Golf-Jäger unter sich

Die frischen asiatischen Golf-Herausforderer Toyota Auris und Kia cee´d treten mit 1,6-Liter-Benzinmotoren zum Vergleich an: Wer ist der härtere Herausforderer für den Wolfsburger Dauerbrenner? ( , 01.01.2009)

Hinter dem VW Golf formiert sich eine immer breitere Front, die dem Platzhirsch unter den Kompakten auf den Pelz rücken möchte. Darunter auch neue Herausforderer aus Asien: Toyota will mit dem Auris der Erfolgsstory des Vorgängers Corolla ein weiteres Kapitel hinzufügen. Kia möchte mit dem komplett in Europa entwickelten und produzierten cee´d endlich als ernsthafter Konkurrent wahrgenommen werden. Bei Motorvision fechten die beiden Kompakten im Vergleich der 1,6-Liter-Benziner-Versionen den Kampf um die Position hinter dem Dauerbrenner aus Wolfsburg aus.

Toyota Auris Seitenansicht
Beim Design des Toyota Auris erinnert viel an seinen biederen Vorgänger Corolla

Design

Eine allzu extravagant gestylte Karosserie kann einen Kompakten schnell zum Ladenhüter werden lassen. Entsprechend konservativ und massenkompatibel präsentieren sich Auris und cee´d dem Betrachter. Große, weit in die vorderen Kotflügel reichende Scheinwerfer, weit nach vorne gestreckte Kühlergrill-Nasen, hohe Schulterlinien und stämmig ausgestellte Radhäuser haben beide Kontrahenten gemeinsam. Doch im Vergleich macht der Kia den moderneren Gesamteindruck; zuviel erinnert beim Auris an den biederen Vorgänger. Besonders das Heck hätte ein wenig mehr Würze vertragen können. Auch wenn Geschmäcker naturgemäß verschieden sind: Für uns geht der Design-Punkt knapp an den Kia cee´d.

Kia cee´d Seitenansicht
Der Kia cee´d ist komplett in Europa entwickelt worden

Karosserie/Innenraum

Sowohl Toyota als auch Kia bieten vier Insassen bequem Platz, auch bei fünffacher Besetzung geht es noch lange nicht zu wie in der berühmten Sardinenbüchse. Auch das Gepäck reist standesgemäß; mit 354 (Toyota) bzw. 340 (Kia) Litern Stauvolumen bei stehender Rücksitzlehne sichern sich die Asiaten in dieser Disziplin vordere Plätze in ihrer Klasse. Vorteil cee´d: Der Koreaner bietet nicht nur mehr Ablagemöglichkeiten im Passagier-Raum, sondern auch ein sehr praktisches Fach unter dem Kofferraumboden, in dem allerlei Krimskrams untergebracht werden kann.Kein Anlass zur Kritik gibt es in punkto Verarbeitungsqualität und Materialauswahl. Sowohl der Toyota als auch der Kia erreichen das Niveau der meisten, wenn auch nicht der deutschen Konkurrenten. Unterschiedliche Wege gehen die Kontrahenten beim Innenraumdesign: Während sich der cee´d im Interieur konventionell präsentiert, überrascht der Auris mit einer eigenwillig in Richtung Armaturenbrett ansteigenden Mittelkonsole im Metall-Look. Das sieht zwar schick aus, offenbart aber kleine Mankos in Sachen Bediensicherheit: Zu ähnlich sind sich die einzelnen Tasten, was bei Auris-Neulingen zuweilen zu Verwechslungen führen kann. Die Handhabung des cee´d zeigt sich absolut narrensicher – auch deshalb geht der Innenraum-Punkt nach mit engem Vorsprung Südkorea.

Frontansicht 1
In der Performance-Wertung hat der Toyota Auris die Nase klar vorne

Antrieb/Fahrwerk

Toyota Auris und Kia cee´d treten mit 1,6-Liter-Benzinmotoren zum Vergleich an: In Sachen Leistung und Drehmoment herrscht Gleichstand, doch die Charaktere der Motoren sind durchaus unterschiedlich: Während der Toyota-Motor mit variabler Ventilsteuerung schon bei niedrigen Drehzahlen willig durchzieht, braucht das konventionelle Kia-Pendant deutlich höhere Touren, um einigermaßen mithalten zu kommen. Dabei brummt das Aggregat stets angestrengt und vermittelt dem Fahrer so, dass es die Sache gerne etwas ruhiger angehen würde. Zudem sorgt diese Charakteristik für großen Durst: Laut Bordcomputer genehmigt sich der cee´d 1,6 im Schnitt satte 9,5 Liter auf 100 Kilometer – gut einen Liter mehr als der japanische Konkurrent.Auf Fahrwerksseite herrscht Gleichstand: Beide Asiaten federn komfortabel, sind aber ausreichend straff abgestimmt, um Kurven flott und fahrsicher zu durcheilen. Positiv: ESP bieten beide Kontrahenten serienmäßig – in der Vergangenheit besonders bei Koreanern keine Selbstverständlichkeit. Dass sich der Auris trotzdem agiler bewegen lässt als der cee´d, liegt an seiner Lenkung: Während die Toyota-Lenkung etwas schwergängiger, aber sehr direkt agiert, verhärtet das Kia-Pendant um die Mittellage, was gerade in schnellen Wechselkurven ein Manko ist. Zudem hat der Japaner das exakter und knackiger zu schaltende Fünfgang-Getriebe an Bord. Ergo: Der Auris gewinnt das Antriebs-Kapitel klar und verkürzt auf 1:2.

Kia cee´d Innenraum
Der Innenraum des Kia cee´d präsentiert sich konventionell gestylt, aber geräumig, gut verarbeitet und bedienungssicher

Kosten

Im Kosten-Kapitel verschafft sich der Kia cee´d mit seinem günstigen Grundpreis von 15.930 Euro schnell einen gewaltigen Vorteil – und zwar im Gegenwert von 2.820 Euro. Doch anders als früher erkaufen sich die Koreaner das nicht mit Einsparungen bei der Sicherheitsausstattung; ABS, ESP und eine ganze Airbag-Armada sind Serie. Bis auf die Klimaanlage, die im Kia extra gezahlt werden muss, erreichen die Basisausstattungen ein vergleichbares Niveau. Betrachtet man die laufenden Kosten, setzt sich jedoch der Toyota nach vorn. Er hat den weitaus niedrigeren Spritverbrauch und wesentlich günstigere Versicherungseinstufungen auf der Habenseite stehen. Doch knapp 3.000 Euro wollen erst einmal aufgeholt sein. Und vom Garantiepaket des Kia (fünf Jahre auf alles plus zwei weitere Jahre auf Motor und Antriebsstrang) können Auris-Fahrer nur träumen. Deshalb siegt der Kia auch in der Kostenwertung.

Toyota Auris Innenraum
Die in Richtung Armaturenbrett wie eine Brücke ansteigende Mittelkonsole ist der Blickfang im Auris-Interieur

Fazit

Der Kia cee´d gewinnt das Verfolger-Duell also 3:1. Was auf den ersten Blick nach klarem Triumph aussieht, entpuppt sich bei genauerer Analyse als hauchdünner Arbeitssieg. Der Koreaner entscheidet drei Kapitel jeweils nur knapp für sich, während der Toyota in der Antriebswertung klar überlegen ist. Wer also sowohl flott als auch sparsam unterwegs sein will, entscheidet sich für den Japaner. Nimmt man den Kia, wählt man das etwas praktischere, aus unserer Sicht moderner gestylte Auto, aber vor allem viel billigere Auto. Und gewinnt die wichtige Erkenntnis, dass die Koreaner endgültig das Level der europäischen und japanischen Konkurrenz erreicht haben – auch das des Golf.

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