„Schwamm drüber“ bei Red Bull
Hinterher weiß man gar nicht so recht, über was mehr gesprochen wurde nach dem Grand Prix von Abu Dhabi. Über den souveränen Sieg des zuletzt so arg gebeutelten Lewis Hamilton oder über den Erstrundenausfall von Weltmeister Sebastian Vettel, der besagten Triumph erst ermöglichte? Klar ist, dass Hamilton es äußerst schwer gehabt hätte, wäre dem Heppenheimer Champion nach perfektem Start nicht bereits in der zweiten Kurve der rechte Hinterreifen geplatzt. Bei Red Bull rätselt man nach wie vor, woran das Malheur festzumachen ist. Ein Fahrfehler Vettels – etwa das zu unsensible Bügeln über die Curbs – oder doch eine Materialschwäche bei den weichen Pirellis? Fleißige Analysen werden noch folgen, auch wenn das unglückselige Missgeschick auf die nahezu perfekte Saison 2011 freilich nicht die geringsten Auswirkungen hat. Und so sieht Vettel den Ausfall auch nicht allzu dramatisch. "Es gibt nicht viel, worüber wir uns ärgern können. Bis zum platten Reifen haben wir alles richtig gemacht. Jetzt gilt es herauszufinden, warum das passiert ist und dann Schwamm drüber." Schwamm drüber - das gilt auch für die Drei-Stopp-Strategie von Mark Webber. Der Australier in Red Bull-Diensten (übrigens als einziger Pilot drei Mal an der Box) wollte möglichst lange auf den weichen Pneus unterwegs sein, um in seinem dritten Stint richtig zur Attacke auf Jenson Button und das Podium zu blasen. Letztlich konnte er den Briten zwar überholen, einen ausreichenden Vorsprung fuhr er aber nicht heraus und der Pflicht-Stopp für die harten Pirellis in der letzten Runde kostete Webber Rang drei. Hoch gepokert und verloren – 2011 ist einfach nicht die Saison des Mark Webber. Kleine Notiz am Rande: Sebastian Vettel machte sich nach seinem frühen Aus nicht etwa aus dem Staub, sondern agierte vom Kommandostand an der Boxenmauer aus als unverhoffter Strategie-Praktikant von Christian Horner. So macht man dem Teamchef Freude, auch nach einem völlig verkorksten Rennen. Sauber, Seb!
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- Starkes Rennen, glorreiche Gesichtsbehaarung: Trotz KERS-Problemen wurde Jenson Button in Abu Dhabi dritter. Ob sein neuer Schnauzer ihm Glück brachte?
McLaren einfach gut
Leichter Frust bei Red Bull, Erleichterung und Glücksgefühle bei McLaren. Für die Truppe aus Woking war es ein von Beginn an stimmiges und schließlich mit den Rängen eins und drei auch ein sehr erfolgreiches Wüsten-Wochenende. Lewis Hamilton ließ seinen seit Juli angestauten Liebes-, Crash- und Sieglos-Frust endlich hinter sich und brachte ein sehr kontrolliert und überzeugend gefahrenes Rennen nahezu ungefährdet nach Hause. Den Grund für Hamiltons tolle Performance hat McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh schnell ausgemacht: "Wenn man sich seine Körpersprache anschaut, dann ist er jetzt so fröhlich wie seit Monaten nicht mehr. Lächeln ist eine gute Therapie - und er lächelt wieder!" Bei so viel neugewonnenem Seelenfrieden konnte ja quasi gar nichts schiefgehen. Als wesentlich schwieriger stellte sich der Ritt auf dem Yas Marina Circuit allerdings für Jenson Button heraus. Etwa ab Runde 13 hatte der Neu-Schnauzbart-Träger nämlich kein KERS mehr zur Verfügung und musste sich ohne Beschleunigungs-Booster den wütenden Angriffen Mark Webbers und Felipe Massas erwehren. Ab dem zweiten Stint ging es dann wieder, allerdings nur unzuverlässig und immer mal wieder für etwa zwei Runden. Da KERS nicht nur zusätzlichen Antritt bringt, sondern auch stark auf die Motorbremse einwirkt, waren Buttons Bremspunkte somit die reinste Lotterie. Umso stärker ist sein dritter Platz in Abu Dhabi daher einzuschätzen. McLaren performed derzeit in der Tat prächtig und lässt uns, nicht nur was den Auftritt in den Emiraten angeht, auf eine spannende Saison 2012 hoffen.
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- Es geht doch noch: Fernando Alonso bugsierte seinen Ferrari nach starkem Start und tollem Rennen auf Platz zwei.
Licht und Schatten bei der Scuderia
Eine spannungsgeladenere und vor allem erfolgreichere nächste Saison wünscht sich auch Ferrari und die Scuderia hat nach dem gestrigen Rennen wieder allen Grund dazu. Fernando Alonso machte in einer fantastischen ersten Runde drei Plätze gut, hatte absolut die Pace von McLaren und fuhr souverän auf den zweiten Platz. Ein kurzer Poker beim zweiten Stopp – Alonso blieb drei Runden länger draußen als Hamilton, wurde aber in der Boxeneinfahrt von einem HRT aufgehalten – verpuffte, dennoch war Alonso mit dem Wochenende hochzufrieden. Das gilt für seinen Teamkollegen Felipe Massa nur bedingt. Der Brasilianer haderte damit, dass er nicht den gleichen Frontflügel fahren konnte wie sein Teamkollege und aufgrund dessen auch nicht dessen Speed hatte. Beide neuen Flügel, die Massa am Freitag ausprobiert hatte, schüttelten zu stark. Außerdem gab es wie so oft Probleme mit den harten Reifen. „Dieser Reifen funktionierte nicht“, sagte der 30-jährige nach dem Rennen. Dieser Umstand, in Verbindung mit dem ständigen Druck, den der Brasilianer machte, um vielleicht doch noch an Mark Webber ranzukommen, führte in Runde 49 zum Verbremser und einem Dreher. Immerhin reichte es noch für Rang fünf. Massa hofft nun, für Brasilien endlich die besten Teile an seinen roten Renner zu bekommen, um beim Heim-GP in Interlagos sein Potenzial voll ausschöpfen zu können.
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- Platz sechs in der Teamwertung wohl gesichert: Force India fuhr wieder mit beiden Fahrern (Adrian Sutil, Paul di Resta) in die Punkte und konnte den Vorsprung auf die direkten Konkurrenten Williams und Torro Rosso weiter ausbauen.
Heißes Duell bei Mercedes, Entscheidung um Platz sechs
Ihr Potenzial voll ausgeschöpft haben in Abu Dhabi die beiden Silberpfeil-Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher. Richtig schön war das für die deutschen Fans trotzdem nicht, denn ein sehr gutes Rennen bedeutet bei Mercedes im Moment eben Platz sechs und sieben. Lediglich in der ersten Rennrunde war Pfeffer drin bei Haugs Schützlingen, als sich der Rekordweltmeister und sein junger Teamkollege mit einer Schärfe duellierten, als ginge es um den WM-Titel. Rosberg haderte hinterher mit zu viel Untersteuern bei der härteren Reifenmischung, Schumacher betonte, das ganze Wochenende keine perfekte Balance am Auto gefunden zu haben. Ob wir nächstes Jahr endlich einen konkurrenzfähigen Mercedes-Renner zu Gesicht bekommen, bleibt also weiterhin fraglich. Beantwortet dürfte hingegen die Frage nach Platz sechs in der Teamwertung sein. Trotz einer neuerlich enttäuschenden Nullrunde sollten die Renault-Schützlinge um Witali Petrow und Bruno Senna ihrem Team auf dem Yas Marina Circuit den fünften Rang in der Konstrukteurswertung gesichert haben. Platz sechs geht wohl an Force India, die mit Adrian Sutil (Platz acht) und Paul di Resta (Platz neun) in Abu Dhabi sechs Punkte holten und die Konkurrenz um Williams und Torro Rosso einmal mehr klar deklassieren konnten. Was all das für den letzten Grand Prix der 2011er Saison in Brasilien bedeutet? Ein munteres Schaulaufen als Einstimmung auf eine hoffentlich brisantere Formel 1-Runde 2012. Wir sind in zwei Wochen freilich trotzdem wieder vom 1. Freien Training bis zur Analyse für Euch aus Sao Paulo dabei. Bis dahin.

