Formel 1 2011: Brasilien GP

Formel 1 2011 Brasilien GP – Analyse: Zirkus Maximus

Sao Paulo – Es ist viel passiert beim Großen Preis von Brasilien und natürlich hat sich die ganze Saison 2011 über einiges in der Formel 1 getan. Unser Rückblick auf den Großen Preis von Brasilien und ein Ausblick auf die kommende Saison. ( , 28.11.2011)

Schnelle Bullen trotz fauler Zahnräder

Die Formel 1-Saison 2011 ist gelaufen und was wurde nicht alles im Vor- und Mittelfeld diskutiert über KERS, DRS, Zwischengas-Verbot, Diffusoren, flatternde Frontflügel und nicht zuletzt die Pirelli-Reifen. Am Ende haben alle Reglement-Änderungen, Beschwerden und Verbote die Red Bull-Dominanz nicht brechen können, aber ohne Zweifel sind die Top Teams näher zusammengerückt als je zuvor – und das lässt stark hoffen auf eine noch spannendere Saison 2012.

Formel 1 2011
Beim Start lief noch alles reibungslos bei beiden roten Bullen.

Das Red Bull Racing-Team durfte in Brasilien noch einmal einen Doppelsieg feiern, wenn auch in ungewohnter Reihenfolge. Nach perfektem Start – sowohl von Vettel als auch von Webber – traten am Auto des Weltmeisters schon im ersten Drittel des Rennens Probleme auf: zuerst warfen die Hinterreifen Blasen, dann zickte das Getriebe des sonst so zuverlässigen Weltmeister-Boliden. Vettel konnte den zweiten und dritten Gang nicht mehr voll ausdrehen und büßte Sekunde um Sekunde ein: "Wir mussten mehr und mehr abgeben und ich ließ Mark dann vorbei, um ihm die besten Chancen zu geben, den Sieg nach Hause zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir natürlich nicht, wie sich das Rennen entfaltet. Wir mussten weiter zurückschalten und eher hochschalten.“

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Am Ende hatte er doch noch Grund zur Freude: Mark Webber feiert im letzten Rennen seinen ersten Saisonsieg.

Damit ermöglichte Vettel seinem australischen Kollegen den ersten Saison-Sieg und einen versöhnlichen Abschluss einer unglücklichen Saison, in der der Australier in schöner Regelmäßigkeit nur die zweite Geige spielen durfte. Vettel dagegen bewies dadurch, dass er trotz der ernstzunehmenden technischen Probleme weiterhin gute Zeiten und am Ende den zweiten Platz souverän nach Hause fuhr, der Motorsport-Welt noch einmal seine ganze Klasse. Dementsprechend zufrieden und zuversichtlich im Hinblick auf die kommende Saison zeigte sich auch Motorsport-Chef Helmut Marko: "Der Speed unserer Autos war unglaublich. Ich denke, wir können zufrieden sein, denn da war schon einiges im Einsatz, was wir auch 2012 einsetzen werden."

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Vize-Weltmeister dank konstant guter Leistungen über die gesamte Saison: Jenson Button.

Rule Britannia

Bei McLaren-Mercedes durfte nur einer jubeln. Nämlich Jenson Button, der mit einer gewohnt souveränen Leistung aufs Treppchen fuhr und sich den Titel des Vize-Weltmeisters sicherte. Dabei musste er im ersten Renndrittel Fernando Alonso ziehen lassen, als beide noch auf der weichen Reifenmischung unterwegs waren. Zwei Stints später drehte der Brite aber den Spieß um: mit wesentlich besserer Balance dank der härteren Pirellis ließ er Alonsos Ferrari keine Chance und versuchte sich auch noch an einer Aufholjagd auf Vettel. Den erreichte er zwar nicht, aber für Button war das Saisonfinale insgesamt gesehen trotzdem ein Erfolg: „Wir haben alles gegeben und ein Podiumsplatz ist ein toller Abschluss für diese Saison. Wir können aus diesem Jahr viel Positives mitnehmen, werden den Winter über hart arbeiten und im nächsten Jahr von Beginn an kämpfen. Wir wollen es Red Bull im Jahr 2012 richtig schwer machen.“

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Lewis Hamilton hatte nach seinem Ausfall mit Getriebeschaden wenig Grund zur Freude, blickt aber kämpferisch nach vorne. Nächstes Jahr dann hoffentlich genau so beherrscht und fokussiert wie in den letzten beiden Saisonrennen.

Weniger versöhnlich ging die Saison für Lewis Hamilton zu Ende, der nach 47 Runden mit einem Getriebeschaden ausrollte – während er gerade dabei war, sich mit Massa ein Duell um den fünften Platz zu liefern. Vielleicht war es aber auch besser für die Gemütslage beider Piloten, dass dieses Duell durch einen Technik-Defekt vorzeitig beendet wurde, denn das ließ den beiden Ex-Streithähnen die Möglichkeit, sich nach dem Rennen in die Arme zu fallen und das Kriegsbeil ein für allemal zu begraben. Aber Hamilton wäre nicht Hamilton, wenn er nicht gleich danach eine Kampfansage fürs nächste Jahr ausgegeben hätte: „Nächstes Jahr werde ich angreifen! 2012 wird mein Jahr!“

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Felipe Massa beim Show-Off für die Fans in der Heimat. Mehr als heißen Rauch hatte er leider auch bei seinem Heimspiel nicht zu bieten.

Der verletzteStolz der Südländer

Für Ferrari verlief das Saisonjahr 2011 alles andere als befriedigend, mit dem dritten Platz in der Teamwertung und Rang vier (Alonso) und sechs (Massa) in der Fahrerwertung blieb man weiter hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Insbesondere Felipe Massa muss sich Kritik an seiner Leistung gefallen lassen. So „glänzte“ er schon in den Trainings- und Qualifying-Sessions in Interlagos durch etwaige Fahrfehler und Verbremser. Nachdem er vor dem Rennen noch davon gesprochen hatte, seine beste Saisonleistung abliefern zu wollen, kam am Ende nur heiße Luft bei seinem Auftritt heraus – und ein unbefriedigender fünfter Platz. Zugegeben, die Ferrari-Boliden hatten dieses Jahr sehr mit den neuen Pirellis zu kämpfen, insbesondere auf den härteren Mischungen hatten sie gegen die McLaren und Red Bulls nicht den Hauch einer Chance, aber Teamkollege Alonso fuhr dem Brasilianer trotzdem regelmäßig auf und davon. Das einzige, was Massa am Ende noch zu tun blieb, waren einige Ehren-Donuts für sein Heimpublikum zu zeigen.

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Mit dem Wechsel auf die härteren Pirellis begann der Ferrari von Alonso abzubauen - so hatte er keine Chance gegen Button.

Fernando Alonso dagegen zeigte wie immer eine gute Leistung, doch sein Auto ließ am Ende nicht mehr als den vierten Rang zu: “Wir brauchen ein Auto, das fünf oder sechs Zehntel schneller ist. Das zu erreichen wird alles andere als leicht, aber ich habe großes Vertrauen in unsere Ingenieure und das Team, dass die letzten Dekaden in der Formel 1 dominiert hat und jeden erdenklichen Rekord im Motorsport hält. Außerdem habe ich dieses Jahr zehn Mal das Podium erreicht und insgesamt mehr Punkte eingefahren als letztes Jahr. In der Fahrerwertung nur Platz drei erreicht zu haben, ist für mich kein großes Problem, schließlich ist der WM-Titel das einzige, was zählt.“

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Michael Schumacher musste nach einem Fehler von Senna das Feld von hinten aufräumen, allerdings kam er dabei nicht über Platz 15 hinaus.

Der weite Weg zu den Sternen am Himmel

Bei Mercedes GP lief es ebenfalls alles andere als gut beim Rennen auf dem Autodromo José Carlos Pacé. Schon in Runde 10 war für den Veteran aller Veteranen – Michael Schumacher – das Rennen quasi gelaufen. Bruno Senna hatte ihm durch eine Unachtsamkeit den Hinterreifen aufgeschlitzt, was für Schumi erst einmal den Absturz auf den letzten Platz zur Folge hatte. Zwar konnte er sich am Ende noch auf Platz 15 vorkämpfen, aber ein versöhnlicher Saison-Abschluss sieht anders aus. Dass die Schuld am Unfall allein bei Senna lag, sah nicht jeder Beobachter des Rennens so, nicht umsonst wollte Steward Alexander Wurz – seines Zeichens österreichischer Schumi-Kritiker Nummer Eins – seine persönliche Einschätzung zu dem Vorfall nicht preisgeben. Schumi selbst nahm´s locker: "Der Unfall mit Bruno Senna war schade, aber so etwas passiert manchmal - vielleicht lag es an seiner mangelnden Erfahrung.Ohne diesen Zwischenfall hätten wir ein schönes Rennen fahren und eine solide Punkteankunft erzielen können. Aber nach der Kollision konnte ich nur so hart wie möglich kämpfen und auf Regen hoffen - der blieb allerdings aus.“

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Auch Nico hatte mit seinem Mercedes zu kämpfen - am Ende war nur Platz sieben drin.

Nico Rosberg kam als Siebter ins Ziel und zeigte sich zufrieden, doch dass er beim Duell mit Adrian Sutil im Force India den Kürzeren zog, dürfte ihn trotzdem gewurmt haben. Allerdings hinterließen beide Mercedes GP-Boliden einen eher mäßigen Performance-Eindruck beim Großen Preis von Brasilien. Schumis Mercedes war nach dem Unfall mit Senna zwar etwas lädiert und deshalb nicht mehr in Top-Form, doch auch bei Rosberg schien nicht alles glatt zu laufen, was dann auch Motorsport-Chef Ross Brawn noch einmal bestätigte: "Nico hatte heute keine gute Fahrzeugbalance, kämpfte mit Übersteuern und musste sehr genau auf seine Reifen achten", so Teamchef Ross Brawn. "Er hatte einen hohen Reifenabbau und erlebte deshalb einen schwierigen Nachmittag, an dem er versuchte, mit sehr empfindlichen Reifen die richtige Balance zu finden."
In jedem Fall liegt eine Menge Arbeit vor dem Mercedes GP-Team, wenn sie ihr Ziel, um den Sieg mitfahren zu können, schon 2012 realisieren möchten.

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Gleich kracht´s: Bruno Senna hat sich durch seine unbedachte Aktion inklusive Durchfahrtsstrafe nicht gerade für das nächste Jahr empfohlen.

Gescheitert und doch unvergessen

Bei Renault konnte man froh sein, dass man über die Saison – übrigens auch dank Nick Heidfeld, das sollte man an dieser Stelle noch einmal betonen – schon genügend Punkte gesammelt hatte, um sich Platz fünf in der Teamwertung zu sichern, denn am Ende kam das Force India Team noch bis auf fünf Punkte an Renault heran.Verantwortlich hierfür war vor allem die Unbedachtheit, die Bruno Senna eine Durchfahrtsstrafe bescherte und in der Folge jede Punkte-Hoffnung für den brasilianischen Legenden-Neffen zunichte machte– nicht umsonst ist seine Zukunft in der Königsklasse des Motorsports höchst ungewiss. Wenigstens konnte Vitali Petrov noch ein Ehren-Pünktchen retten.

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Adrian Sutil dagegen zeigte eine bärenstarke Leistung und konnte scheinbar mühelos seinen sechsten Platz gegen Rosberg im Mercedes verteidigen. Besser kann man sich sich selbst wohl nicht in Szene setzen im Kampf um ein F1-Cockpit.

Bei Force India dagegen herrschte nach dem Finale in Sao Paulo Aufbruch-Stimmung. Paul di Resta kam auf einem guten achten Platz ins Ziel und brachte seine Debüt-Saison in der Formel 1 zu einem überzeugenden Ende. Adrian Sutil dagegen überzeugte mit absoluten Top-Leistungen und zwar über das gesamte Wochenende. Besonders hervorzuheben ist dabei sein Duell mit Nico Rosberg im Mercedes um Platz sechs, das der Force India-Pilot überzeugend für sich entscheiden konnte. Bekanntlich wird in der nächsten Saison ja Test-Pilot Nico Hülkenberg eines der Force India-Cockpits besetzen, während Sutils Zukunft immer noch ungewiss ist. Doch bei der Leistung, die Sutil im wohlgemerkt nur mittelmäßigen Force India-Boliden – nicht nur in Brasilien – gezeigt hat, wäre er ein herber Verlust für das indische Team. Selbst der Vorschlag der sonst gerne mal abschweifenden RTL-Experten, Adrian Sutil doch gegen Felipe Massa auszutauschen, scheint bei näherer Betrachtung überhaupt nicht abwegig.

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Kamui Kobayashi sicherte Sauber den siebten Rang unter den Konstrukteuren, indem er von Startplatz 16 auf Rang neun ins Ziel fuhr. Nach vielen unglücklichen Auftritten des Japaners in der zweiten Saisonhälfte zeigte er damit endlich mal wieder sein wahres Potential.

Der einzige noch wirklich spannende Zweikampf spielte sich im unteren Mittelfeld ab und hieß Sauber gegen Toro Rosso. Und eigentlich hatte sich das Sauber-Team durch das schlechte Abschneiden beider Piloten im Qualifying – Platz 16 für Kobayashi, Platz 17 für Perez – in eine ziemlich ungünstige Ausgangslage gebracht. Am Ende aber war es Kamui Kobayashi, der mit Platz neun beim GP in Interlagos seinem Team den siebten Platz in der Konstrukteurswertungwertung sicherte. Gerade die schwierige zweite Saisonhälfte, die die beiden Sauber-Piloten 2011 erlebten, kam hierdurch doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss. Insbesondere Kobayashi, der sich wochenlang in einem Formtief zu befinden schien, konnte durch dieses kleine Erfolgserlebnis noch einmal positive Energie tanken für den Kampf in der nächsten Saison. Auch wenn der sich wohl wieder nur im unteren Mittelfeld abspielen wird.

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Wenn der Boxenstopp zum Verhängnis wird: Timo Glock hatte allen Grund, nach seinem unnötigen Aus seinem Unmut über diese Schlamperei im Virgin-Team Luft zu machen. Noch dazu muss das Team eine Geldstrafe von 5.000 Euro berappen.

Timo und das Rad

Und dann gab es da ja noch Timo Glock. Es ist ja nichts Neues für den Deutschen in Diensten von Marussia-Virgin, regelmäßig früh Feierabend zu haben, egal ob nun im Qualifying oder Rennen.Aber durch einen so derben Patzer eines Mechanikers auszuscheiden, brachte selbst den sonst so besonnenen Odenwälder gehörig auf die Palme. So sparte er im Anschluss an sein Ausscheiden auch vor den TV-Kameras nicht mit öffentlicher Kritik an seinem Team. Das wurde im Übrigen von den Stewards noch zusätzlich bestraft: 5.000 Euro Strafe müssen die Bosse aus der Teamkasse kratzen, um den „Unsafe Release“ wieder gut zu machen. Alles andere als ein schönes Ende also für den ewig unterschätzten Timo Glock und sein Team. Vielleicht täte auch ihm ein „Tapetenwechsel“ ganz gut.

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Verdienter Schluck zum Abschied: der Doppelweltmeister feierte einen versöhnlichen Saison-Abschluß - auch ohne einen letzten Sieg.

Aus deutscher Sicht war die Saison 2011 natürlich ein voller Erfolg: Vettel holt sich den zweiten WM-Titel in Folge und bricht sowohl Mansells Pole- als auch Schumis Führungsrunden-Rekord.Zusammen mit dem Weltmeister sind mit Nico Rosberg, Michael Schumacher und Adrian Sutil in der Saison 2011 vier deutsche Fahrer unter den Top Ten der Fahrer-Wertung. Und nächstes Jahr könnte vielleicht ein weiterer in Person von Nico Hülkenberg dazu stoßen – beste Aussichten also für den deutschen Motorsport. Ob es denn im Jahr 2012 für McLaren, Ferrari und eventuell sogar Mercedes GP endlich reichen wird, zu Red Bull aufzuschließen, bleibt abzuwarten. Wünschenswert wäre es – der Spannung zuliebe – auf jeden Fall. Und mit diesem frommen Wunsch verabschiedet sich auch Motorvision.de von der aktuellen F1-Berichterstattung für das Jahr 2011 von der Königsklasse des Rennsports – wir freuen uns aufs nächste Jahr und werden die Saison 2012 demnächst wie gewohnt mit unserem mehrteiligen Saison-Rückblick einläuten!

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