Indische Intrigen
Die Jagd auf den Titel mag gelaufen sein, aber Politik wird in und um die Formel 1 ständig betrieben. Auch deswegen war der Grand Prix auf dem nagelneuen, von fleißigen indischen Händen geschaffenen Buddh International Circuit bis kurz vor Schluss in Gefahr.
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- Probleme über Probleme im Vorfeld - aber der Buddh International Circuit wurde rechtzeitig fertiggestellt und zu einem Boykott ist es auch nicht gekommen.
Die Kontroversen fingen schon damit an, dass bettelarmen indischen Agrariern Grundstücke entrissen wurden. Und zwar für eine Handvoll Kleingeld und leere Versprechungen. Dementsprechend wuterfüllt ist die Stimmung bei den Ackersmännern, die sich vom indischen Staat und der privaten Betreibergesellschaft JPSI gleichermaßen über den Tisch gezogen fühlen. Doch damit nicht genug: emsige südasiatische Bürokraten wollten die F1-Teams verpflichten, einen Teil ihres Einkommens in Indien zu versteuern.Sozusagen als kleinen Bonus für die Gastfreundschaft, die ihnen im Land von Elefanten, Kühen und Curry entgegenschlägt - und zwar in Form von langwierigen Visa-Problemen. Glücklicherweise fand man einen Weg für etwaige Ausnahmegenehmigungen, um die genauen Umstände wird der Mantel des Schweigens gehüllt – wahrscheinlich nicht ohne Grund. Die indischen TV-Journalisten gingen auch noch auf die Barrikaden, weil sie naiverweise angenommen hatten, der betagte Bernie würde für sie, die berichterstattenden Buddhisten, einfach mal seine verwinkelten Verträge außer Acht und nicht nur seine eigenen Kamerateams das Renngeschehen in Bild und Ton festhalten lassen. Zu guter Letzt stand bis kurz vor knapp der Fortschritt der Bauarbeiten im Fragezeichen-Fokus, allerdings sorgte man bei JPSI dafür, dass der Buddh International Circuit und sämtliche Anlagen fertiggestellt wurden. Ob nun mit Hilfe siebenmägiger Gottheiten oder nicht, ist nicht bekannt.
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- Ungewohntes Bild: Narain Karthikeyan stand bei der Pressekonferenz als einziger Inder im Starterfeld im Mittelpunkt. Schumi findet das scheinbar alles andere als angebracht.
Repetitiver Restrennsport
Wenn es um´s Sportliche geht, gibt es dann tatsächlich nicht viel Neues zu vermelden. Nach Vettels neuerlicher Überlegenheits-Demonstration in Südkorea sind die Statements der Top-Teams immer dieselben: Red Bull Racing will weiter Siege sammeln und ist hochmotiviert, bei Ferrari und McLaren rechnet man sich zwar durchaus Chancen auf einen eventuellen Sieg aus, konzentriert sich jedoch vor allem darauf, die Planungen für die nächste Saison voranzutreiben. Die Strecke an sich dürfte den drei Top-Teams gleichermaßen gut zu Gesicht stehen: der überaus hohe Top-Speed Anteil, die schnellen Kurven sowie die beiden langen Geraden favorisieren zwar durchaus den vorherrschenden Vettel und seinen angriffslustigen australischen Teamgefährten Mark Webber, doch der hitzige Hamilton und der bravouröse Button werden den beiden Bullen-Piloten bei entsprechender Performance dicht auf den Fersen sein. Bei Ferrari hängt dagegen wie immer alles von den Reifen ab: wenn die soften Pirellis an den italienischen Achsen rotieren, sollten vor allem der akribische Alonso, vielleicht aber auch der meist mittelmäßige Massa richtig schnell in Indien unterwegs sein. Bei der vierten Kraft Mercedes GP dagegen wird man wohl auch beim ersten der letzten drei F1-Grand Prix der Saison 2011 nur hinterherfahren können. Es sei denn, der schlitzohrige Schumi und der reifende Rosberg gehen schon zum Wochenende mit einem neuen Auto an den Start. Noch nichtmal Norbert Haug meldete sich bis jetzt in gewohnt vor Zuversicht strotzender Art und Weise zu Wort – eine vielsagende Tatsache.
Siegpflichtige Substitute
Im Mittelfeld dagegen geht´s immer noch spannend zu – zumindest ein bisschen. Renault ist der fünfte Rang in der Konstrukteurswertung wohl nicht mehr zu nehmen, doch für Force India auf dem sechsten Rang ist der Große Preis von Indien trotzdem ein wichtiges Event. Schließlich sind der durststreckenerprobte Deutsche Adrian Sutil und der schelmische Schotte di Resta so etwas Ähnliches wie Lokalmatadoren am Wochenende. Unter der Führung von Dr. Vijay Mallya, dem Force India-Mäzen, sollen die beiden ganz Indien in Verzückung versetzen. Ob sie den hohen Erwartungen gerecht werden können, wird sich zeigen. Der einzige echte Lokalmatador, der auf dem Buddh International Circuit an den Start geht, der introvertierte Inder Karthikeyan, wird in seinem HRT jedenfalls kaum für Begeisterungsstürme auf den Rängen sorgen können. Sauber und Toro Rosso dagegen sind Force India dicht auf den Fersen, also müssen Sutil und di Resta in jedem Fall performen, ob sie nun wollen oder nicht. Sonst verwirklicht Mallya vielleicht schon zur nächsten Saison doch noch seinen Traum, einen Inder im Cockpit zu haben. Dazu könnte er zum Beispiel auf den Buddhisten mit besten Beziehungen, Karun Chandhok, zurückgreifen. Dessen Vater Vicky ist nämlich zufälligerweise Chef des indischen Motorsport-Verbandes. Und der Papa dürfte nicht sehr glücklich darüber sein, dass der Filius auch beim Heimspiel nicht über den Rang des Lotus-Testpiloten hinauskommt. Man kann die Schelme schon munkeln hören.
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- Schöne Aussichten: wird das Feld auf der den Fahrern nur aus dem Simulator bekannten Strecke durcheinandergewirbelt oder bleibt alles beim Alten?
Bollywood Bash
Der erste große Preis von Indien ist gezeichnet von vielen unbekannten Faktoren. Es wird sicher spannend sein zu sehen, wie die Fahrer auf der neuen Strecke zurechtkommen, die von ihrem Layout am ehesten mit dem Istanbul Speed Park vergleichbar ist. Bisher konnten die Piloten jedenfalls nur am Simulator einige Runden drehen. Aber wenn´s mit dem Rennerfolg für den ein oder anderen nicht so klappen sollte, bleiben ja noch viele weitere Highlights übrig: zum Beispiel der Verzehr von nicht sterilem Beef Vindalu am Straßenrand, ein Besuch in den heiligen Hallen von Bollywood, der Taj Mahal oder der erste Auftritt der Kultband Metallica auf indischem Boden, der am Freitag im Rahmenprogramm des Grand Prix von statten gehen wird. Spätestens dann wird sich der Zirkus in ein gewaltiges Moshpit verwandeln.

