Langes Wochenende im Dauertester

Ein langes Wochenende in unserem Dauertester VW Passat Variant 2.0 TDI. Von Kontrollleuchten, Klangerlebnissen und polnischen Brummis. ( , 01.01.2009)

Ich Glücklicher, sehr viel Resturlaub verschafft mir das Vergnügen, am Anfang diesen Jahres jede Arbeitswoche auf ein Minimum zu reduzieren und demnach die Wochenenden ewig lang zu halten. So auch letzte Woche: Donnerstag bis Montag hab ich frei. Weihnachten liegt nun auch ein paar Wochen zurück und Muddern in Berlin hat großes Verlangen nach mir. „Komm doch mal wieder vorbei, mein Junge, ick mach Dir ooch Bratkartoffeln.“ Lockangebot, alles klar, ich muss nach Hause. Zudem zieht momentan die Ausrede, „ich hab doch keine Zeit“, überhaupt nicht.

Die gut 600 Kilometer bis Berlin sind ein perfekter Anlass mit unserem Dauertester Passat Variant Sportsline 2.0 TDI auf Tour zu gehen. Als erstes freut mich vor allem, dass der Passat reichlich Platz im Kofferraum für meine Schmutzwäsche bietet. Muddern wird’s auch freuen – denn ich kam die letzten zwei Wochen nicht zum Wäsche waschen. Meine große Reisetasche und der Wäschesack wirken im Gepäckabteil jedoch etwas verloren. Ganz klar – der Passat ist und bleibt ein Raumwunder!Das nächste Erfreuliche: der Dieselmotor. Ich hoffe ich komme mit einer Tankfüllung bis Berlin, denn bei den momentanen Benzinpreisen ist auch bei mir Sparen angesagt. Zudem versprechen die 140 TDI-PS ein kurze Fahrzeit. Fünf Stunden von meiner Wohnung in Starnberg bis zu Muddern nach Berlin-Zehlendorf gilt es zu knacken. Also auf geht’s!Donnerstagmorgen, in Bayern hat es geschneit, die Straßen sind aber frei. Um zehn Uhr mache ich mich auf den Weg. Als erstes fällt mir auf, dass die Airbaglampe hell aufleuchtet. An der nächsten Tankstelle gehe ich der Ursache auf den Grund – ich probier’s zumindest. Mein erster Gedanke ist, dass jemand den Beifahrer-Airbag ausgeschaltet hat und deswegen die Kontrollleuchte glimmt. Dem ist aber nicht so. Also ruf ich in der Redaktion an. Ergebnis: der Passat war bereits wegen dieses Fehlers in der Werkstatt. Ergo: niemand weiß, ob der schützende Luftsack beim Unfall überhaupt raus kommt. „Na Klasse“, denk´ ich mir. Wir wollen ja nichts heraufbeschwören, aber wenn gerade so ein Bauteil ausfällt, muss doch was passieren. Ich hoffe mal nicht.Die Fahrt geht weiter. Bis Nürnberg läuft alles glatt. Freie Piste, der Passat rollt auf den 17-Zoll-Winterrädern eigentlich knapp über 200 km/h (203 km/h sind Werksangabe), doch der Geschwindigkeitsindex der Winterreifen lässt nur 190 zu. Macht eigentlich auch nix, denn ich möchte ja mit nur einer Tankfüllung durchfahren. Ich behalte die Verbrauchsanzeige im Auge. 9,5 Liter auf hundert Kilometern errechnet der Bordcomputer. Das halte ich für noch akzeptabel bei durchweg „richtig zügiger Fahrt“. Aber da muss noch mehr drin sein. Hinter Nürnberg sind viele Autobahnabschnitte Tempobeschränkt. Bei durchschnittlich 120 km/h fällt auch der Verbrauch. 9,3; 9,0; 8,7... ja geht doch. Auch die Berechnung der Reichweite aktualisiert sich und 680 Kilometer werden mir angezeigt. Das reicht locker bis Berlin!Beim gemütlichen „Dahincruisen“ ist es Pflicht, das Soundsystem zu checken. Volkswagen hat unserem Passat ein System von Dynaudio spendiert. Okay, ich geb´ zu, von denen hab ich noch nie etwas gehört. Zumindest nicht von der Marke Dynaudio, jedoch hört man mit der Anlage dieses Herstellers jeden Pieps in musikalischen Werken. Der Test: „Metallica S&M“ – ein Rockalbum begleitet von einem Symphonieorchester. Die Platte ist so fett abgemischt, eigentlich knallt das jeden Serienlautsprecher durch. Doch nicht bei unserem System. Der Klang haut mir die Ohren weg. 620 Watt Musikleistung werden auf zehn Verstärkerkanäle verteilt und über das Dreiwege-Lautsprechersystem mit knapp 20 Zentimeter großen Tür-Basslautsprechern ausgestrahlt. Allerdings hat das auch seinen Preis: 1.990 Euro zusätzlich zum DVD-Radio kostet das Dynaudio-Klangerlebnis. Für mich lohnt sich diese Investition im Moment richtig, denn das Wetter schlägt um, Schneefall, schlechte Sicht und die Fahrt verlangsamt sich – Zeit zum Musik hören.In der Nähe von Schleiz in Thüringen fängt es jedoch richtig an zu schneien. So stark, dass ich meine, es ist ein richtiger Schneesturm. Interessant! Innerhalb von zehn Sekunden schwindet die Sicht auf unter 20 Meter. Jetzt wird’s brenzlig. Alle vor mir fahrenden Autos bremsen schlagartig ab, ich auch. Doch beim Blick in den Rückspiegel wird mir ganz anders. Bildfüllend schlenkert ein riesiger polnischer LKW auf mich zu. „HauaHaua“, sag ich und ziehe rechts rüber. Mein Wagen kommt ins rutschen, denn die Straße ist schneeglatt. Gott sei Dank greift das ESP ein – doch so richtig nutzt das bei diesen Verhältnissen auch nichts. Mein erster Gedanke in diesem Moment: Wenn’s jetzt knallt, was ist mit dem Airbag? Wir erinnern uns: Die Kontrolllampe leuchtet – keiner weiß, ob er funktioniert! Also aktiv ins Geschehen eingreifen. Und genau jetzt wünsche ich mir die gute alte Hebel-Handbremse zurück. Natürlich hat der neue Passat eine Feststellbremse – diese wird jedoch anstelle eines Hebels zwischen den Sitzen mittels Tastschalter am Armaturenbrett elektronisch ausgelöst. Und das funktioniert nur im Stand.Doch alles geht gut. Ich pralle nirgends dagegen und der polnische Trucker bekommt sein Gespann auch wieder in den Griff. Schnell weg hier, bevor noch mehr passiert.Diese brenzlige Situation habe ich gut überstanden. Was auf meinem Weg nach Berlin sonst noch passiert ist, lesen Sie im zweiten Teil unseres Dauertest-Zwischenberichtes.

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