Test Rothe Skoda Superb Turbo

Getestet: Rothe Skoda Superb 3.2 V6 Turbo

Der Superb wirkt wie der Inbegriff aller Skoda-Tugenden: Geräumig, günstig, viel besser als man denkt – und stinklangweilig! Zumindest was den letzten Punkt betrifft, können wir allerdings Abhilfe schaffen, denn wenn Rothe Motorsport ins Spiel kommt, ist nichts mehr, wie es scheint. Heute im Test: Der wohl schnellste straßenzugelassene Skoda der Welt! ( , 19.12.2011)

TECHNISCHE DATEN
Skoda Superb Rothe Motorsport 3.2 V6 Turbo
MotorSechszylinder-V-Motor mit Turboaufladung
Hubraum3.189 ccm
Leistung379 kW (515 PS) bei 7.000 U/min
Drehmoment600 Nm ab 3.350 U/min
L/B/H in Meter4,84/1,82/1,45
Gewicht1.724 kg
AntriebPermanenter Allradantrieb
Getriebe6-Gang-DSG überarbeitet und verstärkt
Felgengröße8,5x19 Zoll
Bereifung235/35 R19 / 235/35 R19 Vredestein Wintrac Extreme
BremsenScheiben rundum; vo: 390 mm / hi: 310 mm
0-100 km/h3,8 s
0-200 km/h13,3 s
Vmax305 km/h
Bremsweg (100-0 km/h)36 Meter
Verbrauch14,9 Liter
Grundpreis36.250 Euro
Testwagenpreisca. 82.000 Euro
Versicherungsklassenindividuelle Einstufung
Rundenzeit45,6 s
TeststreckeBurgau

Das ist er

Die Vertreter-Kutsche schlechthin! Niemand würde es wagen, einem Skoda Superb ernsthaft Porsche-Killer-Potenzial zu attestieren. Ob der praktische Tscheche vom Tuner kommt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Dass dieses spezielle Exemplar, das mal ein 3,6-Liter-V6 4x4 DSG mit 260 PS war, eine Brutalo-Kur bei der hessischen Turbomanufaktur von Rothe Motorsport hinter sich hat – geschenkt! Schließlich sieht man auf den ersten Blick so gut wie gar nichts. Na gut, schmucke OZ-19-Zöller und eine dezente Tieferlegung, aber sonst? Auch innen – nichts! Das böse Erwachen kommt dann spätestens nach dem ersten Gasstoß, denn dieses Biest hat es faustdick unter der Haube!

Rothe Motorsport Skoda Superb 3.2 V6 Turbo
Aggressiv rotes Geschläuch zeigt sofort, was hier los ist: Dank Rothe-Turboumbau toben hier heftige 515 PS und 600 Nm Drehmoment.

Das bietet er

Wer Mike Rothe kennt, weiß, dass sich der Rothe Motorsport-Chef nicht mit Lösungen von der Stange abgibt. Und wenn der Chef meint, der 3,6-Liter-V6 aus dem Konzernregal taugt nicht für anständige Umbauten, dann fliegt er eben einfach raus. Rothe installiert in der Skoda-Limo stattdessen den aus Golf R32 und Co. bekannten 3,2-Liter-V6 und garniert das Aggregat mit einem seiner bekannten Monster-Turboumbauten. Mit 515 PS und 600 Nm Drehmoment röchelt der Rothe-Superb leistungsmäßig fortan im Supersportwagen-Kreis um Anerkennung. Ein Bilstein-Gewindefahrwerk soll helfen, die Superkräfte halbwegs vernünftig auf die Straße zu bringen. Selbigen zuverlässig Einhalt zu gebieten, fällt den aus dem Audi RS6 entliehenen Stoppern mit 390 Millimeter-Scheiben und knallorangenen Sätteln an der Vorderachse zu. Sind die Insignien der Macht optisch also kaum vernehmbar, so tut ein einziger Tritt aufs Pedal Genüge, um das Potenzial dieses seltsam kräftigen Tschechen zu erahnen. Hinterlistig, wie die Schaafheimer Leistungsfetischisten sind, tarnen sie ihre klappengesteuerte Edelstahl-Auspuffanlage zwar hinter den vier Serien-Endröhrchen, nur helfen will dieses Täuschungsmanöver so ganz und gar nicht. Der Rothe-Superb dröhnt und schreit infernalisch.

Dass schiere Kraft auch auf kleinen Handlingkursen eine gewisse Wirkung entfaltet, zeigt das 515 PS-Monster auf unserer Mini-Teststrecke in Burgau.

So fährt er

Dieses Urviech im Skoda-Pelz ist einfach viel zu schnell. Wenn der Turbo ab 4.000 Touren kickt, herrscht beim Fahrer höchste Alarmbereitschaft. Der Rothe-Superb gibt seine Leistung ab, als hinge er an einem Gummiband auf Speed. Untermalt wird die dauerhafte Leistungsexplosion von einem herrlichen Turbopfeifen, das jeden Beschleunigungsvorgang gleich nochmal so schön macht. 0-100 in 3,8 Sekunden, 0-200 in 13,3 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 305 Sachen – mehr muss man eigentlich gar nicht sagen. Dass der dicke Superb auch mit dem Bilstein-Gewindefahrwerk nicht zum Kurvenkünstler mutiert, versteht sich dabei von selbst. Die Lenkung wirkt reichlich gefühllos, aber was anderes haben wir von einer über 4,80 Meter langen Skoda-Limo ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Auf kurze Stöße reagiert der Unterbau ein wenig empfindlich, ansonsten gibt der Super-Superb den souveränen und angsteinflößend schnellen Gleiter. Dass schiere Kraft auch auf kleinen Handlingkursen eine gewisse Wirkung entfaltet, zeigt das 515 PS-Monster auf unserer Mini-Teststrecke in Burgau. Mit minimaler Untersteuer-Neigung krallt sich der Allradler in den Asphalt, steuert leicht behäbig, aber stoisch um die engen Kurven und ballert sich trotz Winterbereifung in sehr ordentlichen 45,6 Sekunden ins Ziel.

Fürs Gesamtpaket kommen wir auf etwas über 82.000 Euro. Wo sonst bekommt man dafür ein rasendes Wohnzimmer mit 515 PS und über 300 km/h Topspeed? In Anbetracht der Fahrleistungen hält sich auch der Verbrauch in Grenzen. 14,9 Liter im Schnitt sind zwar nicht gerade wenig, bei diesem Output aber völlig im Rahmen.

Das kostet er

Wer die Fahrleistungen eines Supersportlers zum „Schnäppchenpreis“ abgreifen möchte, sollte sich den Superb von Rothe Motorsport einmal genauer anschauen. Für den Komplettumbau vom biederen Böhmen zum heißen Autobahnhengst will die Turbomanufaktur 46.000 Euro sehen, für 36.250 Euro steht der Superb 3.6 V6 4x4 in der Skoda-Preisliste. Wir rechnen fix zusammen und kommen auf etwas über 82.000 Euro. Wo sonst bekommt man dafür ein rasendes Wohnzimmer mit 515 PS und über 300 km/h Topspeed? In Anbetracht der Fahrleistungen hält sich auch der Verbrauch in Grenzen. 14,9 Liter im Schnitt sind zwar nicht gerade wenig, bei diesem Output aber völlig im Rahmen.

Rothe Motorsport Skoda Superb 3.2 V6 Turbo
Rothe vertraut auch beim Superb auf filigrane OZ Ultraleggera in 19 Zoll. Dahinter kommen gewaltige Stopper zum Vorschein, die ein Audi RS6 gespendet hat.

Tuningmaßnahmen

Motorumbau auf 3.2 V6 mit Rothe Motorsport-Turboumbau und kompletter DSG-Überarbeitung: 35.000 Euro; Sportauspuffanlage mit Klappensteuerung: 3.800 Euro; Audi RS6-Bremsanlage: 2.800 Euro; Bilstein-Gewindefahrwerk: 1.800 Euro; OZ Ultraleggera-Felgen mit Bereifung: 2.800 Euro

MOTORVISION WERTUNG
Kriterien
(je max. 10 Punkte)
Skoda Superb Rothe Motorsport 3.2 V6 Turbo
Gesamtergebnis
(max. 50 Punkte)
37
Längs10
Quer05
Alltag09
Geld06
Wahre Werte07
MOTORVISION FAZIT
Testredakteur Stefan Wagner Testredakteur Stefan Wagner
Wie nicht anders zu erwarten, macht Rothe Motorsport auch aus dem Skoda Superb ein Highspeed-Spektakel mit bleibendem Eindruck. Unglaublich, wie der große Tscheche nach der Turbo-Kur marschiert. Im Discount-Bomber auf Porschejagd zu gehen, ist ein Vergnügen, das man erlebt haben sollte. Dabei ist natürlich die Autobahn das bevorzugte Revier, präzises Kurvengeschlängel überlässt der Rothe-Superb lieber anderen. Beim Preis scheiden sich die Geister: 46.000 Euro für den Umbau sind eine Menge Holz, das Gesamtpaket erscheint für das Gebotene dennoch fair.

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