Diesel aus Mikroalgen

Kommentar: Ölalgen aller Weltmeere vereinigt euch!

Bio-Öle aus Mikroalgen, die sich in Dieselkraftstoff umwandeln lassen: Die Meldung über einen Forschungsdurchbruch Münchner Wissenschaftler klingt zu schön um wahr zu sein. Nach dem Hinterfragen von Sinn und Machbarkeit verblasst die Hoffnung. ( , 12.01.2012)

Fossile Brennstoffe sind ein endliches Gut. Das ist eine Binsenweisheit. Selbst wenn die Öl-Prospektoren der Welt nach wie vor neue Lager in den Tiefen der Erdkruste aufspüren, die Stunde ist absehbar, wann der letzte Liter Kraftstoff aus Erdöl zu einem zündfähigen Gemisch aufbereitet und dann verbrannt sein wird. Unter dieser Prämisse lässt jede Meldung aufhorchen, die über Erfolge wissenschaftlicher Forscher berichtet, eine neue Alternative für den Rohstoff Öl erschlossen zu haben; besonders aus nachwachsenden Rohstoffen, ohne Verwendung hochwertiger Nutzpflanzen für Lebensmittel. Dementsprechend gebührt den Chemikern der Technischen Hochschule München höchstes Lob für ihre Entdeckung eines Verfahrens, das es ermöglicht, aus Öl-Algen Bio-Öle zu gewinnen, die sich technisch problemlos in hochwertige Kraftstoffe umwandeln lassen. Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, denn die entsprechenden Einzeller benötigen zum Wachsen und Gedeihen nicht einmal Luft und Liebe, sondern nur Licht und Kohlendioxid.

Doch das Problem liegt im Detail. Was machbar ist, lässt sich nämlich noch lange nicht in größerem Stil durchsetzen. Um gerade einmal 200 000 Tonnen Kerosin zu erzeugen, eine halbe Supertanker-Füllung, ist für die erforderliche Algenaufzucht eine Wasserfläche von der Größe Portugals erforderlich. Selbst die gesamte Fläche aller Weltmeere würde da nicht reichen, den Ölbedarf der Welt zu decken. Damit reduziert sich die Euphorie der Meldungs-Überschrift "Pack die Algen in den Tank!" von gestern zum puren Wunschdenken. Dies soll freilich die Leistung der Forscher aus München nicht schmälern. Jeder Schritt auf dem Weg zu Alternativen zum fossilen Brennstoff, und sei er auch noch so klein, ist ein guter und richtiger Schritt. Denn viele dieser Schritte führen auch zum entferntesten Ziel. Einen weiteren davon unternimmt beispielsweise die Firma "Novagreen" aus Vechta. Sie hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Ölalgen in Gewächshäusern aus der Abwärme von Biogasanlagen züchten lassen. Das erspart Portugal schließlich das Fluten für die Ölalgen-Zucht.

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