Das Thema „Klimaschutz“ ist an fast allen IAA-Ständen präsent. Trotzdem geben sich einige Hersteller selbstbewusst und zeigen Autos, die ein bisschen mehr Sprit verbrauchen und CO2 ausstoßen dürfen als andere. Motorvision präsentiert die sportlichen Highlights der IAA. (T. Harloff , 01.01.2009)
Verbrauchsminimierung und Klimaschutz sind die vorherrschenden Themen auf der diesjährigen IAA, die am Sonntag (23. September) zu Ende geht. Es ist gut, richtig und wichtig zu sehen, dass sich fast jeder Autohersteller um diese Themen kümmert und die Vielfalt an Ideen so groß ist wie nie zuvor. Trotzdem stellen einige Marken die Faszination an Power, Geschwindigkeit und Exklusivität in den Mittelpunkt ihres IAA-Auftritts und demonstrieren damit Selbstbewusstsein. Neben den klassischen Sportwagenherstellern aus aller Welt präsentiert auch die eine oder andere Premiummarke Sportliches und nutzen Newcomer die Bühne der IAA, um sich im rechten Scheinwerferlicht zu präsentieren.
An einem Modell kommt sicher kein Autofan vorbei, ohne Kamera oder Fotohandy zu zücken: dem Lamborghini Reventón. Mit einem Design gesegnet, dass er einem Stealth Bomber auf vier Rädern gleicht, zieht der Kampfstier aus Sant´Agata die Blicke magisch an. Trotzdem ist Lamborghinis Neuer viel mehr als „nur“ ein Designerstück: Mit einem 650 PS starken V12-Motor und Allradantrieb steht der Reventón sicher auch auf der Rennstrecke seinem Mann. Ob er dort aber oft zum Einsatz kommen wird? Eher fraglich, denn die nur gebauten 20 Exemplare werden wohl sofort nach Auslieferung in den klimatisierten Garagen ausgewählter Sammler verschwinden. Und bei einem Nettopreis von einer Million Euro dürfte der Kreis ernsthafter Interessenten eher ein kleiner sein.
Mehr Leistung + weniger Gewicht = eine bessere Rundenzeit
Etwas größer ist da schon die Chance, einen Porsche 911 GT2 in freier Wildbahn bewundern zu dürfen. Zwar ist auch der neue Zuffenhausener Extremsportler mit fast 190.000 Euro Einstandspreis alles andere als ein Schnäppchen, dafür aber nur zu einem Zweck gebaut: Um auf der Rennstrecke der Konkurrenz den riesigen Heckspoiler von hinten zu zeigen. Die Voraussetzungen dafür stimmen, denn mit seinem 530 PS starken Biturbo-Boxer ist der neue GT2 der stärkste Serien-Elfer aller Zeiten. Wie seine Vorfahren - und im Gegensatz zum normalen 911 Turbo - überträgt er seine Power nicht über alle vier Räder, sondern über die hinteren 325er-Walzen auf den Asphalt. Doch Porsche glänzt in Frankfurt nicht nur mit seinen Sportwagen, sondern auch mit dem Cayenne: Der 4,8-Liter-V8 des neuen GTS präsentiert sich 20 PS stärker als im Cayenne S (405 statt 385). Mit seinem sportlicheren Fahrwerk, einer kürzeren Achsübersetzung und einem Sechsgang-Schaltgetriebe positioniert Porsche den GTS ganz klar als Dynamiker der Cayenne-Familie.Nicht weniger als das „Beste, das Ferrari jemals für ein Fahrzeug mit Zulassung für den Straßenverkehr entwickelt hat“, soll laut Pressetext den neuen 430 Scuderia auszeichnen. Ähnlich wie beim Porsche GT2 gilt auch bei dieser verschärften Version des F430 die Formel: „Mehr Leistung (510 statt 490 PS) + weniger Gewicht (1.350 statt 1.520 Kilogramm) = eine bessere Rundenzeit“. Weitere technische Highlights sind das halbautomatische „Superfast“-Getriebe, die neue Traktionskontrolle „F1 Trac“ sowie das elektronische Differential „E-Diff“.
James Bonds Spielzeug in Frankfurt
Auch Aston Martin krönt in Frankfurt seine Modellpalette mit einem neuen sportlichen Topmodell: Von James Bond in „Casino Royale“ persönlich zu Edelschrott verarbeitet, hat der DBS im wahren Autoleben hoffentlich eine höhere Lebenserwartung. Ein Sechsliter-V12 mit 517 PS und 570 Newtonmetern sorgt so vehement für Vortrieb, dass es bei Bedarf in 4,3 Sekunden von Null auf Hundert geht und die Höchstgeschwindigkeit erst bei 302 km/h erreicht ist.Beim Heimspiel in Frankfurt sorgen natürlich auch die deutschen Premiumhersteller für sportliche Highlights. Beispiel Audi: Die Ingolstädter zeigen in Frankfurt erstmals den neuen RS6, der mit Biturbo-V10 und 580 PS die Messlatte potenzstarker Familienautos um einiges höher legt. Auch Mercedes lässt sich nicht lumpen und zeigt neben dem 626 PS starken und 332 km/h schnellen McLaren SLR Roadster mit dem C 63 AMG das neue Topmodell der Mittelklasse-Baureihe. Zumindest in punkto Leistung (457 PS) und Drehmoment (600 Newtonmeter) schwingt sich der hubraumstarke Schwabe zum Platzhirschen der Mittelklasse auf. Da hat der neue BMW M3 mit 420 PS und 400 Newtonmetern deutlich weniger zu bieten. Ob der König der 3er, der erstmals von einem V8-Motor angetrieben wird, dem Mercedes beim Kurvenplätten trotzdem Paroli bieten kann? Wir freuen uns auf den ersten Vergleichstest!
Erstmals in Deutschland: Lexus IS F
Lexus stellt auf der IAA sein erstes werksgetuntes Modell vor: den IS F. Optisch macht der Samurai mit deutlich breiteren Backen und besonders mit dem markanten Luftauslass hinter den vorderen Kotflügeln auf sich aufmerksam. Was die technischen Daten angeht, bewegt sich der Japaner auf Augenhöhe mit der deutschen Konkurrenz: Fünf Liter Hubraum, acht in V-Form angeordnete Zylinder und mehr als 400 PS versprechen ebenso viel Fahrspaß wie 270 km/h Topspeed und 4,9 Sekunden für den Null-auf-Hundert-Sprint.Neben den etablierten Herstellern versucht auch ein Newcomer, das Scheinwerferlicht der IAA für seinen ersten großen Auftritt zu nutzen: Die Marke Artega hat aus der ostwestfälischen Stadt Delbrück hat den nur 1.100 Kilogramm leichten Artega GT im Gepäck, der von jenem 3,6-Liter-V6 von VW befeuert wird. Der 300 PS starke Direkteinspritzer verrichtet als Heckmotor seinen Dienst und treibt die Hinterräder an. In unter fünf Sekunden soll es von Null auf Hundert gehen, die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 270 km/h an. Das Design stammt vom Dänen Henrik Fisker, der auch schon für Aston Martin gezeichnet und mit den Modellen Fisker Tramonto und Latigo CS seinen Traum vom eigenen Sportwagen bereits verwirklicht hat. Anfang 2008 soll der kompakte Westfalen-Sportler für gut 70.000 Euro zu haben sein.Auch, wenn man als IAA-Besucher in diesem Jahr etwas genauer hinschauen muss: Die Messe hat neben allem - durchaus berechtigtem - Öko-Aktionismus´ auch sportliche Highlights zu bieten. Auch das ist gut, richtig und wichtig so!