt es im Volksmund bald: „Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd!“ Für den Antrieb sorgt ein 300 Kubikzentimeter Zweitakt-Zweizylinder mit 10 PS. Trotz des geringen Gewichts von nur 500 kg liegt die Höchstgeschwindigkeit bei nur 75 km/h. Jeder Berg wird so schnell zum Schreckensgegner. Mit Beinamen wie Leukoplastbomber belächeln Besitzer ihren eigenen fahrbaren Untersatz. Der Lloyd ist ein primitives Fahrzeug, doch mit 3.334 Mark für viele das einzig erschwingliche.

Lloyd 300
Trotz des geringen Gewichts von nur 500 kg liegt die Höchstgeschwindigkeit bei nur 75 km/h. Jeder Berg wird so schnell zum Schreckensgegner. Mit Beinamen wie Leukoplastbomber belächeln Besitzer ihren eigenen fahrbaren Untersatz.

Langsam in den Erfolg

1953 legt Lloyd mit dem Modell 400 nach. Der Motor hat nun knapp 400 Kubikzentimeter und leistet 13 PS. Insgesamt ändert sich jedoch wenig an den Fahrleistungen. Da die Sperrholzbeplankungen nach und nach durch Stahlblech ausgetauscht werden, nimmt auch das Fahrzeuggewicht zu. Der Lloyd 250 rangiert noch unter dem 300. Mit 250 Kubik und 11 PS kann er mit dem damaligen Motorradführerschein gefahren werden. Dieser Umstand verhilft dem 250 bald zum Beinamen „Prüfungsangst-Auto“. Die Modelle 250, 300 und 400 baut Lloyd bis 1957 131.733 Mal. Mitte der 50er rangiert die Marke aus Bremen in der Zulassungsstatistik an dritter Stelle hinter VW und Opel. Im Zuge des Wirtschaftswunders der 50er Jahre verbessert sich die Kaufkraft und so auch die Nachfrage des Marktes stark. So ersetzt Lloyd seine untermotorisierten Zweitaktmodelle durch den Lloyd 600 und den Lloyd Alexander. Der Aufstieg kommt.

UMFRAGE

Lloyd 300 - Retter oder Schrott?

  • Er hat nach dem Krieg eine ganze Generation mobil gemacht.
    80%
  • Und es gibt auch hässliche Oldtimer!
    15 %
  • Er wird dem Begriff Auto nicht gerecht.
    5 %
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