IAA 2011: Tops und Flops

IAA 2011: Die Tops und Flops der Motorvision.de-Redaktion

Zwei IAA-Pressetage bedeuten zwei Tage Stress pur und mehr Eindrücke als man in der kurzen Zeit überhaupt verarbeiten kann. Die genialsten Highlights und der größte Schrott bleiben natürlich trotzdem hängen. Hier sind die Tops und Flops der Motorvision.de-Redaktion zur IAA 2011. ( , 15.09.2011)

Tops

Top1: Die neuen Sportgeräte der heimischen Autobauer. Unbeeindruckt vom Wahn hochbeinig-schauderhafter Elektro-Zukunft zeigen unsere deutschen Hersteller im Hier und Jetzt, was uns Sportwagen-Freunde vor Glück an die Decke gehen lässt. Der neue Elfer verzückt uns mit seinem traumhaften Knackarsch und beweist schon im Stand, dass Porsche wieder einmal alles richtig gemacht hat. Die Fans brachialer Power-Limos freuen sich über den wunderbaren BMW M5. Mercedes erstaunt und begeistert uns mit dem so herrlich unkorrekten C63 AMG Black Series, VW wässert uns die Kauleiste mit dem konkreten Ausblick auf den Beetle im R-Format und Ford bringt für alle Jünger der bezahlbaren Fahrdynamik endlich den Fiesta ST. „Alles S“ heißt es darüber hinaus bei Audi mit den Vollgas-Varianten von A5, A6, A7 und A8. Wer Fahrspaß pur will, kann also getrost daheim bleiben. Bravo!

Top2: Der Lamborghini Sesto Elemento wird gebaut. Was vor einem guten Jahr auf dem Pariser Autosalon noch wie eine total wahnwitzige Machtdemonstration aussah, wird in gut eineinhalb Jahren tatsächlich Realität. Lamborghini bringt den Ultraleichtbau-Keil Sesto Elemento zu Serien-Ehren. 999 Kilo, 570 PS, 2,5 Sekunden von 0 auf 100 – und das leider nur 20 Mal und nur für die Rennstrecke. Dennoch: So viel Schneid verdient unsere Anerkennung. Ab Frühjahr 2013 fährt das Sechste Element in neue Sportwagen-Dimensionen.

Top3: Jaguar C-X16. Die Briten zeigen endlich, worauf Sportwagen-Fans auf der ganzen Welt schon so lange gewartet haben – das kompakte Raubkatzen-Coupé mit Pulsbeschleuniger-Garantie. Formvollendetes Design gepaart mit einer 450 PS starken Kombi aus Turbo-V6 und E-Motor – das ist der Stoff aus dem künftige Autoträume gemacht sind. 2013 könnte es soweit sein mit dem Jag-Zweitürer unterhalb des XK. Und wehe der C-X16 verschwindet wieder in irgendeiner Schublade…

Messe-Hostessen Mini
Mädels en masse: In Frankfurt gehen einem schlicht die Augen über, bei der Anzahl an hochattraktiven Hostessen. Die Damen bekommen von uns eine 1 mit Stern.

Top4: Kia GT. Wow, was sind das für Formen! Und das soll ein Kia sein? Der ehemalige Audi-Designchef Peter Schreyer hat den einstigen Billig-Importeur optisch mächtig auf links gedreht und den Koreanern ordentlich Style ins Blech gezaubert. Bisheriger Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Studie Kia GT. Auf 4,69 Metern Länge entstand eine wunderschöne viertürige Coupé-Limousine mit Heckantrieb und einem 395 PS-Turbo-V6. Kia hat mit Autos wie dem Soul bereits Mut bewiesen, wieso nicht auch mal über diesen Kracher nachdenken?

Top5: Natürlich Girls, Girls, Girls. Auch die 2011er IAA hat wieder die Schönsten der Schönen an die Stände gespült. Wär ja auch nix, so eine Messe ohne Mädels. Für die schönsten IAA-Bilder übrigens bitte hier klicken…

Audi Urban Concept
Eine unansehnliche Flut an elektrisch betriebenen Blech-Zigarren fällt wie eine eleganz-befreite Invasion über Frankfurt her. So zum Beispiel der Audi Urban Concept...

Flops

Flop1: Die sogenannten Elektro-Kabinenroller. Egal ob Audi mit dem Urban Concept, VW mit dem Nils (warum eigentlich „Nils“?), Opel mit dem RAK e oder Renault mit dem Twizzy – eine unansehnliche Flut an elektrisch betriebenen Blech-Zigarren fällt wie eine eleganz-befreite Invasion über Frankfurt her. Und wer will ganz nebenbei schon mit maximal 120 km/h nur eine Handvoll Kilometer weit kommen und dabei alleine, oder noch schlimmer, zu zweit hintereinander sitzen? Wenn so die automobile Zukunft aussieht, dann Gute Nacht...

Flop2: Die japanischen Hersteller. Aus unserer, der Fahrdynamik zugetanen Sichtweise enttäuscht Nippon auf ganzer Linie. Das Streben nach möglichst wenig CO2-Ausstoß ist ja grundsätzlich aller Ehren wert, aber ganz ohne Emotionen geht es eben auch nicht. In Abwesenheit von Nissan (mit seinem GT-R) verzeichnen wir keinen einzigen veritablen Sportwagen-Neuzugang aus dem Land der aufgehenden Sonne. Wir fordern ganz ungeniert: Power statt Prius!

Flop3: Die IAA-Arbeitsbedingungen. Die sogenannten Pressetage, an denen ausschließlich Journalisten von den Messe-Neuheiten berichten sollen, sind längst zu einem Fest für alle mutiert. Eltern mit Kleinkindern, Schulklassen und viele Gutbetuchte, die wohl mit den richtigen Kontakten dem „Pöbel“ an den Besuchertagen entgehen wollen, sorgen für rappelvolle Messehallen und machen eine vernünftige Berichterstattung nahezu unmöglich. Über die unbeschreibliche Flut an chinesischen „Kollegen“, die gerade die deutschen Autos mit einer Akribie unter die Lupe nehmen, dass man gar nicht mehr weiß, ob sie Journalisten oder vielleicht doch Ingenieure sind, wollen wir erst gar nicht sprechen. Die echte Presse scheint an den Pressetagen mittlerweile in der Minderzahl.

Maserati Kubang
Die Überschwemmung des Marktes mit immer noch mehr SUVs geht uns tierisch auf den Keks. Der neu vorgestellte Maserati Kubang dient hier als warnendes Beispiel. So einen Kasten haben die Italiener doch gar nicht nötig.

Flop4: Die Pressekonferenzen. Jeder, wirklich jeder Hersteller palawert – meist in Form des jeweiligen Vorstandsvorsitzenden – in unendlichen Ausführungen von den ach so perfekten Werten, den ach so tollen Errungenschaften, der unglaublichen Fortschrittlichkeit und dem unermesslichen Beitrag zum Weltfrieden seiner Marke. Jede neue Konzeptstudie weist den Weg in eine glorreiche Firmenzukunft – und wird dann doch nicht gebaut. Schluss mit dem selbstbeweihräuchernden Geschwafel, es geht schließlich um die Autos. Und die sollten den hochtrabenden Versprechungen endlich auch mal standhalten.

Flop5: SUV-Overkill. Ob Infiniti mit dem FX Concept, der schamlos peinlich abgekupferte Eterniti Hemera, oder ganz schlimm: der für Maserati-Verhältnisse deprimierend plumpe Kubang – dicke, fette, sinnlos spritvernichtende SUVs schießen nach wie vor wie Pilze aus dem Boden. Dazu die Flut an Kompakt-Crossover-SUVs und die kaum mehr überschaubare Anzahl an bis zur Unkenntlichkeit getunten Monster-Geländewagen, die trotz zwei Tonnen Gewicht natürlich alle 300 km/h schnell sein müssen. Mit Hybrid-Antrieb im fahrenden Nilpferd kauft man sich zur Not das gute Umwelt-Gewissen dann oftmals einfach wieder zurück. Es reicht! Elektro- oder Hybridantrieb sind nicht die einzigen Wege zu weniger CO2. Liebe Hersteller, probiert es mal mit Leichtbau und Aerodynamik!

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