Mit dem Image ist das so eine Sache. BMW würde den Mini gern als Lifestyle-Flitzer für die Generation „20+“ mit prall gefülltem Bankkonto sehen. Die Realität sieht – zumindest teilweise – anders aus. „Der Mini ist ein Frauenauto, basta!“ sagen die, die ihn nicht mögen. Da hat er etwas gemein mit dem Opel Corsa, der – allerdings aus anderen Gründen – auch mehrheitlich Frauen anspricht. Doch von den beiden Kleinen gibt es Versionen, die eigentlich nicht in zarte Frauenhände gehören: Cooper S auf der einen, OPC auf der anderen Seite. Unser Vergleich klärt, ob die beiden sogar zu sportlich für das „schwache Geschlecht“ sind.
Optisch entfernt sich der Mini Cooper S nicht weit von seinen schwächeren Brüdern. Kenner sehen die Lufthutzenattrappe sowie die mittig positionierten Endrohre und wissen, dass es dieser Kleine faustdick unter der kurzen Haube hat. Unwissende sollten durch diverse Schriftzüge erkennen, dass dieser Mini heiß darauf ist, sich wie ein Terrier im Rückspiegel erwachsener Autos zu verbeißen. Anders der Corsa OPC: Er wirkt nach dem Besuch im Opel Performance Center, als käme er frisch von einer Steroid-Kur bei Dopingarzt Dr. Fuentes. Die zerklüftete Front- und Heckschürze sowie Seitenschweller und XL-Dachspoiler könnten auch aus dem Rieger-Katalog stammen. Dazu gibt es einen Diffusor samt zentralem Dreiecks-Endrohr und auf Wunsch 18-Zöller sowie eine Farbe namens „Sunny Melon“. Schüchtern dürfen die normalen Corsas sein, der OPC macht auf dicke Hose!
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- Der als Krönung der Mini-Mittelkonsole angeordnete Tacho im Pizzateller-Format lenkt den Blick zu lange von der Straße – was sich bitter rächen kann!
Welcher Schalter für welche Funktion?
Im Innenraum geht der Imagewandel weiter. Knapp geschnittene Schalensitze mahnen dazu, den eigenen Körper wieder in Richtung Idealgewicht zu trimmen. Ein unten abgeflachtes Lenkrad mit Griffmulden, blau schimmernde Instrumente, Alu-Pedale und die Klavierlack-Mittelkonsole erhöhen den Wohlfühl-Faktor für Insassen beiden Geschlechts. Ansonsten befindet sich im aufgeräumten OPC-Interieur alles am richtigen Platz. Anders beim Mini: Hier geht Style über Praxisnutzen. Die „Toggles“ genannten Schalter geben auch nach langer Zeit noch Rätsel auf, der als Krönung der Mittelkonsole angeordnete Tacho im Pizzateller-Format lenkt den Blick zu lange von der Straße. Deshalb lässt man den gerne mal sein – was sich bitter rächen kann!Denn ein kurzer Tritt auf´s Gaspedal, und der Cooper S offenbart sein wahres Wesen. Verzögerungsfrei schießt der Mini nach vorn, der Führerschein schwebt ständig in Gefahr, von den Cops in vorübergehenden Gewahrsam genommen zu werden. Der Vierzylinder-Turbo mit variabler Aufladung zeigt sich dabei drehfreudig wie ein Sauger, selbst nahe des roten Bereichs geht im nicht die Puste aus. Auch Schalten ist eine wahre Wonne, die Sechsgang-Box ist nicht weit vom Prädikat „perfekt“ entfernt.
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- Die 18-Zoll-Felgen stehen dem Opel Corsa OPC hervorragend - kosten aber Aufpreis. 17-Zöller sind im Grundpreis von 23.100 Euro dagegen inklusive
Grinsen wird zu Begeisterung – auf Knopfdruck
Und dann die Agilität, die nicht nur in der kleinen Klasse ihres Gleichen sucht. Schon im Normalzustand treibt die Fahrdynamik dem Piloten ein dickes Grinsen ins Gesicht, das sich nach dem Drücken der Sporttaste in helle Begeisterung verwandelt. Zackiger lenkt kein Fronttriebler ein, wobei die nicht zu leichtgängige Servolenkung den Fahrer stets über Fahrbahnbeschaffenheit und Gripniveau unterrichtet. Untersteuern? Traktionsprobleme? Gibt es so gut wie nie! Und wenn doch, regelt das sehr feinsinnig abgestimmte ESP auf eine Art, die nur bei verbohrten Sturköpfen das Gefühl der Bevormundung aufkommen lässt. Abschalten? Möglich, aber überflüssig.Der Mini Cooper S legt die Fahrdynamik-Messlatte also wahnsinnig hoch, und der Opel Corsa OPC reißt die mit seinem üppig proportionierten Hintern ein. Klar, viel fehlt nicht, aber im direkten Vergleich wirkt alles eine Spur schwammiger. Das der Lenkung ist etwas verzögert, die Schaltwege sind eine Spur zu lang geraten. Die Fahrwerksauslegung dürfte getreu dem Motto „Mach´ das Heck leicht, dann kommst Du besser um´s Eck“ entstanden sein. Eine Wonne für sportlich ambitionierte Piloten. Otto-Normal-Fahrer werden dagegen leicht erschrecken, wenn das Heck in flott genommenen Kurven etwas mitlenkt oder die Front beim heftigen Bremsen über Gebühr eintaucht. Das ist aber harmlos, zumal ein komplett deaktivierbares, aber nicht so feinfühlig abgestimmtes ESP serienmäßig an Bord ist.
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- Serienmäßig rollt der Mini Cooper S auf recht mickrig wirkenden 16-Zöllern. Eine Nummer größer kostet - wie so vieles bei Mini - Aufpreis
Old School-Turbo vs. Drehfreude
Trotzdem: Der Mini ist auch ohne diese Sperenzchen das agilere Auto. Subjektiv spielt hier auch die im Vergleich zum OPC etwas niedrigere Sitzposition eine Rolle, genau wie die gelungene Soundkulisse. Beim Klang macht sich die Detailliebe der Mini-Ingenieure bezahlt, die ihrem Baby ein heißeres Schreien beim Hochdrehen und ein wohliges Brabbeln bei Gaswegnahme anerzogen haben.Doch zurück zum Opel. Mit vier Zylindern, 1,6 Litern Hubraum und Turboaufladung arbeitet er unter den gleichen Voraussetzungen, geht auf dem Papier mit 192 zu 175 PS in Führung. Doch die Charakteristik des Triebwerks ist eine ganz andere als beim Mini, er ist eher der „Old School“-Turbo: Der Punch kommt bei ca. 2.500 Touren, was den OPC bei schlüpfrigem Geläuf mit den Vorderhufen scharren lässt. Danach geht es vehement vorwärts, wenn auch der Drehmomentnachteil (230 beim OPC zu maximal 260 Overboost-Nm beim Mini) spürbar ist. Da auch Drehfreude und Ausdauer beim Mini ausgeprägter sind sowie der Durst geringer ist, bleibt festzuhalten: Im bayerischen Briten schlägt das bessere Vierzylinder-Herz!
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- In Sachen Fahrspaß hat der Mini Cooper S die Nase vorn. Wiegt man Alltagsnutzen, Bedienfreundlichkeit und Grundpreis dagegen auf, wendet sich das Blatt und der Opel Corsa OPC gewinnt
Der Sieger? Das praktischere Auto!
Zu guter Letzt: Der Praxisnutzen. Hier liegen beide Kontrahenten auf dem Niveau der schwächeren Geschwister. Beim Opel ist das positiv gemeint, beim Mini eher nicht. Preislich erarbeitet sich der Opel einen kleinen Vorteil: Beide kosten 23.100 Euro, doch bringt man den Mini mit 17-Zoll-Leichtmetallrädern, MP3-Radio, Bordcomputer, Klimaautomatik und Sportfahrwerk auf das Ausstattungsniveau des Corsa OPC, werden 26.660 Euro fällig. Dass die Kostenwertung trotzdem unentschieden ausgeht, liegt an der besseren Wertbeständigkeit, dem geringeren Durst (10,8 statt 11,6 l laut Bordcomputer) und der etwas günstigeren Versicherungseinstufung des Mini.Wie fällt also das Fazit aus? Es passiert, was bei einem Vergleich zwischen diesen Autos eigentlich nicht passieren darf: Der Corsa OPC gewinnt wegen seines besseren Praxisnutzens. Mehr Platz, bessere Bedienung und die bessere Ausstattung beim gleichen Preis wiegen schwerer als die deutlich spürbaren, aber keineswegs eklatanten Motor- und Fahrdynamik-Nachteile. Andererseits: Männer, wenn ihr es richtig krachen lassen wollt, pfeift auf das Image und greift zum Mini!

