Formel 1 2010: Deutschland

Formel 1 2010 Deutschland – Rennen: Hockenheim

Der heiss erwartete deutsche Sieg beim Heim-Grand Prix bleibt aus. Der Ferrari-Erfolg wird von der durch die FIA verbotenen Teamorder überschattet. ( , 25.07.2010)

Vettel verliert den Start, wieder

Der Regentanz zu dem Michael Schumacher noch nach dem Qualifying seine Fans aufgefordert hat, scheint nicht gewirkt zu haben. Das erste Mal seit Donnerstag ist es im Hardtwald völlig trocken. Die Temperatur beträgt optimale 21° Celsius, auf der Strecke herrschen 33°C. Die meisten Teams haben bereits eine weichere Reifenmischung aufgezogen. Wie in Silverstone startet Vettel schlecht als die roten Ampeln ausgehen. Er achtet nur auf Alonso und so zieht Massa auf der anderen Seite an ihm vorbei. In der ersten Kurve muss er dann auch Alonso vorbei lassen. Hinter Vettel folgen Webber, Hamilton und Button. Michael Schumacher spielt beim Start seine Erfahrung aus. Er macht drei Plätze gut und geht nun auf Platz acht in die erste Runde.

Ferrari Alonso
Fernando Alonso beschwert sich über Funk bei seinem Team und verlangt, dass sein Teamkollege Massa ihn vorbei läßt

Ferrari-Duo in Führung

Massa führt vor Alonso. Der Spanier fährt die schnellsten Rundenzeiten. Der Drittplatzierte Vettel kannzunächst mit den Rundenzeiten der beiden Ferrari-Piloten mithalten. Taktisch klug kommt Vettel in der 13. Runde an die Box. Das Red Bull-Team zieht ihm die harte Reifenmischung auf. In Runde 15 fährt der Führende Massa an die Box, gefolgt von Hamilton. Vettel macht unterdessen Druck und fährt eine neue Bestzeit. Neuer Führender ist der smarte Brite Jenson Button, der offensichtlich eine andere Strategie als sein Teamkollege Hamilton verfolgt. Dieser fährt vor dem Boxenstopp dieselben Rundenzeiten wie alle anderen der Top Five, die schon gewechselt haben.

Duell der Roten

In Runde 21 liefern sich die beiden Ferrari-Piloten ein spannendes Duell. Alonso beschwert sich über Massa per Funk „This is rediculous!“ und erwartet, dass Massa ihm als ehemaligem Weltmeister Platz macht. Dieser denkt aber gar nicht daran. Vom Team darf keine Stallorder kommen. Im Gegenteil! Das Team motiviert ihn sich zu konzentrieren und weiterhin alles zu geben. Seit diesem Rennen läuft der komplette Funkverkehr zwischen Team und Fahrer bei Renndirektor und Regisseur auf. Bis zum Hockenheim GP war die Auswahl des auszustrahlenden Funkverkehrs stark limitiert. Jetzt darf prinzipiell alles ausgestrahlt werden.

Hamilton, Button
Jenson Button wird hinter Lewis Hamilton fünfter

In Runde 23 kommt der Boxenstopp von Jenson Button. Er kommt vor Mark Webber wieder auf die Strecke und macht mit der Strategie,erst später zu wechseln,eine Position gut. Die Rangliste heißt in Runde 26: Massa vor Alonso, Vettel ist dritter, gefolgt von den McLaren-Piloten Hamilton und Button. Der Australier Webber ist sechster. Er holt gut auf Button auf, aber auf den Geraden zieht der McLaren immer wieder davon. Alonso verliert auf den langen Geraden in Sektor zwei pro Runde jeweils eine halbe Sekunde.In Runde 31 zeichnet sich ab, dass Sebastian Vettel kontinuierlich Zeit auf die beiden Ferrari-Piloten verliert. Nach Halbzeit fehlen ihm 4,9 Sekunden auf den Zweiten Alonso. Massa und Alonso fahren währenddessen abwechselnd die schnellsten Rundenzeiten.

Ferrari
In Hockenheim meldet sich Ferrari eindrucksvoll zurück

Teamorder bei Ferrari

In Runde 49 gibt das Ferrari-Team sehr plump an Massa per Funk durch „Fernando is faster than you. Can you confirm that message?“ Diese Ansage erinnert an kodierte Geheimdienst-Nachrichten. Allerdings verfährt Ferrari so offensichtlich, dass selbst Rennsportunkundige hier die Teamorder erkennen. Kurz darauf lässt Massa Alonso auf der Geraden vorbei. Spätestens mit Auslesen der Black Box, die ein von der FIA eingesetztes Gerät ist, kann festgestellt werden, dass Massa Alonso absichtlich vorbei ließ. In Artikel 39.1 der sportlichen FIA-Regularien ist festgeschrieben, dass Teamorder, die das Ergebnis eines Rennens beeinflusst, verboten ist.

Massa und Alonso
Massa opfert seinen Sieg fürs Team. Nach dem Rennen herrscht Einigkeit bei den Ferrari-Piloten

Skandalöser Sieg

Die Roten melden sich in Hockenheim eindrucksvoll zurück. Fernando Alonso holt sich seinen zweiten Saisonsieg. Felipe Massa – eigentlicher Gewinner des Rennens – legt kurz vor Schluss noch die schnellste Rennrunde hin. Das kann durchaus als Statement gewertet werden. Das Rennen wird quasi beim Start entschieden. Ferrari-Chef Domenicali bestreitet trotz Aufforderung und darauf folgenden Entschuldigungen an Massa den Vorwurf der Teamorder.In der nachfolgenden Pressekonferenz gibt sich Alonso selbst der Lächerlichkeit preis, indem er trotz seiner vorherigen Forderungan das Team nichts von Stallorder wissen will. Sein Gönner Massa spricht nur von seiner Leistung fürs Team.

Vettel Siegerehrrung
Sebastian Vettel freut sich auch über seinen dritten Platz

Kein Vettelheim

Sebastian Vettel fährt sich mit einemAbstand von weniger als einer Sekunde auf Massa auf den dritten Platz.Beim Heim-Grand Prix bleibt ein deutscher Sieg verwehrt. Aus Hockenheim ist an diesem Wochenende kein Vettelheim geworden. Die McLaren Piloten Hamilton und Button werden vierter und fünfter. Der Australier Mark Webber kommt als sechster ans Ziel, gefolgt von Robert Kubica und Nico Rosberg. Nach gutem Start kommt Schumachers Boxenstopp entgegen Teamabsprache sehr früh und verhindert eine bessere Platzierung als Platz neun. Schumacher ist kurz nach dem Rennen der Einzige, der für sein ehemaliges Team spricht und verteidigt die Stallorder bei Ferrari. In der Vergangenheit durfte er selbst von Teamorder profitieren.Formel 1-Legende Niki Lauda sieht derartige Stallorder eher als Betrug am Zuschauer und irreparablen Schaden am Image der Formel 1. Eine entsprechende Strafe der FIA gegen die Ferrari-Teamorder könnte sich allerdings im Nachhinein noch positiv für Vettel auswirken. Die Hockenheim-Ergebnisse ändern nichts an der WM-Wertung. Hamilton führt vor Button. Sebastian Vettel liegt mit 136 Punkten auf Platz vier.

Pos. Nr. Fahrer Team Rnd. Abstand auf V. Geschw.
1 8 F. Alonso Ferrari 67 1:27:38.864 - 209.78800000000001
2 7 F. Massa Ferrari 67 +0:04.196 +0:04.196 209.62100000000001
3 5 S. Vettel Red Bull 67 +0:05.121 +0:00.925 209.584
4 2 L. Hamilton McLaren 67 +0:26.896 +0:21.775 208.721
5 1 J. Button McLaren 67 +0:29.482 +0:02.586 208.619
6 6 M. Webber Red Bull 67 +0:43.606 +0:14.124 208.06299999999999
7 11 R. Kubica Renault 66 +1 Rnd. +1 Rnd. 206,577
8 4 N. Rosberg Mercedes 66 +1 Rnd. +0:06.642 206.31700000000001
9 3 M. Schumacher Mercedes 66 +1 Rnd. +0:03.197 206.19200000000001
10 12 V. Petrov Renault 66 +1 Rnd. +0:04.376 206.02099999999999
11 23 K. Kobayashi Sauber 66 +1 Rnd. +0:01.259 205.971
12 9 R. Barrichello Williams 66 +1 Rnd. +0:01.654 205.90700000000001
13 10 N. Hülkenberg Williams 66 +1 Rnd. +0:00.649 205.88200000000001
14 22 P. de la Rosa Sauber 66 +1 Rnd. +0:24.309 204.93799999999999
15 17 J. Alguersuari Toro Rosso 66 +1 Rnd. +0:17.472 204.26499999999999
16 15 V. Liuzzi Force India 65 +2 Rnd. +1 Rnd. 203,018
17 14 A. Sutil Force India 65 +2 Rnd. +0:10.297 202.62200000000001
18 24 T. Glock Virgin 64 +3 Rnd. +1 Rnd. 198,732
19 21 B. Senna HRT 63 +4 Rnd. +1 Rnd. 196,075
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