Audi
Am Audi-Stand ist wie schon vor zwei Jahren große E-rnüchterung zu spüren. Zumindest hinterlässt die Optik der Urban Concept-Studie einen etwas deprimierenden Nachgeschmack, sollte so wirklich unsere automobile Zukunft aussehen. Und nein, auch in der City geht sowas gar nicht. Elektroantrieb im Stadtverkehr mag sinnvoll sein, Autos die aussehen wie mutierte Ameisen mit Clown-Boots sind es nicht. Gut, dass es auch noch Schönes aus Ingolstadt auf der IAA zu sehen gibt. Zum Beispiel die neuen S-Modelle S8, S7, S6 und S6 Avant. Oder das DTM-Car der nächsten Saison auf Basis des A5-Coupés. Wenn der ähnlich geht, wie er aussieht, dann stehen der Konkurrenz harte Zeiten bevor.
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- So soll der nächste A2 aussehen. Wenigstens fährt er rein elektrisch und verpestet so nicht auch noch die Umwelt.
Eine Weltpremiere gibt es mit dem Audi A2 Concept zu sehen. Der alte A2 war ja nicht gerade der Hit, egal in welcher Hinsicht. Der neue A2 kommt als Elektroauto und in Leichtbauweise – eventuell 2015. Schöner ist er aber nicht geworden, wenn sich da nicht noch Entscheidendes tut. Etwa eine designtechnische Komplettüberarbeitung. Und wo wir schon bei E-Versprechen sind, die so bald wahrscheinlich nicht erfüllt werden – auch der Audi R8 eTron ist wieder auf der IAA dabei. Schön ist er ja, ob er jemals kommt, weiß nur der liebe Gott und eventuell ein oder zwei Audi-Vorstandschefs. Sicher kommt aber der Q3, der die Ingolstädter Antwort auf den Boom der Mini-SUV darstellt. Optisch hebt er sich allerdings nicht wesentlich von seinen größeren Q-Brüdern ab. Aber irgendwie hat man bei Audi inzwischen das Gefühl, dass der Optik-Einheitsbrei wirklich gewollt ist. Denn auch der A6 in seiner Avant-Version wirkt zwar recht sportlich und ambitioniert, versprüht aber denselben synthetischen Charme wie so viele Modelle mit den vier Ringen.
Ganz anders dagegen der Sport-Star am Audi-Stand: der R8 GT Spyder macht einfach einen Unterschied, egal wo man ihm begegnet. Was auf der Straße wohl nicht allzu oft vorkommen dürfte, schließlich ist das gute Stück nicht nur über 200.000 Euro teuer, sondern auch auf 333 Exemplare limitiert.
BMW-Group
Lächelnde Hostessen en masse tummeln sich in der Nähe des neuen M-Flaggschiffs und sorgen sich fürsorglich um die Integrität seiner überbordenden Karosserie. Sogar der ehrwürdige E28 M5 ist angetreten, um die historischen Anfänge des Sport-Fünfers zu veranschaulichen. Und wenn man ihn so leibhaftig vor sich sieht, den BMW M5, beeindruckt er noch ein wenig mehr mit sportlicher Souveränität. Fahren darf man ihn auch gleich, allerdings nur virtuell. Dafür sind die IAA-Fachbesucher wohl die ersten, die mit dem M eine Runde im bald erscheinenden Simulationshit für die Xbox360 – Forza Motorsport 4 – drehen dürfen. Und im Spiel fühlen sich die 560 PS und 680 Newtonmeter schon mal ziemlich beeindruckend an. Im echten M5 dagegen sitzt es sich wesentlich besser – schon im Stand vermittelt der Fünfer das Gefühl von Panzer-gleicher Sicherheit, die Verarbeitung ist BMW-typisch auf höchstem Niveau. Nur der Preis – rund 103.000 Euro – steht mal wieder zwischen den meisten Menschen und dem M5. Schade eigentlich.
Die anderen Stars des Münchner Messe-Auftritts sind die beiden E-Concept Studien i3 und i8. Beide sind ausladend futuristisch geformt und zwar innen wie außen. Ihre Scheinwerfer arbeiten im Übrigen mit Lasertechnik, dem effizienteren LED-Licht. Ordentlich dynamisch wirken die beiden Future Cars auch noch. Dabei ist der i3 natürlich irgendwie so gar nicht BMW: eigentlich erinnert er eher an einen Smart mit Nieren, für die meisten BMW-Freunde wahrscheinlich eine Vorstellung, die sie nicht mehr so schnell loslassen wird. Gesessen wird im i3 auf leichten Lederschalen, die Rücksitze lassen sich bei Bedarf umklappen und bilden durch ihre Flachheit einen ebenen Stauraum. Vorsicht oder Vogelaufkleber sind bei der Heckklappe angesagt, denn sie besteht komplett aus Glas und könnte in einem unachtsamen Moment eventuell einem zu schweren Gegenstand zum Opfer fallen. Tanken muss man den i3 natürlich nicht – schließlich stammt er aus der Zukunft, in der es weder Benzin noch Atomkraftwerke gibt. Stattdessen wird er einfach an die Steckdose angeschlossen und aufgeladen. Der i8 Concept ist dann sowas wie die Sport-Entartung des i3, auch er setzt auf großzügig angelegte Glasflächen und Futurismus deluxe. Beim Antrieb setzt er allerdings auf das Plug-In Hybrid-Konzept.
Und dann gibt es ja auch noch den neuen 1er BMW zu sehen. Die neuen Motoren stehen ihm ja ganz gut, dem 1er BMW, was man vom neuen Designkleid leider weniger behaupten kann. Bei völlig subjektiver Sicht der Dinge versteht sich. Ganz so schlimm, wie man es bei Erscheinen der ersten Bilder empfunden hat, ist es aber dann doch nicht. Natürlich wirkt das Polo-lastige Heck etwas ungewohnt an einem BMW, aber man gewöhnt sich schließlich an alles. Und die Front, die auch vom Createurd´Automobile stammen könnte, wird ebenso polarisieren, aber das konnte man bei BMW ja schon immer ganz gut. Früher durch kompromisslose Sportlichkeit, heute eben mit Design-Mutproben. Einen Tick harmonischer präsentiert sich das neue 6er Coupé, das mit geschlossenem Dach noch reizvoller wirkt denn als Cabrio. Das momentane Topmodell 650i punktet mit 408 PS und 600 Nm aus 4,4 Litern Hubraum, zwei Turboladern und erheblichem Überholprestige. Im Inneren kann man es sich richtig gemütlich machen, trotz der allgegenwärtigen Sportlichkeit. Nur hinten dürfte es wieder mal eng werden. Aber da sitzt in einem Luxus-Coupé von BMW zumeist sowieso kein Mensch, höchstens mal ein kleiner bekleideter Hund. Abgerundet wird das IAA-Programm von BMW von zwei weiteren Concepts, allerdings auf zwei Rädern. Das Concept e. ist ein Elektro-Roller, der recht farbenfroh und umweltbewusst ohne Ende dahersurrt, während das Husqvarna e-GO Concept eine Art Elektro-Motocross darstellt. Zumindest äußerlich. Wahrscheinlich ist das e-GO Concept aber eher als Wiederauferstehungszeichen der Marke Husqvarna zu werten, die jetzt ein Teil der BMW Group ist.
Schon länger dabei ist Mini, deren Stand recht überschaubar ausgefallen ist. Viel zu sehen gibt´s nicht, nur ein paar hübsche Damen und zwei weniger hübsche Minis. Kenner können sich wohl schon denken, um was für Minis es sich hierbei handelt. Genau, die Helmlinge sind los. Das Mini Coupé in der JCW-Variante markiert die Leistungs-Speerspitze der Coupé-Baureihe und bietet seinen stolzen und sehr sportlichen Besitzern eine Leistungsausbeute von 211 PS.
Bleibt nur eine Frage, die wir mit etwas Wehmut und ein wenig mehr Enttäuschung stellen müssen: wo bitte war das DTM-Car von BMW?
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- Der Actros wurde mit einem gegensätzlichen Duo beworben, bei dem die Chemie allerdings offensichtlich stimmte..
Mercedes-Benz
Auf dem Weg zum Mercedes-Stand gibt´s den neuen Actros LKW zu sehen. Der soll unglaubliche Sparsamkeit und Kraft im Überfluss vereinen. Nur logisch, dass man das verdeutlicht, indem man einen tätowierten Sumoringer und eine nubische Schönheit im ungleichen Duettvor dem Actros posieren lässt. Wenigstens hatten die beiden ihren Spaß. Und vielleicht ging ja danach was. Endlich angekommen in der Halle der Sterne begrüßen den Besucher selbstbewusste Schilder: „Willkommen beim Erfinder des Automobils.“. Und beim Erfinder des Automobils ist gerade die Hölle los, denn gekonnt lächelt sich das menschgewordene Kinn – Michael Schumacher – durch jeden Einzelnen der auf der Showbühne aufgefahrenen Mercedes-Boliden. Da hätten wir die neue M-Klasse, die sich gewohnt solide, aber auch irgendwie völlig emotionslos präsentiert.
Gleich daneben wartet das genaue Gegenteil: der SLS AMG Roadster ist Emotion pur und verwöhnt mit traditionsbewusster Sport-Formensprache. Weiter geht´s mit der brandneuen Studie F125!, die noch lange Zukunftsmusik bleiben dürfte. Der Clou am F125! wäre, wenn es ihn nicht erst frühestens in 14 Jahren in Serie geben würde – sein emissionsfreies Antriebskonzept basierend auf einer Weiterentwicklung der Brennstoffzelle im Verbund mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern, elektrischem Allradantrieb und „Standleitung“ ins weltweite Netz. Schön ist das Conceptauf jeden Fall mit seinen LED-Spielereien, Flachbildschirmen und Flügeltüren. Ebenso futuristisch, aber ein wenig serienreifer gibt sich der Smart Forvision, der ganz auf Elektroantrieb setzt und nebenbei durch konsequenten Leichtbau besticht. Noch auffälliger ist sein Innenraum, der – mit Verlaub – etwas an eine sehr luxuriöse Toilette mit Gold-Applikationen erinnert. Vielleicht ist das ja das Auto-Konzept der Zukunft. Und einen hätten wir doch fast vergessen – so unscheinbar gibt er sich: die neue B-Klasse ist dann doch weit weniger spektakulär, als man bei ihrer Ankündigung vermutet hat. Es ist eben immer noch die B-Klasse.
Spektakulärer geht´s da schon im AMG-Bereich zur Sache. Der C63 AMG Black Series ist zwar außen rot, aber das Herz das in ihm schlägt ist ganz klar auf der Seite der dunklen Macht. Denn die 517 PS und 620Nm dürften in Zusammenarbeit mit der Feinabstimmung der AMG-Jungsdie Hölle losbrechen lassen. Gut, dass man in den sportlichen Schalensitzen – die übrigens so überhaupt nicht zu gesetzten Herren im feinen Zwirn passen wollen – soviel Halt hat, wie sonst nur in einer Loopingbahn. Und dann dieser der Heckspoiler – ein einziger bösartig-pornöserTraum, dieses Auto. Können nicht alle Mercedesse so aussehen? Obwohl auch der SLK 55 AMG ganz schnieke daher kommt. Aber irgendwie kann er dem C 63 nicht das Wasser reichen. Auch leistungsmäßig: mit 422 PS und 540Nm ist er ein ganzes Stück zahmer. Ein Bike gibt´s übrigens jetzt auch von AMG, denn in Affalterbach ging man einer DucatiDiavel an den Kragen, deren Sportlichkeit nun optisch auf die Spitze getrieben wird.
Rennsport gab´s übrigens bei Mercedes auch zu sehen: die Enthüllung des neuen DTM-Boliden war ein weiteres Highlight. Das DTM C-Coupé ist eine ziemlich massige Erscheinung und noch dazu ganz in Chrom gehalten. Da sieht Schumis Arbeitsgerät, das nebenan steht, fast schon ein wenig schmucklos aus. Vielleicht darf er den DTM-Boliden ja auch mal fahren irgendwann. Oder Nick Heidfeld.

