Formel 1 2011 Südkorea GP

Formel 1 2011 Südkorea GP – Analyse: Wie im Rausch

Red Bull kann auch verkatert siegen, McLaren ist flügellahm und im Mittelfeld wird um jeden Punkt gekämpft bis zum Umfallen. Die Analyse zum Südkorea-Grand Prix. ( , 17.10.2011)

Von Katerstimmung keine Spur

Wer gedacht hat, Sebastian Vettel und Red Bull hätten die ganze Woche nur den zweiten WM-Titel in Folge gefeiert, mag in gewisser Weise sogar recht haben, geschadet hat es der Performance der Blau-Rot-Gelben aber in keinster Weise. Dominant, souverän, alles überragend – für das gestrige Rennen des Heppenheimer Goldjungen gehen einem fast die Superlative aus. Und das trotz einer Vorbereitung mit „Hindernissen“: "Schön zu sehen, dass das ganze Team weiter pusht. Die Vorbereitung war nicht ideal, denn nach dem letzten Rennen waren die meisten von uns - verdienterweise - verkatert", spricht der Weltmeister lässig. Nachdem die Bullen in Südkorea das erste Mal in dieser Saison ein Qualifying abschenken mussten, drehten sie in der Folge einfach den Spieß um und demonstrierten – sozusagen ein Novum – im Rennen einen wesentlich höheren Speed als in der Quali am Tag zuvor. Dass Vettel sich äußerst listig schon in Kurve vier der ersten Runde aus dem Windschatten an Polesetter Lewis Hamilton vorbeidrückte und in der Folge – trotz Safety Car-Phase – nicht den Hauch eines Zweifels an seinem Sieg zuließ, spricht Bände über Fähigkeiten und Verfassung des Doppelweltmeisters.

Sebastian Vettel Red Bull
Teamwertung gewonnen, jetzt kann ungehindert weitergefeiert werden. Ein schwerer Kopf gehört bei den Bullen in diesen Wochen zum guten Ton!

Bei den Reifen lagen alle falsch

Nicht nur für Vettel überraschend (noch am Samstag ging auch er von vier bis fünf Stopps aufgrund der superweichen Reifen aus) hielt Pirellis extraweiche rote Mischung deutlich länger als angenommen und Beobachter gingen von einem Nachteil für den österreichisch-englischen Rennstall aus, der im Qualifying sehr zügellos mit eben dieser umgegangen war. In zweierlei Hinsicht sollten die roten Bullen den Betrachter aber eines Besseren belehren. Denn erstens spulte Vettel nach dem ersten Stopp stolze 18 Runden mit einem nicht mehr frischen Satz Superweicher ab, ohne merklich an Speed einzubüßen und zweitens stellte sich der etwas härtere gelbe Reifen – so war es auch schon bei Training und Quali am Samstag zu deuten – als mindestens ebenbürtig heraus. Nicht umsonst fuhren sowohl Vettel als auch Lewis Hamilton und Mark Webber mit der gelben Mischung die drei schnellsten Rennrunden. Apropos Mark Webber: Der Australier konnte gefühlt das erste Mal in seiner Karriere beim Start tatsächlich einen Platz gewinnen und lieferte sich in der Folge über weite Strecken des Rennens ein packendes Duell mit Lewis Hamilton. Er monierte heftigst den Zeitpunkt des zweiten Boxenstopps, als er zeitglich mit Hamilton hineinbeordert wurde. Da wäre mit der besseren Pace des blauen Renners mehr drin gewesen. In Runde 49 war er dann dennoch endlich mit einer Attacke erfolgreich, zog aber kurz darauf in der DRS-Zone gegen den diesmal braven Briten chancenlos den Kürzeren. Webber kann, auch wenn er das selbst anders sieht, mit dem dritten Platz in Yeongam trotzdem zufrieden sein, trug er damit doch ebenfalls maßgeblich zum abgebrühten Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft für Red Bull bei. Die partybedingten Kopfschmerzen werden im Bullen-Lager also noch ein paar Tage weitergehen.

Lewis Hamilton McLaren Mercedes
Nur Rang zwei nach Start von der Pole Position - ganz so bedröppelt müsste Lewis Hamilton nach einem starken Rennen aber dennoch nicht dreinschauen, oder?

McLaren hadert mit den Frontflügeln

Den Kürzeren beim Südkorea-GP zog nach einer beeindruckenden Qualifying-Performance McLaren-Mercedes. Schon beim Start machten die Chromsilbernen keine allzu gute Figur und belegten nach Rang eins und drei in der Startaufstellung nach der ersten Runde lediglich Platz zwei (Lewis Hamilton) und Platz sechs (Jenson Button). Viel gravierender für den Rennverlauf stellten sich allerdings die bei beiden Autos schadhaften Frontflügel heraus. Bei Hamilton verstopfte Reifenabrieb einen Schlitz, bei Button sorgte ein Stein für die Beschädigung. Als Konsequenz hatten beide britischen Boliden mit mangelndem Abtrieb an der Front und folglich starkem Untersteuern zu kämpfen. Das beeinflusste nicht nur den Speed, sondern auch den Reifenverschleiß. Button beklagt, wegen des Untersteuerns nicht nahe genug an Webber herangekommen zu sein, um DRS zu verwenden. Er habe das System im ganzen Rennen nur einmal benutzt. Somit sind Rang vier für Jenson Button und vor allem Lewis Hamiltons zweiter Platz, den er unter diesen Umständen geradezu heldenhaft vor Mark Webber verteidigte, durchaus als Erfolg zu werten, auch wenn sich die Mannen um Teamchef Martin Whitmarsh nach der Dominanz von Freitag und Samstag wohl mehr versprochen haben.

Michael Schumacher Mercedes GP
Sagte frühzeitig "Servus": Unverschuldet musste Rekordweltmeister Michael Schumacher in Runde 16 aufgeben. Witali Petrow war dem Kerpener unfein ins Heck geballert.

Ferrari und Mercedes durchwachsen

Mehr versprochen hat sich mit Sicherheit auch Ferrari. Die Scuderia hatte wie so oft in dieser Saison mehr Probleme mit dem Qualifying als mit dem Rennen an sich. Aus Startreihe drei ganz nach vorne zu fahren schätzten dann auch die Roten selbst als nahezu unmögliches Unterfangen ein. Probleme mit den superweichen Reifen halfen Alonso und Massa ebenfalls nicht weiter, mit den weichen Pneus ging es dann etwas besser. Mehr als die Plätze fünf (Alonso) und sechs (Massa) waren aber nicht drin. Immerhin konnte ein neuer Frontflügel getestet werden, der wichtige Daten für das 2012er Auto lieferte. Auch Mercedes hatte wieder mal ein eher durchwachsenes Wochenende. Michael Schumacher musste – bis dahin eigentlich ganz gut im Rennen – früh die Segel streichen, nachdem ihm Witali Petrow aufgrund eines haarsträubenden Verbremsers das Heck pulverisierte. Nico Rosberg verlor in der letzten Rennrunde seinen siebten Platz an den Torro Rosso-Piloten Jaime Alguersuari. Rosberg haderte mit einem Bremsplatten, der ihn früher als erwartet an die Box zwang und ihm einen sehr langen letzten Stint einhandelte. So hatte der Wiesbadener letztlich nicht mehr genug Grip, um den Angriffen Alguersuaris Stand zu halten.

Heikki Kovalainen Lotus Racing
Heikki Kovalainen erwischte einen Raketenstart und bugsierte seinen Lotus am Ende auf einen erfreulichen 14. Rang...

Spannender Kampf im Mittelfeld

Alguersuari selbst fuhr ein bärenstarkes Rennen und erzielte nach Monza seinen zweiten siebten Platz der Saison. Die neuen Teile, die Torro Rosso in Suzuka ans Auto gebracht hatte, funktionierten in Südkorea prächtig und bescherten dem Team neben dem höchsten Topspeed (320 km/h) mit einem ebenfalls guten neunten Rang für Sebastien Buemi auch das beste Saisonergebnis. Die roten Bullen sind für die abschließenden drei Saison-Rennen heiß und wollen noch an Sauber und Force India auf Platz sechs der Konstrukteurswertung vorbeiziehen. Sauber holte auf dem Korea International Circuit keinen Punkt und muss nun bis Indien seine Wunden lecken. Force India brachte in Person von Paul di Resta wenigstens einen WM-Punkt ins Ziel. Adrian Sutil wurde Elfter. Mit dem Speed der Torro Rosso konnten die Grün-Orangenen einfach nicht mithalten. Das soll sich bis zum historischen Heim-GP in Delhi in zwei Wochen freilich ändern. Ein weiteres Team, das am liebsten bis nach Indien durchgefahren wäre, ist Lotus. War in Suzuka schon eine Steigerung zu erkennen, so zeigten die Briten in Yeongam ihr Saison-Meisterstück und brachten Heikki Kovalainen nach einem Sensationsstart auf Rang 14 vor den beiden Sauber und nahe an Bruno Senna (Renault) ins Ziel. In Delhi wollen die Grün-Gelben ihr starkes Saison-Finish mit einem weiteren Achtungserfolg untermauern. Auch wir sind beim ersten Formel 1-Event auf indischem Boden natürlich wieder in gewohntem Umfang für Euch dabei.

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