Regelwerkskunde
Dabei ist F1 2011 – das sei schon einmal vorab gesagt – bei weitem mehr als nur ein hingeschludertes Update des letztjährigen Titels, denn in nahezu allen Bereichen wurde von Codemasters Birmingham ordentlich nachgebessert, erneuert oder überarbeitet. Dabei wurden die Wünsche der nicht gerade kleinen und mit Kritik sparenden F1-Community berücksichtigt.
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- Bei Knopfdruck Turbo: KERS sorgt - idealerweise am Kurvenausgang - für Zusatz-Überholprestige. Aber nur bei den Teams, die die Technik auch einsetzen. Der Einsatz von DRS ist im Training nur auf Geraden empfehlenswert.
Die grundlegendsten Änderungen gehen mit dem aktuellen Reglement in der Königsklasse einher: KERS und DRS sind nun auf Knopfdruck aktivierbar und verleihen den Rennwochenenden nicht nur einen Zusatzschub an Realitätsnähe, sondern sorgen auch für einen Spielspaß-Boost – aber der Reihe nach:das Herzstück des Spiels ist natürlich die Karriere, die sich über fünf Saisons erstreckt und Euch und Euer Alter Ego auf dem Weg an die Spitze der Königsklasse begleitet. Rückzugsort und Menü in einem ist in „alter“ Codemasters-Tradition Euer bescheidenes Motorhome, wo Ihr Euch durch E-Mails mit Wetter- und Presseberichten sowie Vertragsangebote klickt, Euer Helmdesign verändert, den aktuellen Punktestand betrachtet und Euch ins Renngeschehen stürzt.
Detailzuwachs
Wie schon letztes Jahr wählt ihr vor jedem Rennen den gewünschten Schwierigkeitsgrad. Hier stehen drei Optionen zur Auswahl, allerdings lassen sich die verschiedenen Voreinstellungen jeweils anpassen, so dass man seinen ganz individuellen Herausforderungsgrad bestimmen kann. Neu ist die Möglichkeit, die Grand Prix´ in überschaubaren drei Runden zu absolvieren. Ansonsten habt ihr wie gewohnt die Wahl zwischen einem langen Rennwochenende inklusive aller freien Trainings und dem dreistufigen Qualifying, dem verkürzten Pendant, und Puristen können sich auch ausschließlich aufs Rennen beschränken. Auf der Strecke öffnet sich dem geneigten Racing-Fanatiker die F1-Welt in ihrer ganzen Pracht: die Strecken sind noch ein bisschen detailgetreuer gestaltet als im Vorgänger. Viel war allerdings in diesem Bereich nicht mehr rauszuholen, weswegen wohl nur die Racetrack-Cracks unter Euch die absolut originalgetreue Bepflanzung und Beplankung der Kurse honorieren werden. Bevölkert sind die Kurse leider immer noch recht spärlich– zumindest dürfte es selten vorkommen, dass Tribünen bei einem Formel 1-GP nur halb gefüllt sind – und auch die virtuellen Menschen in Cutscenes kommen etwas hölzern rüber – aber diese kleinen Makel sind ganz schnell vergessen, sobald die Ampel endlich auf Grün steht.
Rennfieber
Denn Beschleunigungsgefühl, Motorengeräusch, Handling und die computergesteuerte Gegnerschaft erschaffen eine virtuelle Rennwelt, von der man sich so schnell nicht mehr loseisen kann – die Sucht nach der perfekten Highspeed-Runde ist einfach viel zu groß. In Verbindung mit der nochmals nachgeschärften Renn-Grafik, die nun wirklich absolute Perfektion in punkto Detailtreue bietet, schafft F1 2011 echte, süchtig machende Motorsport-Atmosphäre. Gerade die gründlich überarbeitete KI der Gegnerschaft macht sich positiv bemerkbar: denn die fahren nicht mehr stur Ideallinie, sondern sind nun deutlich Fahrfehler-affiner als noch im Vorjahr. Auch die Klassenunterschiede zwischen den Teams sind nun endlich mehr als deutlich spürbar. Während man im Vorgänger auch mit einem HRT-Boliden den Ferraris und Red Bulls enteilen konnte, ist das in der 2011er Version nicht mehr möglich. Das Strafen-System sorgt nun für weitaus weniger Unmut, trotzdem kam es noch zu einigen wenigen zweifelhaften Entscheidungen der Rennkommissare während unserer Testsessions. Eine zu Unrecht verhängte Zeitstrafe eine Runde vor der Zieldurchfahrt kann schon ziemlich aufs Gemüt – und bei entsprechender Gamer-Heißblütigkeit eventuell auch auf das nicht billige Eingabegerät – schlagen. Die bereits erwähnten Neuheiten KERS und DRS nehmen direkten Einfluss auf Euren Rennerfolg, denn nur ein sinnvoller Einsatz der Beschleunigungsverstärker hilft Euch auch. Heißt: wer DRS in Kurven benutzt, klebt schneller an der Wand als Michael Schumacher „Rentenversicherungspflicht“ sagen kann und wer die KERS-Batterie im Übereifer zu schnell entleert – eine Batterieladung steht Euch pro Runde zur Verfügung – der verliert unter Umständen genau die Zehntelsekunde, die ihm die Pole beschert hätte. Natürlich sind die „Helferlein“ wie im realen Formel 1-Leben nur beschränkt nutzbar. Soll heißen, im Training und Qualifying habt Ihr weitgehend freie Hand, im Rennen ist DRS nur an bestimmten Stellen der Strecke erlaubt, um nahende Gegner zu überholen.
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- Das dynamische Wettersystem wurde besonders in punkto Regen deutlich überarbeitet: die Nässe breitet sich nun langsamer aus und entfaltet realistisch ihre Wirkung auf den Grip der Reifen. Lässt der Regen nach, trocknet die Ideallinie schneller ab, als der Rest der Strecke.
Alkoholverbot
Eine weitere Neuerung, die vor allem von der Community mit Nachdruck gefordert wurde, ist das Safety Car. Der SLS AMG mit Bernd Mayländer an Bord dreht nun fleißig seine Runden – sollte es zu einem schwereren Unfall auf der Strecke kommen. Apropos schwere Unfälle: das Schadenssystem ist erneut hervorragend umgesetzt: wenn die Carbon-Teile mal splittern, dann ordentlich und natürlich physikalisch vollkommen korrekt. Für Notfälle stehen Euch – je nach Schwierigkeitsgrad – immer noch bis zu fünf Flashbacks zur Verfügung, um etwaige fatale Betonbegegnungen ungeschehen zu machen. Das dynamische Wettersystem war ebenfalls bereits im letzten Jahr an Bord und punktet nun mit einem dynamischen Tag- Nachtwechsel und einem überarbeiteten "Regenmodell": hier wirkt sich zunehmende Nässe noch realistischer auf den Grip aus. Für spannungsgeladene PS-Duelle und taktische Spielereien ist also gesorgt, denn so kann man dann trotz unterlegenem Auto auf die Pole vorrücken, wenn man als Erster im Trockenen startet, dann der Regen einsetzt und den Rest des Feldes zwingt, auf Intermediates zu wechseln. Apropos Reifen: Natürlich finden sich auch die seit dieser Saison zum Einsatz kommenden Pirellis samt korrekter farblicher Kennzeichnung im Spiel wieder. Wie schon bei F1 2010 fahrt Ihr auch jetzt in der Karriere um Erfahrungspunkte und könnt Euch einen Boost selbiger erarbeiten, indem Ihr bestimmte Zielsetzungen erfüllt. Im Erfolgsfall winken außerdem wichtige Upgrades für Euer Auto, die Euch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz halten. Leider erneut nicht ins Spiel geschafft hat es die Siegerehrung in ihrer ganzen Pracht. Zwar wird das Auto nach erfolgreichem Rennabschluss in den Park Fermé bugsiert und ausführlich mit den Mechanikern gejubelt, aber Treppchen und Champagner fallen aus. Wobei der Grund für den fehlenden Alkoholgenuss auf die Alterseinstufung zurückzuführen ist, da das europäische PEGI-System – im Gegensatz zur deutschen USK – mit starren Kriterien arbeitet und im Falle von alkoholischen Referenzen eine Einstufung ab 12 vorsieht. Gut, auch Sechsjährige haben ein Recht auf Geschwindigkeit, aber das Treppchen vermisst man trotzdem recht schmerzlich.
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- Auch die Online-GPs überzeugen mit Realismus, Taktik-Affinität und Spannung - und zwar für bis zu sechzehn Spieler.
Mehrspielerspaß
Ein weiteres positives Novum ist dagegen die Möglichkeit einer Online-Koop-Karriere – so könnt Ihr endlich zusammen im Team die Formel 1 dominieren, oder untereinander um die Gunst des virtuellen Teamchefs buhlen. Auch die Möglichkeiten, sich mit Spielern aus aller Welt im Online-Duell zu messen, zeigen sich ausgeweitet: bis zu sechzehn Spieler können nun an Online-GPs teilnehmen, der Rest des Feldes wird von der KI gestellt, um auch hier ein Optimum an Realismus zu bieten. Natürlich kann auch lokal im Splitscreen-Modus mit-, beziehungsweise gegeneinander gezockt werden, dann sollte man aber einen großen Flatscreen oder besser gleich einen Beamer zuhause stehen haben, ansonsten wird der Geschwindigkeitsrausch nämlich leicht unübersichtlich. Für Einzelspieler sind im Übrigen neben der Karriere auch noch Zeitfahren und Einzelrennen geboten – hier darf man dann auch in die Haut seines persönlichen Rennsport-Idols schlüpfen und ihn zum spektakulären Sieg führen, denn selbstverständlich sind alle Fahrer, Teams und Strecken der aktuellen Saison an Bord. Mit Ausnahme von Bruno Senna, denn sein Cockpit bekleidet in F1 2011 noch „Quick“ Nick – der Juristerei-affine Gladbacher musste ja bekanntlich nach dem Ungarn GP seinen Platz im Renault-Team räumen – zu spät für Codemasters, um ihn auch gametechnisch aus der F1-Welt zu verbannen. Wer davon enttäuscht ist, darf sich auf die in diesem Jahr hinzugekommenen Grand Prix von Deutschland und Indien freuen - letztere bekommt man als Spieler sogar noch vor den Fahrern selbst zu sehen. Desweiteren ist auch ein Time Attack-Mode ist mit an Bord, in dem Ihr verschiedene vorgegebene Renn-Szenarios in einer bestimmten Zeit bewältigen müsst.
Pflichterwerb
Formel 1 2011 steht momentan in Sachen Motorsport-Simulation an der Spitze des Racing-Genres: Die grafische Detailverliebtheit bei den Carbon-Boliden, das stimmige Handling, die zahlreichen Feinheiten in der Abstimmung der Autos, all das schafft genau die großartige Motorsport-Atmosphäre, die Simulations-Freaks so lieben. Die kleineren Schwächen des Games lässt man – einmal im Rausch der Geschwindigkeit versunken – nur allzu gerne außer Acht, denn die Veränderungen und Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger sind zahlreich und sorgen vor allem für spürbar mehr Spielspaß. Bleibt nur eine Frage: wie will man sich da bei Codemasters Birmingham nächstes Jahr noch steigern? Wir sind gespannt! Für Simulations-Fanatiker mit Xbox 360, PlayStation 3 oder PC ist Formel 1 2011 jedenfalls absolute Pflicht! Also wer es noch nicht hat, ab zum Game-Händler Eures Vertrauens und kaufen!

