Kein Titel für McLaren in diesem Jahr
Sebastian Vettel ist richtig glücklich, Fernando Alonso macht einen zufriedenen Eindruck, nur Mark Webber wirkt etwas geknickt. Nach der Red Bull-Show in Interlagos bleiben noch drei wirkliche Titelkandidaten übrig, denn McLaren hat sich von beiden WM-Titeln verabschiedet. Mit dem Doppelsieg hat sich das österreichische Team vorzeitig die Konstrukteurs-Krone gesichert, Jenson Button hat nach seinem fünften Platz endgültig keine Titelchancen mehr, und Lewis Hamilton wird seinen 24-Punkte-Rückstand im letzten Rennen sicher nicht aufholen können. Das macht die Konstellation an der Tabellenspitze zwar etwas übersichtlicher, Spannung ist aber immer noch in Hülle und Fülle garantiert.
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- Der wahre Interlagos-Gewinner ist zwar Sebastian Vettel (l.), doch Teamkollege Mark Webber darf sich als heimlicher Sieger des Rennens fühlen; er hat beim Saisonfinale in Abu Dhabi beste Titelchancen.
Nur Zweiter, aber der Topfavorit für`s Finale
Und der vordergründig Enttäuschte ist bei näherer Betrachtung der heimliche Sieger des Wochenendes. Mark Webbers grimmige Miene ist aus seiner Sicht verständlich, schließlich hat er sich schon in Interlagos Schützenhilfe des Teamkollegen erhofft. Stattdessen wird ihm von seinem Team vor Augen geführt, dass man es ernst meint mit dem Sportsgeist: Die Piloten sollen es auf der Strecke ausfahren und im Zweifelsfall selbst entscheiden, ob sie im Sinne des Teams oder des Teamkameraden handeln.Sehr löblich, wenn auch mit der Gefahr verbunden, dass Alonso in Abu Dhabi seinen dritten Titel feiert.Hält man sich jedoch das wahrscheinlichste Saisonfinal-Szenario vor Augen,gilt Webber als größter Titelfavorit. Wie dieses aussieht, verraten wir am kommenden Donnerstag in unserer großen Vorschau auf das letzte Rennen der Saison 2010 in Abu Dhabi.
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- Red Bull feiert: Mit dem Doppelsieg in Brasilien konnte sich das österreichisch-britische vorzeitig den Konstrukteurstitel sichern.
Machtdemonstration von Red Bull
Doch zurück zum Brasilien-GP: Dieser ist einmal mehr eine Machtdemonstration des Red Bull-Teams. Nico Hülkenbergs Pole Position ist nicht mehr als ein Betriebsunfall, der auf die schwierigen Streckenbedingungen zurückzuführen ist. Doch das Thema hat sich für beide Red Bull-Piloten schon nach vier Kurven erledigt, denn der Williams ist sowohl für Vettel als auch für Webber nicht mehr als Kanonenfutter. Danach fahren beide auf einem ähnlichen Niveau, wobei Vettel von seiner besseren Ausgangsposition am Start profitiert und folgerichtig seinen vierten Saisonsieg holt. Der Deutsche hält sich also im Titelkampf, wenn auch viel zusammenkommen muss, damit er sich in Abu Dhabi zum jüngsten Formel 1-Weltmeister aller Zeiten krönen lassen kann.
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- Platz drei war für Fernando Alonso das Optimum, was in Brasilien zu holen war. Beim Saisonfinale in Abu Dhabi muss er jedoch mindestens Zweiter werden, um den Titel aus eigener Kraft zu erringen.
Platz drei – das Maximum für Alonso
Fernando Alonso hat in Interlagos zwei Probleme: Die nasse Strecke im Qualifying, die ihm nur Startplatz fünf beschert, und Nico Hülkenberg. Ferraris WM-Kandidat beißt sich sechs Runden lang am Williams-Cosworth des jungen Deutschen die Zähne aus – da waren die Red Bulls schon lang über alle Berge. Danach kann Alonso das Tempo von Vettel und Webber mitgehen, ist je nach Verkehrslage sogar etwas schneller. Realistisch betrachtet ist für den Spanier in Interlagos jedoch nicht mehr drin, weshalb er mit Rang drei zufrieden sein kann. Doch in Abu Dhabi reicht das nicht. Dort gilt: Alonso MUSS mindestens Zweiter werden um sicher Weltmeister zu werden!
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- Ein weiteres Highlight aus deutscher Sicht gibt es bereits am Samstag: Die sensationelle Pole Position von Nico Hülkenberg. Auch im Rennen konnte der Williams-Pilot auf sich aufmerksam machen.
Hülkenberg: Stark im Rennen, grandios im Qualifying
Ein weiteres Highlight aus deutscher Sicht gibt es bereits am Samstag: Die sensationelle Pole Position von Nico Hülkenberg. Sebastian Vettel trotz des deutlich langsameren Autos mehr als eine Sekunde abzunehmen, zeugt von großem fahrerischen Talent. Hülkenberg erwischt als einziger Pilot die letzte Kurve vor dem langen Vollgasstück hinauf zu Start-und-Ziel optimal – eine echte Meisterleistung angesichts der nur dünnen trockenen Ideallinie bei ansonsten feuchten Streckenbedingungen. Im Rennen hat es dann nur zu Platz acht gereicht, was dem wahren Leistungsvermögen seines Williams-Boliden und der mäßigen Strategie seines Teams geschuldet ist. Wie er sich lange vor Fernando Alonso und vor allem Lewis Hamilton halten kann, ist ein Indiz für sein großes Kämpferherz. Bleibt zu hoffen, dass Hülkenberg ein Cockpit für die Formel 1-Saison 2011 findet. Es wäre tragisch, wenn dieses Talent nicht in der Königsklasse des Motorsports vertreten wäre.
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- In Interlagos erweist sich Michael Schumacher entgegen vieler gegenteiliger Einschätzungen als Teamplayer, als er den besser bereiften Teamkollegen Nico Rosberg ohne Gegenwehr passieren lässt.
Michael Schumacher als Teamplayer
Zum Schluss sollte das Mercedes-Team noch Erwähnung finden. Von den Fernsehkameras weitgehend unbeobachtet holen sich die Silbernen in Interlagos die Plätze sechs und sieben. Wobei sich Michael Schumacher entgegen vieler gegenteiliger Einschätzungen als Teamplayer erweist: Kurz vor Schluss lässt er Rosberg, der auf einem frischen Satz Reifen unterwegs ist, ohne Gegenwehr passieren. Rosberg gelingt zwar kein Überholmanöver gegen den fünftplatzierten Jenson Button mehr, aber er sammelt zwei wichtige Punkte gegen Robert Kubica, der in der WM-Tabelle nur vier Punkte hinter dem Gesamt-Siebten Rosberg liegt.
Die Formel 1-Saison 2010 steuert auf einen Finalthriller à la Hitchcock zu. Schon am kommenden Wochenende ist es soweit, und www.motorvision.de wird wie gewohnt ausführlich von der Titelentscheidung berichten.

