Fahrbericht Lexus CT 200h

Lexus: Mit Hybrid zum Erfolg in Europa

Lexus will in Europa ab 2011 zwar kleine Brötchen backen, erhofft sich aber mit dem neuen Kompaktklassemodell CT 200h die Verkaufszahlen in Deutschland nahezu zu verdoppeln. ( , 26.10.2010)

Erster Kompakter in Premiumklasse mit Hybrid

Seit mehr als zehn Jahren ist Lexus in Deutschland auf dem Markt. Dieses Jahr erwartet der Edel-Ableger von Toyota gerade einmal 2.000 verkaufte Fahrzeuge: zum Leben zu wenig – zum Sterben fast auch. Doch nächstes Jahr steht eine Wende an. Der Anstoß dazu soll der neue Lexus CT 200h sein; das erste Kompaktklassemodell der hochwertig orientierten Japaner. Der sehenswerte CT 200h soll Konkurrenzmodelle wie Audi A3, BMW 1er, Alfa Giulietta und Volvo C30 aufs Korn nehmen und finanzstarke Kompaktfans locken. Die Jokerkarte des neuen Einsteiger-Lexus ist dabei der zusätzliche Elektromotor, denn zum ersten Mal ist ein Fahrzeug in der Premium-Kompaktklasse mit Hybridtechnik unterwegs. Hier geben sonst drehmomentstarke Commonrail-Diesel und stark motorisierte Benziner den Ton an.

Lexus CT 200h
Die Gesamtleistung von Vierzylinder-Reihenmotor und Elektromodul liegt gerade einmal bei 136 PS. Ausreichend für die Volumen-Kompaktklasse; doch um Premium-Kunden von Audi, BMW oder Mercedes herüber zu Lexus zu holen, ist eine Motorvariante allein mit 136 PS und 180 km/h Spitze allzu wenig.

Prius-Verwandtschaft mit Vor- und Nachteilen

Dabei hatten die technikaffinen Japaner nicht den nötigen Mut für den ganz großen Schritt, um die europäische Konkurrenz so richtig unter Druck zu setzen. Denn der Lexus CT 200h ist antriebsseitig allzu eng mit dem Toyota Prius verwandt, mit dem er sich unter anderem Benzin- und Elektromotor sowie das stufenlose Automatik-Getriebe teilt. Das garantiert zwar einen Normverbrauch von gerade einmal 3,8 Litern Superkraftstoff auf 100 Kilometern, sorgt jedoch für allerhand Entbehrungen beim dynamischen Vortrieb. Denn die Gesamtleistung von Vierzylinder-Reihenmotor und Elektromodul liegt gerade einmal bei 100 KW / 136 PS. Ausreichend für die Volumen-Kompaktklasse; doch um Premium-Kunden von Audi, BMW oder Mercedes herüber zu Lexus zu holen, ist eine Motorvariante allein mit 136 PS und 180 km/h Spitze allzu wenig.

Lexus CT 200h
Der Innenraum zeigt sich im bekannt wertigen Lexus-Look. Alles fasst sich prima an und sieht schmuck aus.

Nur noch Hybriden bei Lexus

„Der Supersportwagen LF-A war unser letztes Fahrzeug in konventioneller Bauweise – als reiner Benziner“, erläutert Lexus-Deutschland-Chef Ulrich Selzer, „alle zukünftigen Lexus-Modelle werden Hybriden sein. Der CT 200h macht dabei den Anfang.“ Jahrelang mussten sich die gerade in den USA überaus erfolgreichen Japaner vorwerfen lassen, dass Fahrzeuge der Baureihen GS, LS oder RX nicht so recht auf den europäischen Markt passen würden. Und der durchaus europageneigte Lexus IS hatte gegen Audi A4, 3er BMW und Mercedes C-Klasse trotz unbestrittener Qualitäten bisher nie eine echte Wettbewerbs-Chance.

Lexus CT 200h
Der Kofferraum fasst 375 Liter, die sich durch Umklappen der Rückbank auf knapp 1.000 Liter erweitern lassen.

Inmitten der europäischen Konkurrenz

Das soll beim kompakten Einstieg in die noble Lexus-Welt mit dem CT 200h ab kommendem Frühjahr anders werden. Trotz des vergleichsweise schweren Nickel-Metall-Hydrid-Akkus hinter der geteilt umklappbaren Rückbank bringt der Fronttriebler konkurrenzfähige 1.370 Kilogramm auf die Waage. Mit einer Gesamtlänge von 4,32 Metern liegt er mitten zwischen VW Golf, Ford Focus und Opel Astra. Der Kofferraum fasst 375 Liter, die sich durch Umklappen der Rückbank auf knapp 1.000 Liter erweitern lassen. Der Innenraum zeigt sich im bekannt wertigen Lexus-Look. Alles fasst sich prima an und sieht schmuck aus. Nur der klobige Controller für die Maus-Bedienung des Multifunktions-Bildschirms ist wohl kaum der Weisheit letzter Schluss. Eine exzellente Figur machen jedoch die ebenso weichen wie gut konturierten Sitze des neuen CT. Auch im Fond lässt es sich für zwei Personen aushalten. Für Sicherheit sorgen unter anderem LED-Tagfahrlicht, ESP, acht Airbags und ein intelligentes Unfallvorwarnsystem.

Lexus  CT 200h
Mit einer Gesamtlänge von 4,32 Metern liegt der CT 200h mitten zwischen VW Golf, Ford Focus und Opel Astra.

Dynamisches Fahren ohne Leistung

Punkten will der Lexus CT 200h bei potentiellen Kunden jedoch nicht nur mit seinem unglaublich niedrigen Verbrauch, sondern auch mit jeder Menge Fahrspaß. Gerade hier glänzt der CT wie bisher kaum ein anderer Lexus. Die Lenkung ist direkt, die Abstimmung von Federn und Dämpfern vorbildlich und das Fahrverhalten alles andere als schwammig. Schnelle Wechselkurven und lange Geraden – das macht Spaß und so setzt der CT 200h mit seiner straffen Abstimmung für Lexus neue Maßstäbe. Wenn nur das Manko der unwilligen Triebwerkskombination nicht wäre. Denn mit der Systemleistung von 99 Benzin- und 37 Elektro-PS dürften sich im Konzert der großen Image-Kompakten wohl nur Gegner jeglicher Sportlichkeit zufrieden geben. Der 1,8 Liter große Benziner wirkt insbesondere bei schnelleren Passagen auf Landstraßen und Autobahnen überfordert. Daran ändert auch ein Dreh am Fahrprogramm nichts. Denn zwar ist der Unterschied zwischen Economy-, Normal- und Sportmodus deutlich spürbar – schlapp sind bei entsprechender Leistungsabforderung jedoch alle drei Einstellungen.

Lexus CT 200h
Auf der Autobahn lässt der Vortrieb des Lexus sehr zu wünschen übrig. Deutlich überzeugender schlägt sich der asiatische Hybrideinsteiger bei langsamer Fahrt oder im Cityverkehr. Hier geht es auf Wunsch bis 45 km/h auch rein elektrisch voran.

Ein Auto für die Stadt

Auf der Autobahn wird es besonders zäh. Wer bei 130 km/h noch einmal munter beschleunigen will, hört ein aufheulendes Triebwerk - spürt jedoch kaum den erhofften Vortrieb. An der Kombination aus nervösem CVT-Getriebe und allzu lautem Triebwerk kann auch die ausgefeilte Aerodynamik und die ansonsten vorbildliche Geräuschdämmung des Lexus CT 200h nichts mehr retten. Entweder man passt sich der zurückhaltenden Hybridfahrweise an oder man ist mit einem anderen Antriebskonzept besser bedient. Deutlich überzeugender schlägt sich der asiatische Hybrideinsteiger bei langsamer Fahrt oder im Cityverkehr. Hier geht es auf Wunsch bis 45 km/h auch rein elektrisch voran.

Lexus CT 200h
Der klobige Controller für die Maus-Bedienung des Multifunktions-Bildschirms ist wohl kaum der Weisheit letzter Schluss.

Lexus rechnet mit Erfolg

Ob das reicht, um nennenswerte Verkaufsanteile von der Konkurrenz zu Lexus herüberzuholen darf zumindest in Deutschland bezweifelt werden. Ändert nichts daran, dass die Verkaufserfolge im Vergleich zu anderen Lexus-Modellen stattlich sein werden. Der CT 200h schickt sich im kommenden Jahr auf jeden Fall an, der beliebteste Lexus auf dem europäischen Markt zu werden. Lexus Europa rechnet mit einem Anstieg von derzeit 30.000 auf dann knapp 50.000 Fahrzeuge pro Jahr. Das wäre ein Zuwachs von über 60 Prozent. Zudem müssten Kunden, die vom Toyota Prius aufsteigen wollen, im Premiumsegment nicht mehr bei der Konkurrenz wildern gehen. Doch nicht nur bei Verarbeitung, Design und Komfort ist sich Lexus mit seinem neuen Modell treu geblieben. Denn der Preis des CT 200h ist nichts für Schnäppchenjäger. Der Einstieg für das nur mäßig ausgestattete Basismodell des CT 200h liegt bei stattlichen 28.900 Euro. Dafür gibt es kaum mehr als das Sicherheitspaket, Klimaautomatik und wenig standesgemäße 15-Zoll-Felgen. Komplett ausgestattet ist allein das Topmodell CT 200h Impression für 40.350 Euro. Einiges an Geld zusammensparen kann man jedoch noch. Verkaufsstart für das neue Kompaktklassemodell ist erst der 25. März 2011.

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