Topteam-Divergenz
Will man das Renngeschehen in Indien noch einmal Revue passieren lassen, so steht wieder einmal eine Erkenntnis ganz oben: Vettel ist die unangefochtene Nummer Eins, das Red Bull Team die F1-Institution schlechthin.
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- Schon beim Start verlor Teamkollege Webber dagegen ordentlich an Boden und wurde von Jenson Button im McLaren überholt.
Zumindest momentan. Und wenn es um ihren Fahrer Nummer Eins geht. Denn im Gegensatz zum Weltmeister, der scheinbar mühelos vom Start weg dem Rest des Feldes enteilte, war bei Webber von Dominanz wieder mal nicht viel zu sehen. Schon nach dem Start verlor der ohnmächtige Ozeanier seine Position an den beispielhaften Briten Jenson Button, später musste er auch gegenüber dem strebsamen Spanier Alonso klein beigeben. Woran liegt´s? Laut Webber daran, dass seine Reifen zu schnell abbauen, wahrscheinlich aber eher daran, dass der Red Bull-Bolide eigentlich so etwas wie eine Spezialkonstruktion ist, die ausschließlich auf die Bedürfnisse und Ansprüche des Heppenheimer Heilsbringers ausgelegt ist.
Insel-Militarismus
Jenson Button fuhr in seinem McLaren jedenfalls ein überragendes Rennen: so wie es für ihn kein Herankommen an Vettel gab, gab es für den Rest des Feldes kein Herankommen an den besonnenen Briten. Fehlerlos und anständig fuhr er den zweiten Platz nach Hause und erhält die Hoffnung bei McLaren, dass nächste Saison alles anders und vieles besser werden kann. Doch da war ja auch noch Hamilton. Der sorgte bereits im Vorfeld für Wirbel, nachdem er als Reaktion auf seine Trennung von Nicole Scherzinger, einem exotisch angehauchten Musik-Sternchen, einen Bob Marley-Helm trug mit der Aufschrift „One Love“. Ganz im Gegensatz zu den Reggae- Grundsätzen der Liebe und THC-geschwängerten Gelassenheit agierte er dann aber im Rennen, als er zum vierten Mal mit Felipe Massa im Ferrari zusammenkrachte. Und die Rennkommissare um Briten-Spezi Johnny Herbert bestraften Massa.Ein Schelm, wer da leise etwas von Insel-Dünkel murmelt. Die TV-Bilder jedenfalls sprechen eine eindeutige Sprache: eigentlich hätte man den wenig kinderlieben Killerinstinktler bestrafen müssen. Vielleicht hatten die Stewarts auch Angst vor den Folgen einer Bestrafung des hysterischen Hamilton, man weiß es nicht. Sich selbst hat er jedenfalls auch keinen Gefallen getan, denn der notwendig gewordene Boxenstopp brachte ihm letztlich Rang sieben ein. Da wäre – mal wieder – deutlich mehr drin gewesen.
Frontflügel-Verdrossenheit
Massa jedoch wurde noch härter getroffen von der ganzen Aktion. Zunächst konnte er weiterfahren auf Rang fünf, dann wurde er mit einer Durchfahrtsstrafe bedacht, was ihn scheinbar dermaßen aus der Fassung brachte, dass er sich anschließend beim Überfahren der Curbs zum zweiten Mal an diesem Wochenende die Radaufhängung brach. Der mental brüchige Brasilianer verschwand nach seinem unrühmlichen Aus dann auch wortlos und war zu keinerlei Statements bereit. Besser erging es da – wieder mal – seinem Teamkollegen Alonso, der nach einer guten Leistung aufs Podium fahren konnte, auch dank einer abfallenden Leistungskurve von Mark Webber und den seit diesem Wochenende berühmten „Flatterfrontflügel“, der beiden Ferraris seit den Trainingsrunden ordentlich Zusatzschub zu verleihen schien. Alonso hat aber nicht nur mehr Glück als Massa, sondern fährt auch ruhiger, schneller und konstanter. Mal sehen, wie lange man bei derScuderia noch bereit ist, den unsteten Massa zu halten, vielleicht verpflichten sie ja Hamilton, damit der endlich auch mal die Autos der anderen kaputtfährt.
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- Keine Probleme dagegen bei Mercedes GP: Schumi startete gut und überholte dann noch seinen Teamkollegen, was ihm am Ende Platz Fünf einbrachte.
Mittelmaß-Malocher
Bei Mercedes GP dürfte man mit den Plätzen fünf und sechs zufrieden sein. Schumi und Rosberg zeigten eine gleichermaßen gute Leistung, vor allem der schubkräftige Schumi präsentierte sich mal wieder als Top-Starter und verwegener Veteran. Am Ende konnte er gar seinen jungenhaft-modischen Teamkollegen erneut hinter sich lassen. Die Überraschungssieger des Wochenendes sind jedoch ohne Zweifel die Jungs von Toro Rosso. Auch wenn Sebastian Buemi, der schicksalserprobte Schweizer, mit einem Motorschaden ausrollte, Jaime Alguersuari holte einen guten achten Platz und die Fahrt unter die Top Ten im Qualifying zeigt, dass die „kleinen“ Red Bulls auf einem guten Weg sind. Für Force India lief es beim Heimspiel dagegen nicht optimal. Paul di Resta musste sich mit Rang dreizehn zufrieden geben, während Adrian Sutil am Ende Zehnter wurde. Während des Rennens musste er sich jedoch beiden ToroRossos und Bruno Senna im Renault ergeben, die ihn scheinbar mühelos auf der Geraden putzten. Eigentlich bleibt ihm zum Trost nur das WM-Pünktchen und die Tatsache, dass es bei Narain Karthikeyan noch schlechter lief. Aber immerhin wurde der instabile Inder nicht Letzter, sondern beendete das Rennen auf Rang 17 von 19.
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- Grund zur Freude auch bei Toro Rosso: nachdem im Qualifying Buemi und Alguersuari in die Top Ten gefahren waren, kam Alguersuari am Ende als Achter ins Ziel. Buemi musste mit seinem Motorschaden aufgeben.
Aufstands-Analogien
Was nach dem Indien GP zurückbleibt, ist die Erkenntnis, dass Vettel noch überlegener ist als man annehmen konnte - und Wut. Wut bei Massa, Wut bei Hamilton, Wut bei Webber, Wut bei Force India und Wut bei den indischen Headbangern, denen ihr Metallica-Konzert verweigert wurde. Zuerst gab es am Freitag Probleme mit der Stromversorgung, dann sollte das Event am Samstag stattfinden. Das erregte die morbiden Metalheads Indiens aber so sehr, dass sie einen Aufruhr anzettelten. Was sich im Nachhinein als schlechte Idee erwies, denn die Verantwortlichen reagierten in bester Super Nanny-Manier damit, dass sie die Veranstaltung einfach komplett abbliesen. Gesitteter dürfte es da schon in zwei Wochen beim vorletzten Rennen der Saison in Abu Dhabi zugehen. Doch auch da dürfte der Sieger höchstwahrscheinlich wieder derselbe sein. Aber vielleicht gibt´s ja auch wieder neue aufregende Entwicklungen in der spannendsten Blutfehde, die die Formel 1 seit Michael Schumacher gegen Damon Hill erlebt hat.

