IAA 2011: Land Rover DC 100

Land Rover DC 100: Neuauflage einer Legende

Der robuste Land Rover Defender ist in die Jahre gekommen. Seit über 60 Jahren prägt er das Straßenbild, ob auf Entdeckungstour durch den Dschungel oder in sandigen Wüstenregionen. Ein Nachfolger muss her. Zwei jetzt auf der IAA vorgestellte Studien geben hierauf einen Ausblick. ( , 14.09.2011)

Kantig, ehrlich, unverwechselbar

Welch eine einmalige Herausforderung für einen Autodesigner, wenn der Chef zu ihm sagt: "Entwerfen Sie die Neuauflage des Land Rover Defender". Über 60 Jahre hat sich die britische Gelände-Ikone nahezu nicht verändert. Kantig, ehrlich, unverwechselbar. Seine Fans lieben ihn dafür. Ob im Busch von Afrika, im Sand der Sahara oder auf Expedition im Regenwald, der "Landy" gehört dazu wie kein Zweiter – seit 1948. Auf der Grundlage von lediglich zwei Plattformen sind Dutzende Varianten für praktisch jede Aufgabe und jeden Einsatzzweck entstanden. Drei Viertel aller jemals gebauten Land Rover sollen noch heute täglich ihren Dienst versehen. Doch bei aller Sentimentalität, die Tage des Urbilds aller Geländewagen sind gezählt. Denn zukünftige Sicherheitsanforderungen kann dieses Auto nicht mehr erfüllen. Hieß es bei Land Rover zunächst, der Defender müsse sterben, steht zur Überraschung vieler nun die Ampel für einen neuen auf Grün: Ab 2015 soll es wieder einen Landy geben. Wie dieser sich in die Neuzeit retten will, zeigt Land Rover auf der Frankfurter IAA (bis 25. September) anhand zweier Studien: DC 100 und DC 100 Sport.

Land Rover Defender DC 100 Cabrio
Auch eine offene Variante gibt es auf der IAA in Frankfurt zu bestaunen. Sie dient aber mehr der Show als dem Verkehrsalltag.

Wildnis vs. Sport

Beim Design versucht das britische Traditionsunternehmen, die typischen und rustikalen Merkmale des alten Defender weiterleben zu lassen, spricht intern von einer Übernahme der "Ab in die Wildnis-Gesinnung". "Die Studien sollen keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie vor allem eines können: weiterkommen als andere", verrät der Design-Direktor Gerry McGovern. Mehr auf Spaß und Show ist dagegen der DC 100 Sport getrimmt. Er bietet neben einem faltbaren Stoffverdeck auch die Möglichkeit, die Windschutzscheibe gegen eine flachere "Speedster"-Scheibe auszutauschen sowie die Seitenfenster herauszunehmen. So soll laut Land Rover ein "besonders enger Kontakt zur durchquerten Landschaft" gewonnen werden. Daktari lässt grüßen. Auch im Innenraum stehen die Studien treu zu ihrem Erbe. Wie frühe Modelle von Land Rover verfügen beide Konzeptautos über drei Frontsitze – "social seating" genannt –, wobei der mittlere als Klappsitz ausgebildet ist. Eine weitere Reminiszenz an den Ur-Landy soll die zentrale Anordnung der Instrumenteneinheit oberhalb des Schalthebels darstellen. Sie ähnelt einem iPad und kann ab- und mitgenommen werden.

Land Rover Defender
Der Land Rover Defender ist der automobile Geländegänger schlechthin. Der Nachfolger muss diese Fähigkeit auch besitzen.

Zukunftsweisend und geländegängig

Weit in die Zukunft reicht beim DC 100 auch die Technik, die sich unter dem Blech verbirgt. Besonders in Sachen Allradsystem und Geländegängigkeit soll es zur Markteinführung Leckerbissen geben, die sonst bei keinem anderen Hersteller zu finden sind. So tastet eine 3D-Kamera vorne und hinten den Untergrund ab, warnt in kritischen Situationen vor Hindernissen, erkennt Sand, Schlamm, Geröll, Schnee oder Gras und stellt den Allradantrieb auf die optimale Kraftverteilung ein. Bei Wasserdurchfahrten braucht der Beifahrer nicht länger auszusteigen und mit einem Stock die Tiefe messen, dies regelt zukünftig eine Wat-Unterstützung mit Hilfe von Sonartechnik. Automatisch werden alle Karosserieöffnungen verschlossen, die Bodenfreiheit erhöht sich und es wird ein niedriger Gang eingelegt. 75 Zentimeter Flussdurchfahrt soll der DC 100 schaffen, mehr als jeder andere Geländewagen im Segment.

Land Rover DC 100
Robust wirkt die Frontpartie. Unter der Motorhaube kann neben einem Diesel- oder Ottomotor auch ein Hybridantrieb schlummern.

Sparsamster im Segment

Welche Art von Antrieb unter der Motorhaube werkelt, ist noch offen. "Wir können so ziemlich alles einbauen", sagt Tony Harper, Leiter der Forschung bei Jaguar und Land Rover, "Benziner oder Diesel mit Start-Stopp-Technik, Parallel-Hybrid oder Plug-in-Hybrid. Das ist von Land zu Land unterschiedlich." Auf jeden Fall soll der nächste Defender der sparsamste Vertreter im Segment werden. Und für dieses Ziel begeht man in England sogar einen Tabubruch. Denn erstmals wird ein Defender mit einem Allradantrieb namens "Driveline Disconnect" ausgerüstet sein. Bei Bedarf, beispielsweise auf Landstraße oder Autobahn, koppelt das System mechanisch den Kraftfluss zu den Hinterrädern ab und kann so den Verbrauch um bis zu sieben Prozent reduzieren. Registrieren die Sensoren Traktionsverlust an den Vorderrädern, schaltet sich der Allradantrieb binnen Sekundenbruchteilen wieder zu – selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Harper verspricht schon jetzt: "Der Fahrer merkt davon nichts." Im Alltag muss sich dies zeigen.

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