Formel 1 2011 Spa GP

Formel 1 2011 Spa GP – Analyse: Deutsche Dominanz

Spa-Francorchamps – Turbulent ging es zu auf der belgischen Traditionsstrecke von Spa – und das ohne einen einzigen Regentropfen. Die ersten Groß- und Kleinteileflogen bereits nach der ersten Kurve. Am Ende wurde der Große Preis von Belgien zum Triumph für Red Bull und Michael Schumacher. ( , 29.08.2011)

Führungs-Vorsprung

Sebastian Vettel hat mit seinem neuerlichen Sieg den Weltmeistertitel beinahe in der Tasche, schon in Singapur könnte er vorzeitig die Titelverteidigung feiern.Vorausgesetzt,in Monza läuft es für die roten Bullen ähnlich gut. Dabei sah es nach der ersten Runde so gar nicht nach Red Bull-Dominanz aus: Mark Webber verpatzte seinen Start dermaßen, dass Rosberg die Möglichkeit hatte, außen vorbei zu gehen und sich kurzfristig sogar an die Spitze zu setzen. Auch Michael Schumacher profitierte vom Chaos nach der ersten Kurve: Vom letzten Startplatz schoss er auf Anhieb auf Platz 14 vor, der Grundstein für sein erfolgreiches Abschneiden im Jubiläumsrennen. Doch dazu später mehr. Vettel jedenfalls fuhr ein überragendes Rennen in einem überragenden Auto, scheinbar mühelos konnte er jeden seiner Konkurrenten überholen, egal ob Alonso, Button oder Webber. Das nötige Quäntchen Glück kam dann auch noch hinzu, als ihm durch die Safety Car-Phase ein zusätzlicher Boxenstopp ermöglicht wurde, ohne dabei viel Zeit und Plätze zu verlieren.

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton dagegen wurde wieder mal sein Temperament zum Verhängnis. Seine Chancen auf den Titel sind damit endgültig dahin.

Strecken-Rambo

Womit wir bei McLaren Mercedes wären. Für Lewis Hamilton war es mal wieder ein alles andere als befriedigendes Wochenende: Zuerst lieferte er sich ein Wut-Duell mit Maldonado im Williams und provozierte einen Crash, dann fuhr er recht achtlos Kobayashi vors Auto und drehte mit über 200 km/h in die Begrenzung ab. Dass der Crash und damit der sichere Verlust einer kleinen Chance auf den WM-Titel voll und ganz auf sein Konto gehen, wollte der Briten-Heißsporn in diversen TV-Interviews noch nicht wahrhaben. Jenson Button dagegen überzeugte mit einer soliden Leistung. Am Samstag war er noch viel zu früh in die Box beordert worden und verpasste so den letzten Durchgang des Qualifyings. Von Startplatz 13 aus sicherte er sich in einer furiosen Aufholjagd am Schluss den dritten Platz. Natürlich spielte auch hier ein wenig Glück mit, denn Alonsos Ferrari verlor auf der harten Reifenmischung gewaltig an Druck und war schließlich kurz vor Schluss ein nicht recht wehrhaftes Opfer für den smarten Briten auf Speed.

Michael Schumacher
Das gesamte Wochenende stand im Zeichen von Schumi.

Entfesselungs-Künstler

Wie entfesselt fuhren aber auch die beiden Mercedes GP-Piloten: Nico Rosberg zeigte gleich beim Start sein Potential,musste sich aber schon kurz darauf dank seines unterlegenen Autos wieder in seine gewohnte Rolle fügen. Am Ende reichte es zu Platz sechs und der Erkenntnis, dass der Mercedes einfach nicht stark genug ist, um mit der Spitze mitzuhalten – und sei der Fahrer noch so fähig. Michael Schumachers Jubiläumsrennen stand seit dem Qualifying, das durch ein nicht fachgemäß befestigtes Hinterrad zum Desaster wurde, unter keinem guten Stern. Aber der Altmeister zeigte es der jugendlichen Konkurrenz am Sonntag mal wieder so richtig: vom Start weg machte er ganze zehn Plätze gut, was folgte, war eine Aufholjagd wie in alten Zeiten. Konkurrent um Konkurrent wurde vom goldbehelmten Kinnmythos verblasen. In den letzten Runden setzte er mit dem Überholmanöver an Rosberg den entsprechenden Schlusspunkt. Der jüngere Teamkollege war bisher so gut wie immer einige Plätze vor Schumi zu finden. Allerdings war Rosberg in den letzten Zügen auch auf harten Reifen unterwegs, während Schumi sich auf weichen Pneus austoben konnte. Nichtsdestotrotz: endlich konnte Michael Schumacher einmal mehr sein volles Potential nach außen kehren.

Force India F1
Adrian Sutil überzeugte erneut mit einem guten siebten Platz.

Motivations-Überschuss

Bruno Senna hingegen enttäuschte in seinem Grand Prix-Debüt für das Renault-Team maßlos: ungehalten bretterte er in die Haarnadelkurve La Source und räumte gleich mehrere Autos ab. Dabei hatte er im Qualifying noch einen soliden Eindruck hinterlassen. Wenigstens fuhr Petrow in seinem Renault in die Punkte, bei den goldenen Franzosen scheint es nach den letzten Rückschlägen wieder aufwärts zu gehen. Vorausgesetzt der Brasilianer Bruno bekommt sich in den nächsten Rennen in den Griff. Eine gute Leistung gab es auch wieder von Adrian Sutil im Force India zu sehen: Mit Rang sieben holte er das Maximum für sein Team heraus und konnte sich ein weiteres Mal für höhere Aufgaben empfehlen. Aus deutscher Sicht also ein ganz und gar gelungenes Wochenende. Doch auch für nicht-deutsche Motorsport-Fans setzte sich in Spa der Trend von der „endlich wieder spannenden“ Formel 1 fort. Wir sind gespannt auf den Großen Preis von Italien in Monza. Ab dem 9. September lest Ihr auf Motorvision.de die Berichte zu allen Trainingssessions, dem Qualifying und natürlich dem Rennen auf dem Highspeed-Kurs von Monza.

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