Männer, jetzt heißt es stark sein. Eine unserer letzen Domänen wird angegriffen. Also auch im Straßenverkehr sollen die Frauen die Nase vorn haben? Das will zumindest der Auto Club Europa herausgefunden haben. (Markus Neureuter , 07.03.2010)
Frau am Steuer, Ungeheuer? Wer kennt diesen Spruch nicht. Stammt er zwar aus grauer Vorzeit und wurde auch vom „7. Sinn“ im Fernsehen kolportiert, kommt er uns Männern bestimmt bei der ein oder anderen Verkehrssituation in Erinnerung. Doch wie sieht es damit wirklich aus? Stimmt das Vorurteil? Oder ist es glatter Blödsinn?
Anlässlich des Frauentages am 8. März, hat der ACE Auto Club Europa eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Frauen hinterm Steuer besonders stark sind. So zeigen sich Frauen im Straßenverkehr von ihrer guten Seite und fallen deutlich weniger durch Alkoholdelikte oder aggressives Fahren auf. Auch die vom weiblichen Geschlecht verursachten Unfälle mit Personenschäden, liegen wesentlich hinter den von Männern verursachten gleichartigen Karambolagen. Sieht man sich die Sache genauer an, ergeben sich jedoch laut ACE starke regionale Unterschiede. So kann unseren lieben Damen aus Brandenburg bescheinigt werden, besonders sicher unterwegs zu sein. Auf den Bundesdurchschnitt bezogen bauen Autofahrerinnen im Saarland hingegen die mit Abstand meisten Unfälle mit Personenschaden.
Über 320.000 Unfälle im Straßenverkehr hatten im vorletzten Jahr Verletzungen eines oder mehrerer Beteiligten zur Folge. Mehr als zwei Drittel davon, nämlich 217.843 Unfälle, wurden durch Männer hinterm Steuer verursacht. Die Quote der weiblichen Fahrer, die schuldhaft mit einem PKW einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, liegt bei 37 Prozent. Rechnet man das auf die weibliche Bevölkerung der Bundesrepublik hoch, ergibt sich daraus eine Quote von 216 Unfällen mit Personenschäden pro 100.000 volljährige Frauen.
Große regionale Unterschiede – Frauen im Osten am Besten
Es ist wohl aber nicht so, dass alle Frauen gleichsicher fahren. So kann den Autofahrerinnen in Brandenburg bescheinigt werden, mit besonderer Vorsicht am Straßenverkehr teilzunehmen. Mit nur 187 Unfällen auf 100.000 Einwohnerinnen des Bundeslandes, stehen sie bundesweit an der Spitze, dicht gefolgt allerdings von den sächsischen Kolleginnen, die mit einer Quote von 188 nur knapp die Goldmedaille verfehlen. Auch die Ränge drei und vier werden von östlichen Teilen des Landes erobert: Thüringen (193) und Berlin (196) liegen danach weit über dem Durchschnitt, wenn es um die Verkehrssicherheit weiblicher Fahrer geht.
In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands, leben mehr als 7,6 Millionen Frauen. Trotz mehrerer Ballungsgebiete bringen sie es mit einem Wert von 202 auf Platz fünf im Sicherheitsranking. Mit 203 folgen Ihnen die Frauen in Baden-Württemberg und rangieren damit noch klar im oberen Mittelfeld. Ebenfalls über dem bundesweiten Durchschnitt liegen die PKW-Lenkerinnen aus Sachsen-Anhalt (207) und Mecklenburg-Vorpommern (210). Gerade noch über dem Schnitt (mit einer Quote von 216) liegen die Damen aus Bremen.
Risikobereitschaft in Bayern
Unterdurchschnittliche Werte, die aber immer noch für das Mittelfeld ausreichen, können Fahrerinnen in Hessen (230) und Rheinland-Pfalz (234) erzielen. Auch PKW-Lenkerinnern aus Hamburg (251) und Schleswig-Holstein (252) provozieren mehr Unfälle als der Durchschnitt aller deutschen Frauen. Eine hohe Risikobereitschaft muss den bayerischen Fahrerinnen mit einer Quote von 257 bescheinigt werden.
Doch Bayern ist nicht das Schlusslicht. Mit einer Quote von 265 erhalten die Fahrerinnen aus Niedersachsen den zweitschlechtesten Wert in Deutschland.
Gefahr im Saarland
Mit deutlichem Abstand und einem Wert von 274 landet das weibliche Geschlecht im Saarland auf dem letzten Platz der Statistik. Gegenüber dem Bundesdurchschnitt bedeutet dies eine Mehrbeteiligung an Unfällen mit Personenschäden von fast 27 Prozent. Bereits in vergangenen Verkehrsunfallstudien des ACE fiel das Saarland aus dem Rahmen. Dort passieren – allerdings unabhängig vom Geschlecht – im Schnitt auch die meisten Baumunfälle und die meisten Unfälle wegen Alkoholkonsum. Vergleichen mit dem Spitzenreiter Brandenburg stellte der ACE fest, dass saarländische Frauen fast eineinhalbmal so viele schwere Unfälle verursachen.
Selbst die Damen aus dem Saarland noch besser als die Männer
Aber trotzdem, dass das Saarland das Schlusslicht im bundesweitem Frauenvergleich ist, ist ihre Quote deutlich besser, als die der männlichen Autofahrer, die mit einer Quote von 413 nahezu doppelt so häufig schwere Unfälle mit Personenschäden verursachen.
Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast
Das sieht jetzt zwar auf den ersten Blick wie ein klarer Sieg für die Frauen aus, allerdings haben die Zahlen einen Haken: Sämtliche Zahlen beruhen auf der Annahme, dass genauso viele Frauen wie Männer einen Führerschein haben und auch die gleiche Anzahl an Kilometern zurücklegen. Es verfügen zwar 82 Prozent aller volljährigen Frauen über einen Führerschein; bei den Männern sind es 93 Prozent. Doch noch wesentlicher ist, dass Männer pro Tag durchschnittlich 30 Kilometer mit dem Auto zurücklegen, Frauen dagegen nur zwölf. Berücksichtigt man dies, so verursachen Männer zwar fast doppelt so häufig einen Unfall mit Personenschaden, legen aber dafür auch fast das Dreifache an Kilometern zurück.
Frauen jedenfalls die braveren Autofahrer
Sieht man sich das Flensburger Verkehrszentralregister an, sieht man, dass lediglich 21,7 Prozent der hier am 31.12.2008 erfassten Verkehrssünder weiblich sind. Nur 2,9 Prozent der Punktesünderinnen hatten mehr als acht Punkte gesammelt – bei den Männern waren es immerhin 6,6 Prozent.
Frauen jedenfalls die braveren Autofahrer
Sieht man sich das Flensburger Verkehrszentralregister an, erkennt man, dass lediglich 21,7 Prozent der hier am 31.12.2008 erfassten Verkehrssünder weiblich sind. Nur 2,9 Prozent der Punktesünderinnen hatten mehr als acht Punkte gesammelt – bei den Männern waren es immerhin 6,6 Prozent.