Jaguar XF 2.2D im Test

Getestet: Jaguar XF 2.2 D

„Der sparsamste Jaguar aller Zeiten“ – so wird der neue XF mit 2.2 Liter Diesel-Aggregat beworben. Ob er halten kann, was er verspricht, klären wir im Motorvision.de-Test! ( , 29.12.2011)

TECHNISCHE DATEN
Jaguar XF 2.2 D
MotorV-Motor
Hubraum2179 ccm
Leistung140 kW (190 PS) bei 3500 U/min
Drehmoment450 Nm bei 2000 U/min
L/B/H in Meter4961 mm/1877 mm/1460 mm
Gewicht1745 kg
AntriebHeck
GetriebeAutomatikgetriebe
Felgengröße8,5 x 19 Zoll
Bereifung245/45R18 / 245/45R18
BremsenScheibe / Scheibe
0-100 km/h8,1 s
0-200 km/h---
Vmax225 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)35 m
Verbrauch7,5 l
Grundpreis44900 Euro
Testwagenpreis73.485 Euro
VersicherungsklassenHP 20 / VK 28 / TK 24
Rundenzeit---
Teststrecke

Das ist er

„Hey, fettes Teil! Schon mit V8 oder? 500 PS oder so?“ – „Nein,“ lautet meine selbstbewusste Antwort, „Vierzylinder-Diesel mit 190 PS.“ Dieser Satz an einer Autobahnraststätte sorgt für offene Münder und ungläubiges Kopfschütteln bei einem BMW-Tuning-affinen Trio von Jungspunden, die – wie viele andere auch – zunächst vom aggressiven Look des neuen Jaguar XF-Modells geblendet sind.

Jaguar XF 2.2 D
Das Facelift hat den XF seinem großen, prestigeträchtigen Bruder XJ ein erhebliches Stück näher gebracht.

Denn die Front des gelifteten XF – erstmals vorgestellt auf der diesjährigen New York International Auto Show – weckt deutliche Reminiszenzen zur Groß-Raubkatze XJ. Dadurch kommt der „Kleine“ deutlich grimmiger und sportlicher daher. Wenn Scheinwerferblicke töten könnten, dem Facelift-XF in die „Augen“ zu schauen wäre ein kurzes Vergnügen. Und wenn am Einstiegsmodell kein Modellschriftzug prangt, ist er nur für Kenner am ovalen rechtsseitigen Endrohr zu erkennen – zumindest solange der Motor aus ist. Dazu kommen tiefgezogenen Schürzen, frontseitige Lufteinlässe und Tagfahrleuchten in J-Form – das alles wirkt zu einem dynamischen Ganzen zusammen. Und trotzdem soll er nicht mehr verbrauchen als ein Golf GTD. Jaguar Land Rover gibt den kombinierten Durchschnittsverbrauch mit 5,4 Litern Diesel an. Klingt selbstbewusst. Ob man mit dem „kleinen“ Jaguar tatsächlich so sparsam unterwegs sein kann, erfahrt ihr jetzt.

Jaguar XF 2.2 D
Die formschönen und Seitenhalt-affinen Ledersportsessel gehören leider nicht zur Serienausstattung.

Das bietet er

Zugegebenermaßen – Testwagen bieten immer recht viel. Und genauso ist es auch im Fall des Jaguar XF: Bis auf ein Glasschiebe- und Hubdach hat er die komplette Sonderausstattung an Bord: Aerodynamikpaket, Sportpaket für das Interieur inklusive beheizbaren Ledersportsesseln, ein 1.200 Watt Premium Soundsystem von Bower & Wilkins, lederbezogene Armaturen und Paneele in Klavierlack, Festplattennavi, Einparkhilfe inklusive Rückfahrkamera, adaptives Kurvenlicht und einige andere – sündhaft teure – Extras. Wohlfühlen wird im Jaguar XF bei den vielen Kreuzchen in der Sonderausstattungs-Liste extrem leicht gemacht.

Jaguar XF 2.2 D
Das Platzangebot im Fond bereitet Personen über 1.80m Körpergrösse Probleme.

Und wer, ohne vom 2,2 Liter Dieselherz unter der Haube zu wissen, in diesen XF einsteigt, der lässt sich von soviel Sportlichkeit und Luxus im Inneren wohl sehr leicht davon überzeugen, er sitze gerade in einem Sportgerät der Upper-Class. Genau das ist auch der Spagat, den Jaguar mit dem XF 2.2D machen will: Innen wie Außen traditionell britisch-vornehm, an der Zapfsäule aber eher asiatisch-asketisch. Das Platzangebot wird einem Fahrzeug der oberen Mittelklasse gerecht, nur im Fond wird es für große Menschen beizeiten ein wenig eng. Dafür lässt der Laderaum mit 420 Litern wenig Reisewünsche offen.

Jaguar XF 2.2 D
Doch der 190 PS starke Diesel mobilisiert 450 Newtonmeter - und die schieben ab 2.000 Umdrehungen ordentlich an. Lediglich bei höheren Tempi wäre etwas mehr Druck durchaus wünschenswert.

So fährt er

Ein Druck auf den Startknopf erweckt den Vierzylinder-Diesel zum Leben. Das Aggregat ist durchweg laufruhig und kultiviert und transportiert nur selten die ein oder andere Vibration in den Innenraum. Ab 2.000 Umdrehungen steht auch genügend Vortrieb zur Verfügung, im Antritt ist der kleine 190 PS starke Selbstzünder ein wenig behäbig. Wenn aber dann die vollen 450 Newtonmeter an der Hinterachse ankommen, geht es recht flott auf die 100 km/h – auch dank doppelter Turboaufladung. 8,5 Sekunden gibt Jaguar für den Sprint an, in unserem Test waren es – wohlgemerkt auf Winterreifen – lediglich 8,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit des XF liegt bei 225 km/h, was jederzeit für zügige Autobahnetappen reicht.

Jaguar XF 2.2 D
Die Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF arbeitet äußerst präzise und sanft - allerdings wird der Sport-Modus seinem Namen nicht wirklich gerecht. Auch bei abgeschaltetem ESP will das Heck einfach nicht so richtig um die Ecke kommen.

Die Achtgang-Automatik im XF überzeugt durch seidenweiche Schaltvorgänge und gibt sich im Sport-Modus redlich Mühe zu überzeugen. Richtiges Sportfeeling will im XF 2.2 D allerdings nicht aufkommen: die Lenkung wirkt viel zu leichtgängig und könnte einen Schuss mehr Direktheit vertragen. Für die sportliche Gangart ist der Jaguar aber auch nicht gemacht. Auf langen Autobahnfahrten und gemütlichen Cruising-Sessions durch Stadt oder über Land entfaltet er dagegen sein volles Potential und überzeugt mit ruhiger, komfortabler Straßenlage sowie einem alles überlagernden Sicherheitsgefühl. Die Start-Stopp-Automatik arbeitet ebenfalls sehr sanft und dabei richtig schnell.

Jaguar XF 2.2 D
Der gemeine Jaguar-Enthusiast muss schon durch eine signalgelbe Tankabdeckung darauf hingewiesen werden, welcher Treibstoff hier getankt werden will. Und ja: der XF 2.2 D ist scheinbar wirklich der sparsamste Jaguar aller Zeiten, auch wenn der angegebene Normverbrauch eine Illusion bleibt.

Das kostet er

Das Einstiegsmodell ins Jaguar-Universum kostet im Grundpreis „lediglich“ 44.900 Euro - ein fairer Preis, wenn man auf Sonderausstattung nicht viel Wert legt. Soll der XF aber sämtliche Schikanen an Bord haben, kostet er – wie unser Testwagen – 73.485 Euro. Wenn man so einen Betrag auf den Tisch legen kann, hat man in der Regel eigentlich  keinerlei Bedarf beim Kraftstoff zu sparen. Die Versicherungseinstufung von HP 20/ VK 28/ TK 24 fällt dagegen recht moderat aus für eine Limousine der oberen Mittelklasse. Richtig interessant wird es dann beim Verbrauch: Jaguar bewirbt den XF 2.2 D bekanntlich als sparsamsten Jaguar aller Zeiten und nennt einen kombinierten Durchschnittsverbrauch von 5,4 Litern Diesel. Diese Angabe ist unter normalen Umständen zwar nicht realisierbar, aber mit 7,5 Litern Verbrauch darf sich der XF trotzdem mit Fug und Recht als Heizöl-Asket bezeichnen.

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Jaguar XF 2.2 D
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
32
Längs06
Quer04
Alltag07
Geld09
Wahre Werte06
MOTORVISION FAZIT
Jaguar XF 2.2 D Hinter den Halmen lauert der Fuchs in der Katze: ein Jaguar zum Sparen, der nach außen hin den Anschein macht, als könne er jedem Porsche gefährlich werden.
Jaguar – ein Name der für Sportlichkeit und Luxus steht, für die automobile Upper Class. Selbstverständlich kommt ein Dieselmotor und noch dazu ein Vierzylinder, bei vielen Katzen-Enthusiasten gar nicht erst ins Körbchen. Dabei kann auch der XF 2.2 D begeistern. Und zwar mit Laufruhe, guter Verarbeitungsqualität, satter Straßenlage und mäßigem Spritdurst. Wer nicht allzu viele Kreuzchen bei der Sonderausstattungsliste setzt, bekommt mit dem Diesel-XF eine schnittige Limousine der oberen Mittelklasse und jede Menge Überholprestige zum „kleineren“ Grundpreis. Der Jaguar XF 2.2 D weckt mit seinem Preis-Leistungsverhältnis den Fuchs in der Katze.

UMFRAGE

Was haltet Ihr vom Spar-Jaguar?

  • Sehr viel, tolles Auto.
    80%
  • Nichts. Wenn schon Jaguar, dann richtig!
    10 %
  • Deutsche Autos sind mir lieber.
    5 %
  • Weiss nicht so recht.
    5 %
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