Formel 1 2011: Das Power-Ranking

Formel 1 2011: Das Power-Ranking vor Saisonstart

Am kommenden Wochenende geht die neue Formel 1-Saison endlich los. Höchste Zeit, die Teams nach ihrer derzeitigen Stärke in die richtige Reihenfolge zu bringen. Das Power-Ranking von www.motorvision.de zeigt, wer schon am Saisonbeginn vorne dabei sein wird und wer noch Arbeit vor sich hat. ( , 23.03.2011)

Viele Fragezeichen – zumindest bis Samstag

Nur noch zwei Mal schlafen, dann heulen endlich die Motoren wieder auf. Und spätestens am kommenden Samstag, wenn die 24 Piloten in Melbourne zum ersten Qualifying antreten, wird sich das wahre aktuelle Kräfteverhältnis innerhalb des Formel 1-Feldes zeigen. Denn trotz zehntausender abgespulter Kilometer lassen die Ergebnisse der vier offiziellen Vorsaison-Tests nur bedingt Rückschlüsse auf das derzeitige Leistungsvermögen der einzelnen Teams zu. Um verlässliche Aussagen zu treffen, ist einfach zu viel Täuschen und Tarnen angesagt und spielen zu viele Unwägbarkeiten eine Rolle: Wer war wann mit wie viel Benzin unterwegs? Waren die Reifen neu oder gebraucht? Wer hat wann welches Update am Auto installiert – und kommen noch neue Teile am ersten Rennwochenende? Viele Fragezeichen, doch www.motorvision.de bringt die einzelnen Teams nach ihrer derzeitigen Perfomance in die richtige Reihenfolge – im aktuellen Power-Ranking.

Formel 1 2011: Red Bull-Renault RB7
Sauschnell auf eine Runde, schnell genug auf die Renndistanz, zuverlässig, ein starkes Fahrerduo: Red Bull-Renault (Foto: Sebastian Vettel) ist der Topfavorit für die ersten Saisonrennen.

1. Red Bull-Renault

Die Weltmeister-Truppe hat sich bei den Testfahrten oft zurückgehalten, zwischenzeitlich jedoch immer wieder mit beeindruckenden Zeiten in einzelnen Runden geglänzt. Dabei wird gemunkelt, dass die Roten Bullen noch nicht einmal alle Karten aufgedeckt haben. Auf eine Renndistanz gesehen schrumpft Red Bulls Vorsprung allerdings, da das Auto – besonders im Vergleich zu Ferrari – die neuen Pirelli-Reifen etwas zu hart rannimmt. Es ist kein gutes Zeichen, dass sich Teambesitzer und Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz nun über die neuen Reifen beklagt und sie gar als „Katastrophe“ bezeichnet hat. Dafür macht der neue RB7 einen sehr standfesten Eindruck, Kinderkrankheiten wie zu Saisonbeginn 2010 sind nicht zu erwarten. Hinzu kommt das stärkste Fahrerduo des Feldes – Red Bull ist der Topfavorit für die ersten Saisonrennen.

Formel 1 2011: Ferrari F150° Italia
Wenn es Ferrari (Foto: Fernando Alonso) versteht, die neuen Überholhilfen gut zu nutzen, sind sie in den ersten Rennen näher an Red Bull dran, als den Österreichern lieb sein dürfte.

2. Ferrari

Die Roten sind gestärkt aus der Niederlage im letztjährigen Saisonfinale hervorgegangen. Der F150° Italia hat die meisten Testkilometer aller Boliden abgespult, ging selten kaputt und geht schonend mit den Reifen um. Auf einer heißen Runde hinkt der neue Ferrari dem Red Bull hinterher, was sich in den Qualifyings negativ auswirken wird. Wenn es Ferrari versteht, die neuen Überholhilfen wie den verstellbaren Frontflügel und KERS gut zu nutzen, sind sie in den ersten Rennen näher an Red Bull dran, als den Österreichern lieb sein dürfte. Ein Manko gegenüber dem großen Konkurrenten: Das wenig homogene Fahrerduo, bestehend aus dem alles vereinnahmenden Alphatier Fernando Alonso und dem angesichts seiner klaren Nummer zwei-Rolle ernüchterten Felipe Massa.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Teams die Plätze 3 bis 5 belegen

Formel 1 2011: Mercedes GP-Petronas MGP W02
Erst lief Mercedes der Musik hinterher, dann kam ein Update und auf einmal war man vorne dabei. Mercedes GP-Petronas (Foto: Michael Schumacher) ist aktuell die dritte Kraft in der Formel 1.

3. Mercedes GP-Petronas

Nach den ersten Tests waren die Silbernen noch konsterniert, im Vergleich zum letztjährigen Auto war beim neuen MGP W02 kaum ein Fortschritt zu erkennen. Doch dann kam ein großes Update, und Mercedes war plötzlich ganz vorne dabei. Michael Schumacher hat am vorletzten Testtag sogar mit einer Bestzeit geglänzt. Allerdings sind die starken Rundenzeiten noch mit Vorsicht zu genießen, da die Silberpfeile ihre starke Performance noch nicht auf eine Renndistanz ausweiten konnten. Die Standfestigkeit ist okay, wenn auch nicht überragend. Auf der Mercedes-Habenseite steht das starke Fahrerduo: Ein durch das schwierige letzte Jahr angestachelter Michael Schumacher trifft auf einen topmotivierten Nico Rosberg. Das deutsche Fahrerduo wird sich gegenseitig zu Höchstleistungen treiben.

Formel 1 2011: Lotus-Renault R31
Der Lotus-Renault R31 (Foto: Nick Heidfeld) präsentiert sich in vielen Punkten - wie etwa der ungewöhnlichen und inzwischen mehrfach kopierten Auspuff-Lösung - innovativ konstruiert.

4. Lotus-Renault

Hätte, wäre, könnte: Der Konjunktiv hat in der Formel 1 nichts zu suchen, wäre in Sachen Lotus-Renault aber dringend angebracht. Denn hätte sich Top-Pilot Robert Kubica vor der Saison nicht so schwer verletzt, wäre es zwischen Mercedes und dem ehemaligen Renault-Team eng im Rennen um Platz drei im Power-Ranking geworden. Dass es für die Gold-Schwarzen trotz dieser widrigen Umstände souverän zu Platz vier reicht, liegt daran, dass man mit Nick Heidfeld den bestmöglichen, auf die Schnelle verfügbaren Ersatz verpflichten konnte. De facto bleibt die Truppe aber ein Ein-Fahrer-Team, da nicht davon auszugehen ist, dass Vitaly Petrov nun seine starke Leistung aus dem 2010er Saisonfinale konstant zeigen wird. Das Auto präsentiert sich in vielen Punkten - wie etwa der ungewöhnlichen und inzwischen mehrfach kopierten Auspuff-Lösung - innovativ konstruiert. Zwei Tagesbestzeiten bei den Testfahrten beweisen, dass der R31 auf eine fliegende Runde sauschnell sein kann. Auch in Longruns sieht der Bolide stabil aus, macht aber noch Sorgen bezüglich seiner Zuverlässigkeit.

Formel 1 2011: McLaren-Mercedes MP4-26
Der McLaren-Mercedes MP4-26 war in den Tests nicht besonders schnell, dafür oft kaputt und hat entsprechend wenig Kilometer abgespult. Zudem scheinen die Ingenieure das Auto nicht hundertprozentig zu verstehen.

5. McLaren-Mercedes

Wenn sich die Piloten nach den ersten Runden über ihr neues Auto beklagen, ist das meist ein schlechtes Zeichen. Genau das ist bei McLaren aber passiert. Tatsächlich lassen die Testeindrücke den Schluss zu, dass das Traditionsteam den Rückwärtsgang eingelegt hat. Der MP4-26 war nicht besonders schnell, dafür oft kaputt und hat entsprechend wenig Kilometer abgespult. Zudem scheinen die Ingenieure das Auto nicht hundertprozentig zu verstehen. Trotzdem reicht es zu Platz fünf im Power-Ranking, da das Team aus fast unerschöpflichen Ressourcen schöpfen kann, die nötige Erfahrung besitzt, wie man mit einem Tief umgeht, und viel Routine mit dem KERS-System hat. Spannend wird sein, wie sich die Fahrerhierarchie entwickelt: Die sensiblen Pirelli-Reifen könnten dafür sorgen, dass Reifenflüsterer Jenson Button am Reifen-Berserker Lewis Hamilton vorbeizieht.

Lesen Sie auf Seite 3, welche Teams die Plätze 6 bis 8 belegen

Formel 1 2011: Sauber-Ferrari C30
Der neue Sauber-Ferrari C30 (Foto: Kamui Kobayashi) ist eher konservativ konstruiert, aber auf Anhieb sowohl auf eine Runde als auch auf die Renndistanz schnell.

6. Sauber-Ferrari

Die Schweizer Truppe scheint bereit, nur ein Jahr nach der Rückkehr das Beste der kleinen Privatteams zu werden. Der neue C30 ist eher konservativ konstruiert, aber auf Anhieb sowohl auf eine Runde als auch auf die Renndistanz schnell. Die Zuverlässigkeit ist noch ein Problem, allerdings geht es hier in erster Linie um Defekte im Antrieb und rund um das KERS-System. Da Sauber hier auf die gleichen Komponenten wie Lieferant Ferrari vertraut, sollte die Standfestigkeit bald stimmen. Mehr Sorgen macht die Fahrerpaarung: Kamui Kobayashi ist verflucht schnell, hat Rennintelligenz und ist zweikampfstark. Doch hat er nach nur 21 Formel 1-Rennen schon das Zeug zur Nummer eins? Sergio Perez muss den Beweis antreten, dass er mehr ist als ein reiner Bezahlfahrer. Hinter dem Talent des Mexikaners steht jedenfalls ein Fragezeichen.

Formel 1 2011: Williams-Cosworth FW33
Williams ist zu Saisonbeginn eine Wundertüte. Bei Rundenzeiten und in den Dauerläufen ging es auf und ab, ein Update mitten in der Testphase hat den Charakter des neuen FW33 (Foto: Rubens Barrichello) grundlegend geändert.

7. Williams-Cosworth

Das Williams-Team ist zu Saisonbeginn eine Wundertüte. Bei Rundenzeiten und in den Dauerläufen ging es auf und ab, ein Update mitten in der Testphase scheint den Charakter des neuen FW33 grundlegend geändert zu haben. Für Melbourne haben die Briten jedoch bereits einige neue Teile angekündigt, die das Auto nochmals schneller machen sollten. Probleme hat Williams ausgerechnet mit seinem Steckenpferd, dem KERS-System. Die hauseigene Hybridtechnik hat zu oft gezickt und ist deshalb am Ende der Testfahrten selten zum Einsatz gekommen. Fraglich, ob es das Team in Melbourne überhaupt einsetzt. Auf Fahrerseite muss man sich gerade zu Saisonbeginn auf Rubens Barrichello verlassen: Sie wissen einfach, was sie am erfahrenen Brasilianer haben. Pastor Maldonado ist dagegen genau so eine Wundertüte wie sein Team. Reiner Pay Driver oder talentierter Nachwuchspilot – diese Frage lässt sich jetzt noch nicht beantworten.

Formel 1 2011: Toro Rosso-Ferrari STR6
Toro Rosso-Ferrari kann es mit dem STR6 auf Sauber- und Williams-Niveau schaffen. Dazu müssen die beiden jungen Piloten (Foto: Sébastien Buemi) allerdings das Potenzial des Autos zu nutzen wissen.

8. Toro Rosso-Ferrari

Hier gilt das genaue Gegenteil wie bei McLaren: Die Toro Rosso-Piloten sind begeistert von ihrem neuen Dienstwagen. Allerdings sind diese Einschätzungen mit Vorsicht zu genießen, schließlich sind Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari überschaubar erfahren und bisher nur die mäßigen Toro Rosso-Vorgängermodelle gewöhnt. Der STR6 ist ein ausgewogenes Auto, in allen Disziplinen gut und überdurchschnittlich zuverlässig. Wenn die beiden jungen Piloten in der Lage sind, das Potenzial des Autos umzusetzen, sollte es nach oben gehen.Toro Rosso kann es auf Sauber- und Williams-Niveau schaffen.

Lesen Sie auf Seite 4, welche Teams die Plätze 9 bis 11 belegen

Formel 1 2011: Force India VJM04
Der Force India-Mercedes VJM04 (Foto: Adrian Sutil) weist einige gravierende konstruktive Mängel auf. Entsprechend schwach sind die Rundenzeiten, die indisch-britische Truppe zierte in den Tests meist das Ende des Mittelfeldes.

9. Force India-Mercedes

Der Trend ist nicht Force Indias Friend, denn er zeigt seit Mitte der vergangenen Saison stark nach unten. Hauptgrund dafür ist der Abgang des ehemaligen Cheftechnikers James Key zum direkten Konkurrenten Sauber-Ferrari, der sich seitdem – welch Zufall – im Aufwind befindet. Force India hat Keys Abgang bis heute nicht verkraftet, weshalb der VJM04 mit einigen gravierenden konstruktiven Mängeln aufwartet. Entsprechend schwach sind die Rundenzeiten, die indisch-britische Truppe zierte in den Tests meist das Ende des Mittelfeldes. Einzig die gute Zuverlässigkeit und das starke Fahrerduo – Adrian Sutil hat sich zum Topfahrer entwickelt, Paul di Resta ist viel besser als der von ihm abgelöste Vitantonio Liuzzi – werden dafür sorgen, dass das Team Lotus zu Saisonbeginn nicht vorbeizieht.

Formel 1 2011: Team Lotus-Renault T128
Die Ingenieure um Technik-Direktor Mike Gascoyne haben die Schwächen des Vorgängerautos konsequent ausgemerzt, der neue Team Lotus-Renault T128 (Foto: Jarno Trulli) wirkt homogen.

10. Team Lotus-Renault

Team Lotus war schon 2010 das stabilste der neuen Teams. Diesen Eindruck können die Grünen jetzt bestätigen. Mehr noch: Die erfahrenen ehemaligen Toyota-Ingenieure um Technik-Direktor Mike Gascoyne haben die Schwächen des Vorgängerautos konsequent ausgemerzt, der neue T128 wirkt sehr homogen. Jedenfalls so homogen, wie das Auto eines Teams sein kann, das gerade in seine zweite Saison geht. Nur die Zuverlässigkeit, eines der größten Sorgenkinder der letzten Saison, macht noch Probleme. Der Bolide stand gerade bei den ersten Tests doch allzu oft wegen Reparaturen in der Garage. Das Fahrerduo JarnoTrulli / Heikki Kovalainen ist sicher besser, als nur um Platz 20 herumzufahren. Dass es (noch) nicht für mehr reicht, liegt auch am fehlenden KERS-System.

Formel 1 2011: Marussia-Virgin-Cosworth MVR-02
Timo Glock (Foto) hatte sich einen größeren Entwicklungssprung erhofft. Laut dem deutschen Nummer Eins-Piloten hinkt Marussia-Virgin-Cosworth mit dem neuen MVR-02 den eigenen Ansprüchen hinterher.

11. Marussia-Virgin-Cosworth

Timo Glock hatte sich einen größeren Entwicklungssprung erhofft. Laut dem deutschen Nummer Eins-Piloten hinkt das Team mit dem neuen MVR-02 den eigenen Ansprüchen jetzt schon hinterher. Damit bewahrheitet sich zum zweiten Mal, dass Windkanaltests in der Formel 1 unabdingbar sind, auch wenn Technikdirektor Nick Wirth das anders sieht. Team Lotus ist enteilt, der Anschluss ans Mittelfeld trotz guter Zuverlässigkeit reine Utopie. Platz elf in der Konstrukteurs-WM scheint manifestiert, wenigstens Hispania Racing sollten die Briten locker im Griff haben. Das liegt auch am Fahrer-Duo: Timo Glocks fahrerische und kämpferische Qualitäten sind bekannt und geschätzt, Jerome d´Ambrosio bringt neben geschätzten fünf Millionen Euro Sponsorengeldern auch noch etwas Talent mit.

Lesen Sie auf Seite 5, welches Team den letzten Platz belegt

Formel 1 2011: HRT F1-Cosworth F111
Der neue HRT F1-Cosworth F111 wurde spät fertig und sollte zumindest beim letzten Barcelona-Test Anfang März fahren. Daraus wurde aus verschiedenen Gründen jedoch nichts.

12. HRT F1-Cosworth

Kann man ein Team einschätzen, das mit seinem neuen Auto in der Vorbereitung auf die neue Saison nicht einen Meter gefahren ist? Ja, man kann! Einen anderen Schluss, als dass sich Hispania Racing in den ersten Rennen am Ende des Feldes wiederfinden wird, lässt der Zustand der spanischen Mannschaft jedenfalls nicht zu. Der neue HRT F111 wurde spät fertig und sollte zumindest beim letzten Barcelona-Test Anfang März fahren. Daraus wurde jedoch nichts, denn erst hatte man Zollprobleme beim Transport und dann große technische Sorgen, als alle Teile an der Strecke waren. Auch die Fahrerpaarung spricht gegen einen Aufwärtstrend: Vitantonio Liuzzi ist zwar besser als jeder der vier Piloten, die 2010 für HRT F1 gefahren sind, aber nur unterer Formel 1-Durchschnitt, wie gerade die vergangene Saison gezeigt hat. Zu Narain Karthikeyans Qualitäten muss man nur so viel wissen: Er bringt Hispanias einzigen Sponsor, den Tata-Konzern, und damit einige Millionen mit und ist in der vergangenen Saison in der NASCAR-Truck-Serie gefahren.

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