Formel 1 2011: Deutschland GP

Formel 1 2011: Deutschland GP – Analyse: Die Spannung ist zurück

Ein fantastischer und spannender Deutschland GP 2011 fand gestern in Lewis Hamilton einen letztlich hochverdienten Sieger. In der Motorvision.de-Analyse zum Rennwochenende am Nürburgring suchen wir die Gründe für das starke McLaren-Comeback sowie Ferraris Formhoch und untersuchen die Ursachen für das Zwischentief von Red Bull. ( , 25.07.2011)

Hamilton wie entfesselt

Was am Freitag bei den Freien Trainings noch beinahe bemitleidenswert aussah, wandelte sich spätestens beim Qualifying am Samstag und erst recht beim Rennen am Sonntag ganz zu McLarens Gunsten. Und wenn McLaren-Teamchef Whitmarsh sagt, dem Freitag werde generell zu viel Bedeutung beigemessen, dann kann man ihm zumindest für dieses Rennen nur beipflichten. Die Briten waren nach dem enttäuschenden Abschneiden in Valencia und Silverstone eindeutig in der Bringschuld und zogen sich bereits in der Qualifikation mit einer Mischung aus top eingestelltem Auto und einem überragenden Lewis Hamilton mit Startplatz zwei glänzend aus der Affäre. Der Renn-Sonntag wurde dann vollends zur Hamilton-Show. Ein toller Start, der perfekte Umgang mit den weichen und vor allem den harten Reifen (schnellste Rennrunde auf harten Pneus!) und eine gute Boxen-Performance machten den englischen Heißsporn trotz einiger knallharter Duelle mit Fernando Alonso und Mark Webber zum gerechten Sieger. „Das war eines der besten Rennen, die ich jemals gefahren bin“, meinte der überglückliche Hamilton dann auch nach dem Triumph. Dass Jenson Button das Rennen aufgrund von Hydraulikproblemen vorzeitig beenden musste, schmerzt zwar, allerdings war auch sein Auftritt bis zum Defekt – er kämpfte sich zwischenzeitlich nach schwachem Start von Rang zehn auf fünf vor – ordentlich. McLaren ist auf jeden Fall zurück im Titelkampf. Nun muss man in Woking beweisen, dass man in der Lage ist, seinem überragenden Fahrer Lewis Hamilton auch zuverlässig ein siegfähiges Auto bereitzustellen.

Massa und Alonso
Nicht erst seit dem Rennen am Nürburgring ist Ferrari wieder voll da. Alonso beendete ein starkes Rennen auf Platz zwei, Felipe Massa wurde fünfter.

Ferrari setzt den Trend fort

Von einem siegfähigen Auto war die Scuderia Ferrari zu Beginn der Saison meilenweit entfernt. Doch in Maranello wurde kontinuierlich und sehr hart am F150° Italia gearbeitet und wie es scheint, hat man in der Zwischenzeit mindestens mit Red Bull gleichgezogen. Nach dem Sieg in Silverstone folgte ein hervorragender zweiter Platz in der Eifel mit nur vier Sekunden Rückstand auf den Sieger. Der Speed des roten Renners überzeugt allerdings vor allem im Rennen, im Qualifying sei noch Luft nach oben, wie ein erneut bärenstarker Alonso meint. Auch Felipe Massa fuhr grundsätzlich ein tolles Rennen, musste sich Sebastian Vettel nach einem großartigen Duell um Platz vier aber beim Boxenstopp in der allerletzten Rennrunde geschlagen geben, weil es Probleme mit einer Radmutter gab. Pech für den Brasilianer, der aber schon an den nächsten GP in Budapest denkt. Zeit für weitere Updates ist in der einen Woche bis zum Ungarn GP freilich kaum, dennoch sollte das üblicherweise heiße Wetter Ferrari- die Italiener haben ja die größten Probleme, ihre Reifen auf Temperatur zu bringen - reifentechnisch in die Karten spielen. Dann könnte die Scuderia den Roten Bullen noch gefährlicher werden und endgültig für eine mehr als spannende zweite Saisonhälfte sorgen.

Formel 1 2011 Sebastian Vettel Deutschland GP
Sebastian Vettel zeigte beim Heimspiel Nerven, hatte nicht die Performance von Webber, dazu Probleme mit der Bremsbalance und baute erstmals auch Fehler wie bei seinem Dreher in Runde zehn ein. Der fantastischen Boxenarbeit seines Teams war es zu verdanken, dass der Heppenheimer schlussendlich noch Vierter wurde und wichtige Punkte auf dem Weg zur Titelverteidigung einfahren konnte.

Aufwachen, Ihr Bullen

Womit wir bei der Enttäuschung des Wochenendes wären. Red Bull Racing kann und wird mit den Plätzen drei (Webber) und vier (Vettel) nicht zufrieden sein, vor allem wenn man bedenkt, dass sie im Rennen erneut den Speed von McLaren und Ferrari nur bedingt mitgehen konnten. Am Nürburgring war es wieder einmal das alte Lied: Im Qualifying irre schnell, im Rennen nur die dritte Kraft. Davon abgesehen sollte man Mark Webber endlich beibringen, wie man einen vernünftigen Start absolviert. Nicht das erste Mal fiel der Australier damit auch am Nürburgring negativ auf. Sebastian Vettel zeigte beim Heimspiel ebenfalls Nerven, hatte nicht die Performance von Webber, dazu Probleme mit der Bremsbalance und baute erstmals auch Fehler wie bei seinem Dreher in Runde zehn ein. Der fantastischen Boxenarbeit seines Teams war es zu verdanken, dass der Heppenheimer schlussendlich noch Vierter wurde und wichtige Punkte auf dem Weg zur Titelverteidigung einfahren konnte. Bisher haben die Blau-Gelb-Roten Glück, dass McLaren und Ferrari sich die Punkte in aller Regelmäßigkeit selbst wegschnappen und sie selbst noch keine Ausfälle hatten. Dennoch sollten die Österreicher sich nicht mehr allzu lange auf den Lorbeeren des zweifelsohne überragenden Saisonstarts ausruhen, denn die Konkurrenz ist mittlerweile mindestens auf Augenhöhe und ohne verbesserten Rennspeed könnte Red Bull langfristig in die Röhre schauen. Wie gut für die Bullen, dass nun mit Budapest eine ihrer Domänen auf dem Plan steht. Es wird Zeit, aufzuwachen.

Formel 1 2011 Michael Schumacher Deutschland GP
Sorgenvolle Miene beim Rekordweltmeister: Michael Schumacher konnte mit der Performance seines Mercedes zum wiederholten Male nicht zufrieden sein und musste sich am Ende mit Rang acht zufrieden geben.

Mercedes ohne Anspruch

Ob es bei Mercedes GP jemals Zeit für ganz vorne wird, ist auch nach dem Heim-GP am Nürburgring mehr als fraglich. Im Qualifying zeitlich abgeschlagen, monierte Michael Schumacher einmal mehr die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit des MGP W02. Das eher untersteuernde Auto ist gar nicht nach dem Geschmack des Rekordweltmeisters und erklärt zumindest zum Teil seine erneut durchwachsene Performance mit einem rasanten Dreher in Runde 23. Dass sich Mercedes mit Rang sieben (Rosberg) und acht (Schumacher) hinter Adrian Sutil im Force India einreihen muss, wirkt fast wie eine Ohrfeige. Dabei ist der Mercedes auf der Geraden extrem schnell, Nico Rosberg spricht dennoch von einem nicht perfekten Renn-Setup. Dazu kommt laut Motorsport-Chef Norbert Haug, dass beide Fahrer für recht lange Zeit Benzin sparen mussten. So vertrösten sich die Schwaben mal wieder auf das nächste Rennen und hoffen einmal mehr, das Auto in Ungarn besser zum Laufen zu bringen. Ob das der Anspruch eines Mercedes-Werksteams sein kann, ist eine andere Frage. Die Ansprüche über die Maßen erfüllt haben hingegen Force India und im Besonderen Adrian Sutil. Mit extra Heimspiel-Kick fuhr der Gräfelfinger als starker Sechster ins Ziel und bestätigte neben einem tollen Wochenende auch die aufsteigende Form seines Teams.

Formel 1 2011 Nick Heidfeld Deutschland GP
Nick Heidfeld war der Pechvogel des Wochenendes. Nach dem knappen aus im zweiten Qualifying-Abschnitt am Samstag und Startplatz elf kollidierte der Mönchengladbacher gleich zu Rennbeginn erst mit Paul diResta und wurde schließlich in Runde zehn rüde von Sebastien Buemi im Torro Rosso von der Strecke gedrängt.

Pechvogel Heidfeld

Eine ansteigende Formkurve, davon können Renault und Nick Heidfeld nur träumen. Quick Nick war der Pechvogel des Wochenendes. Nach dem knappen aus im zweiten Qualifying-Abschnitt am Samstag und Startplatz elf kollidierte der Mönchengladbacher gleich zu Rennbeginn erst mit Paul diResta und wurde schließlich in Runde zehn rüde von Sebastien Buemi im Torro Rosso von der Strecke gedrängt. Das frühe Aus. Dabei hatte sich Heidfeld beim Heim GP mit den aerodynamischen Verbesserungen am R31 so viel ausgerechnet. Renault plant für Ungarn einige Änderungen und will nach der Sommerpause mit größeren Updates an den tollen Saisonstart anknüpfen.

Formel 1-Grand Prix Australien - Rennen: Adrian Sutil
Adrian Sutil hatte ein tolles Heimspiel-Wochenende und konnte sowohl im Qualifying als auch im Rennen mit einem hervorragenden sechsten Platz überzeugen.

Weltklasse-Racing

Trotz der – mit Ausnahme von Adrian Sutil – etwas enttäuschenden Vorstellung der deutschen Fahrer bei ihrem mythos-geschwängerten Heim-GP konnte auch das Eifel-Rennen an die action-lastigen Vorstellungen der bisherigen Saison 2011 anknüpfen. Die Zuschauer wurden mit echtem Weltklasse-Racing und zahlreichen fantastischen Überholmanövern belohnt. Hoffen wir, dass es nächstes Wochenende in Budapest genauso spannend weitergeht, vielleicht mit einem etwas besseren Ausgang für die deutschen Piloten.

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