Aktueller Fahrbericht

Kymco MyRoad 700i: Mega-Maxi

Der erste Maxi-Roller aus Taiwan hat lange auf sich warten lassen, jetzt ist er endlich da und protzt gleich mit technologischen Innovationen: Kymcos MyRoad 700i zeigt das erste elektrisch verstellbare Fahrwerk bei einem Roller. ( , 20.10.2011)

Kymco ist die Abkürzung für Kwang Yang Motor Company und bezeichnet einen taiwanischen Zweirad- und Motorenproduzenten - einen der größten der Welt. Bislang war für Kymco bei Hubräumen von 500 ccm Schluss, jetzt legen die Taiwanesen mit dem MyRoad 700i den größten Kymco-Roller aller Zeiten auf. Eine erste Visitenkarte musste das neue Flaggschiff auf den verwinkelten Landstraßen rund um den alten böhmischen Kurort Marienbad abgeben.

Der erste Eindruck ist gewaltig: Vorn protzt der Taiwanese mit einer mächtigen Scheinwerferfront, die von drei großen Rundscheinwerfern hinter einer durchgehenden Glasabdeckung dominiert wird. Alle anderen Leuchten wie Rückscheinwerfer und Blinker sind mit langlebigen und hellen LEDs bestückt, die dem MyRoad ein unverwechselbares Äußeres verleihen. Ein Blick in die technischen Daten beweist, dass Kymco nun mit den größten, stärksten und luxuriösesten Rollern auf dem Markt auf Augenhöhe agiert: Aus einem durch und durch modernen Zweizylindermotor mit 700 ccm Hubraum erlöst der MyRoad mit Vierventiltechnik, zwei obenliegenden Nockenwellen und elektronischer Krafteinspritzung erstklassige 59 PS Maximalleistung und ein kräftiges Drehmoment von fast 63 Newtonmeter. Das reicht zu einer voll autobahntauglichen Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h und einem kräftigen Antritt sowohl aus dem Stand als auch in Fahrt. Mühelose Überholmanöver sind mit jedem flotten Dreh am Gasgriff jedenfalls garantiert.

Der Feinschliff an Motor und Antrieb macht sich durch ein helles Surren bemerkbar, verursacht von vorgespannten Zahnrädern des Nockenwellenantriebs, die die Kraftübertragung optimieren. Den typisch knurrigen Charakter der Kymco-Motoren haben diese Maßnahmen jedoch nicht gänzlich eliminiert - der 700er Paralleltwin läuft trotz zweier Ausgleichswellen nicht komplett seidenweich. Die Klangkulisse wirkt gerade bei intensivem Beschleunigen durchaus kernig.

Die potente Kraftquelle haben die Asiaten mit einem stabilen Fahrwerk mit Gitterrohrrahmen kombiniert. Dieses verleiht dem Kymco eine satte Straßenlage. Ein wieselflinkes Handlingwunder kann er bei der Fahrwerksgeometrie und den fetten 292 Kilo Lebendgewicht nicht sein, doch lässt er sich präzise auf Kurs und in eine stabile Schräglage bringen. Clou des Fahrwerks ist aber die erste elektrisch verstellbare Dämpfung im Rollersektor. Über einen Wahlschalter am rechten Lenkerende lässt sich die Dämpfung vorn und hinten auf "soft", "medium" oder "hard" justieren. Die Auswirkungen der jeweiligen Einstellung sind deutlich spürbar: "Soft" erhöht den Fahrkomfort bei gemütlichem Dahingondeln, "hard" fördert die Spurtreue bei flottem Angasen. In den meisten Fällen ist "medium" jedoch der beste Kompromiss aus Komfort und Stabilität, vor allem auf dem öfters pockennarbigen Asphalt der böhmischen Landstraßen. Dieses Technikschmankerl ist weit mehr als bloß ein Gimmick; geschickt angewendet, erhöht es Komfort und Sicherheit.

Ein wenig unglücklich fällt die Aufnahme des Piloten aus. Dieser hat zwar den Lenker gut im Griff, die Position weit vorn wirkt sehr aktiv, doch wünschte man sich nach hinten mehr Platz und ebenso ein tieferes Trittbrett. Großgewachsenen müssen die Beine etwas zu stark anwinkeln. Den Gegenpart zum potenten Antrieb liefern eine Doppelscheibenbremse vorn sowie eine Einzelscheibe hinten. Dazu gehört das ABS von Bosch, das beide Räder in einem unabhängig voneinander agierenden Zweikreissystem kontrolliert. Die Bremswirkung als solche geht in Ordnung, wenngleich die einstellbaren Hebel einen kräftigen Zug verlangen.

Richtig luxuriös ist die Ausstattung: Von der 12-Volt-Bordsteckdose, über das große Staufach unterm Sitz, bis zu weiteren Ablagefächern in der Front fehlt es an nichts. Die Soziusrasten lassen sich über einen Hebel unterm Lenker ausklappen, ansonsten fügen sie sich nahtlos in die Optik ein. Ein Kombischloss entriegelt die Sitzbank und den Tankverschluss, gleichzeitig aktiviert es die Zündung. Auch die informative Cockpit-Zentrale mit klar gegliedertem Aufbau und guter Ablesbarkeit ist ein Plus. Auf der zentralen LCD-Anzeige lässt sich zudem die gerade gewählte Fahrwerkseinstellung erkennen.

Dass die Verarbeitung und die Komponenten hohen Ansprüchen genügen, hat sich mittlerweile herum gesprochen – sogar der deutsche Motorradhersteller BMW lässt in Taiwan bei Kymco fertigen. Neben den technischen Leckerbissen, der guten Qualität und der prima Ausstattung dürfte der knallhart kalkulierte Preis das Interesse am MyRoad zusätzlich entfachen: Für rund 8500 Euro steht der große Roller ab Februar im Kymco-Schaufenster.

Teststeno Kymco MyRoad 700i

Automatikroller mit flüssigkeitsgekühltem Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile, dohc, Hubraum 700 cm3, Bohrung x Hub: 76,9 x 75,3 mm, max. Leistung 59 PS/ 43,3 kW bei 7250/min, max. Drehmoment 63 Nm bei 6000/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, CVT-Automatikgetriebe, Stahlrohr-Rahmen, Teleskopgabel vorn, Triebsatzschwinge mit zwei Federbeinen hinten, zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten, ABS, Reifen vorn 120/70-15, hinten 160/60-14, Sitzhöhe 780 mm, Tankinhalt 15,2 Liter, Leergewicht 292 kg, Zuladung 172 kg, Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h, Preis rund 8500 Euro

BEWERTE DIESEN ARTIKEL
rating_image rating_1 rating_2 rating_3 rating_4 rating_5
KOMMENTARE
Ähnliche Artikel

IMOT 2009

Auf der IMOT, der Internationalen Motorrad Ausstellung, sind die neuesten Trends der kommenden Saison zu sehen. Von den Modellen aller großen Marken bis hin zu originellen Rollern, Streetfighter, Kult-Bikes sowie Exklusivem aus dem Tuning-, Reise-, und Zubehörbereich ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Catch me if you can

Eine dynamische Optik und eine reichhaltige Ausstattung zeichnen den Opel Corsa 1.2 Catch Me aus. Im Test zeigt sich der kleine Rüsselsheimer schon sehr erwachsen.

Kleiner grüner Spaßgarant: Mazda2 1.5 MZR

Der neue Mazda2 wirkt auf Anhieb sympathisch, und der erste Eindruck soll ja schließlich der entscheidende sein. Auch im Fall des kleinen Japaners mit 103 PS starkem Topmotor?

Blechgewordene Imagepflege: VW Passat CC V6 4motion

VW feilt an seinem Image. Beispiel: Der neue Passat CC, bei dem Schönheit vor Praxisnutzen geht. Ein Erfolgsrezept oder Flopgarantie à la Phaeton? Der Fahrbericht der 300 PS-Topversion gibt die Antwort.

Der Reise(g)leiter: Testbericht Citroën C6 HDi 170

Probier´s mal mit Gemütlichkeit: Der Citroën C6 HDi 170 FAP profiliert sich im Motorvision-Testbericht als urgemütliche, aber sicher nicht langsame Reiselimousine.
Ähnliche Videos

Auto-Neuheiten - kurz vorgestellt

Motorvision stellt den neuen Seat Ibiza Cupra, Peugeot 308 CC und Suzuki Alto vor.

Mazda RX-8 Hydrogen

Mazda setzt beim Thema "alternative Antriebe" voll auf den Wasserstoffantrieb. Motorvision berichtet, was der RX-8 Hydrogen tatsächlich kann.

Subaru Legacy & Outback

Subaru hat seit Jahren die zufriedensten Kunden. Motorvision zeigt, ob die neuen Legacy- und Outback-Modelle auch das Zeug zum Publikumsliebling haben.

Fahrbericht Kia Soul

Wolfgang Rother stellt den neuen Kia Soul vor - und hat sich prominente Unterstützung geholt.

Der neue BMW 7er

Wolfgang Rother stellt den neuen 7er BMW vor.

BMW Active E

BMW macht den nächsten Schritt in Richtung Elektromobilität. Wir stellen den BMW Active E vor. Video von UnitedPictures.TV
MOTORVISION MAGAZIN
MOTORVISION AUF FACEBOOK
AKTUELLES VIDEO
Lucy bei Knud Tiroch Teil 6
FACEBOOK EMPFEHLUNGEN
BILDERGALERIEN