Das Chaos wiederholt sich
Geschichte wiederholt sich manchmal eben doch. Im Winter 2010/11 kämpft das Hispania Racing Team einmal mehr ums Überleben, findet neben dem indischen Tata-Konzern keinen Co-Sponsor und hat deshalb weiterhin ein sehr überschaubares Budget. Beim letzten Test vor der Saison ist das Team zwar vor Ort, fährt aufgrund diverser Probleme jedoch nicht. Vor einem Jahr ging es sogar noch chaotischer zu. Denn bevor die Mannschaft einen Formel 1-Startplatz als Hispania Racing ergattern konnte, hatte der ehemalige spanische Formel 1-Pilot Adrian Campos die Lizenz in der Tasche. Der hatte zuvor in der GP2-Serie bereits Erfahrung im Umfeld der Formel 1 gesammelt. F1-Kompetenz holt sich Campos mit dem italienischen Chassis-Konstrukteur Dallara und der englischen Motorenschmiede Cosworth ins Haus. Das Projekt nimmt schnell Formen an, doch Anfang 2010 geht Campos das Geld aus. Zahlungskräftige spanische Sponsoren springen ab, der Teamchef findet keinen gleichwertigen Ersatz. Wichtige Lieferanten – darunter auch Dallara – bleiben auf unbezahlten Rechnungen sitzen.
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- Eigentümer José Ramon Carabante (M.) rettet Hispania Racing Anfang 2010 vor den Ruin. Mit den Piloten Narain Karthikeyan (l.) und Vitantonio Liuzzi will er sich 2011 in der Formel 1 etablieren.
Carabante und Kolles: Die Retter in der Not
Das Überleben sichert der spanische Unternehmer José Ramon Carabante. Als im Februar der Betrieb bei Campos längst ruht, übernimmt Carabante das Team, um zu retten, was noch zu retten ist. Er holt den Formel 1-erfahrenen Colin Kolles als Teamchef an Bord, um doch noch rechtzeitig zwei Autos beim Saisonauftakt in Bahrain an den Start zu bringen. Dieses Vorhaben gelingt, obwohl das Team nicht ein einziges Mal an Testfahrten teilnehmen kann. Folgerichtig zieren die beiden HRT F1-Autos in der Startaufstellung die beiden letzten Plätze und scheiden im Rennen vorzeitig aus. Diese Erfahrung sollten das Team und die insgesamt vier Piloten - Bruno Senna, Karun Chandhok, Sakon Yamamoto und Christian Klien - noch des Öfteren machen. Keine Frage: Der HRT F1 war das schlechteste Auto des vergangenen Jahres.
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- Geoff Willis ist ein anerkannter Mann in der Formel 1. Unter Adrian Newey war er Chef-Aerodynamiker im Williams-Team, danach auch bei BAR - dem späteren Honda-Team - und Red Bull tätig.
Verstärkung im Technik-Büro
Von den vier letztjährigen Piloten ist kein Einziger mehr an Bord. Stattdessen sollen es Rückkehrer Narain Karthikeyan, der dem Team immerhin den Tata-Deal gebracht hat, und der kurzfristig verpflichtete Vitantonio Liuzzi richten. Damit man zumindest etwas konkurrenzfähiger wird, hat sich dagegen in der Führungsetage einiges getan, wurden Formel 1-erfahrene Leute verpflichtet. So verstärken seit geraumer Zeit die ehemaligen Honda-Mitarbeiter Jacky Eeckelaert (Sportdirektor) und Geoff Willis (Technischer Direktor) das HRT F1-Team. Auch das Dallara-Chassis hat ausgedient, stattdessen setzt HRT F1 auf eine Eigenkonstruktion von Chefdesigner Paul White. Trotz all dieser Maßnahmen ist es eher fraglich, ob das kurzfristig reichen wird, um den Absturz auf den letzten Platz der Konstrukteurs-WM zu vermeiden.

