Vorschau DTM-Saison 2011

Finale im DTM-Duell: Vorschau auf die DTM-Saison 2011

Während die DTM-Welt auf den Einstieg von BMW wartet, müssen die aktuellen Protagonisten noch eine Übergangssaison über die Bühne bringen. Diese verspricht Spannung pur, denn durch den Abgang des Champions, den Wechsel des Reifenpartners und einige interessante Neuzugänge werden die Karten neu gemischt. ( , 26.04.2011)

Das Geschenk gibt’s 2012

Die DTM-Saison 2011 hat etwas von der letzten Nacht vor Heiligabend oder dem Geburtstag: Irgendwie muss man sie noch hinter sich bringen, bevor die Geschenke verteilt werden. Der Unterschied: Während die Geburtstags- oder Weihnachts-Präsente gerne als Überraschung überreicht werden, wissen die DTM-Protagonisten schon sehr genau, was sie geschenkt bekommen: Ein neues technisches Reglement und – damit einhergehend – den heiß ersehnten dritten Hersteller BMW. Doch bevor der legendäre Dreikampf der deutschen Premiummarken, der die Fans schon zu Beginn der neunziger Jahre fasziniert hat, wieder auflebt, müssen Mercedes und Audi die 2011er Saison noch in Eigenregie über die Bühne bringen. Das Duell Stuttgart vs. Ingolstadt geht in seiner sechsten Saison also ins Finale.

Audi A4 DTM
Timo Scheider, DTM-Champion der Jahre 2008 und 2009, lässt seinen Audi A4 bei der Präsentation in Wiesbaden kreiseln. Scheider gilt 2011 als einer der Topfavoriten auf den Titel.

2008 vs. 2009 in 2011

Audi will in Sachen Fahrertiteln ausgleichen – bisher steht es 3:2 zugunsten der Schwaben. Während in den Rennwagenabteilungen schon fieberhaft an den neuen Autos für 2012 gewerkelt wird, müssen die aktuellen Fahrer noch mit Gebrauchtwagen an den Start gehen. Mercedes hat seine vier Werksautos optisch zwar an das Facelift des C-Klasse-Straßenmodells angepasst, wie alle Audis des Abt-Teams befinden sich die Benz-Boliden aber auf dem technischen Stand von 2009, als die Entwicklung eingefroren wurde. Die anderen Piloten müssen mit 2008er Boliden Vorlieb nehmen. Die Autos weisen zwar entfernte Ähnlichkeit mit ihren Alltagsbrüdern auf, sind in Wahrheit aber nach wie vor Prototypen im Tourenwagenkleid. Alle Autos werden von Vierliter-V8-Motoren mit Leistungsdaten um die 470 PS befeuert. Die aktuelleren Autos müssen mindestens 1.050 Kilogramm wiegen, die 2008er Pendants dürfen 25 Kilogramm leichter sein.

Filipe Albuquerque und Rahel Frey
Filipe Albuquerque und Rahel Frey sind zwei der drei Neuzugänge im Audi-Fahrerkader für die Saison 2011. Wie der dritte Rookie im Bunde, Edoardo Mortara, treten sie in 2008er Autos an.

Je ein Neuzugang in den Werksteams

Im Fahrerfeld gab es im Winter eine ungewöhnlich hohe Fluktuation. Der wichtigste Wechsel war der von Paul di Resta: Der amtierende Champion versucht sein Glück nun als Stammfahrer in der Formel 1 beim Force India-Team. Der Brite Jamie Green kehrt in die „Werksmannschaft“ HWA zurück und übernimmt di Restas Cockpit. Mit Gary Paffett, Ralf Schumacher und Bruno Spengler greift ein aus der vergangenen Saison bekanntes Fahrertrio für HWA ins Lenkrad. Eine Änderung auch beim Abt-Audi-Team: Der in der Vergangenheit stets unkonstante Martin Tomczyk muss sein Cockpit für Mike Rockenfeller räumen, der sich vier Jahre mit Vorjahresautos abmühen musste, dabei aber für einige Highlights sorgen konnte. Mit Mattias Ekström und Timo Scheider sind weiterhin zwei erfahrene Tourenwagen-Haudegen beim Abt-Team engagiert, der talentierte Oliver Jarvis komplettiert den Abt-Kader.

Drei Rookies am Audi-Steuer

Viel Bewegung auch in den Mannschaftsaufstellungen der Kundenteams. Rosberg-Audi besetzt seine Cockpits mit zwei DTM-Neulingen: Filipe Albuquerque kennt Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich aus der italienischen GT-Meisterschaft, die er im vergangenen Jahr auf einem Audi R8 bestritten und mit dem Vizetitel abgeschlossen hat. Motorsport-Fans ist der schnelle Portugiese eher als Sieger des Raceof Champions 2010 ein Begriff. Der Italiener Edoardo Mortara ist amtierender Meister der Formel 3 Euroserie. Den Abgang von der oft überforderten Katherine Legge fängt Audi gleichgeschlechtlich auf und gibt Rahel Frey eine Chance im Phoenix-Team. Nicht, dass die 25-jährige Schweizerin in den Nachwuchsklassen durch besonders aufsehenerregende Leistungen aufgefallen wäre. Nett anzusehen ist sie allemal, und die Ergebnisse ihrer Vorgängerinnen Legge und Vanina Ickx wird sie allemal toppen können. Gespannt darf man auf die Leistungen von Miguel Molina sein. Der 22-jährige Spanier hat in seiner Rookie-Saison 2010 gleichermaßen mit starken Ergebnissen und erhöhter Schrottproduktion auf sich aufmerksam gemacht. Doch Molina gilt als kommender Star der Audi-Mannschaft.

Christian Vietoris und Renger van der Zande
Christian Vietoris (l.) und Renger van der Zande verstärken das Mercedes-Team Persson, das mit 2008er Boliden antritt.

Halbjähriges Fahrer-Casting

Überhaupt darf man die kommende DTM-Saison auch als Fahrer-Casting für das Jahr 2012 verstehen. Dann tritt jederHersteller mit sechs Autos an, wobei BMW den einen oder anderen Piloten aus dem eigenen Fahrerkader – zumindest Augusto Farfus und Andy Priaulx gelten als sichere DTM-Fahrer 2012–mitbringen wird. Wie auch bei Audi müssen einige Mercedes-Piloten um ihre Cockpits zittern, wollen sich aber mit guten Leistungen nicht nur für die Schwaben, sondern auch für BMW ins Gespräch bringen. Mercedes bringt seine DTM-Rookies im Persson-Team unter: Renger van der Zande scheint seine Formel-Karriere zu den Akten zu legen und alles auf die Karte Tourenwagen zu setzen. Christian Vietoris fährt dagegen zweigleisig: Nebenbei ist der jüngste aktuelle DTM-Fahrer noch in der GP2-Serie engagiert und will es auf zwei Wegen in die Formel 1 schaffen. Maro Engel ist einer der Kandidaten, die 2011 darum kämpfen müssen, auch zukünftig ihren Platz in der DTM zu sichern. David Coulthard sieht sein Engagement eher als Hobby und will vor allem Spaß haben. Seine schottische Landsfrau Susie Stoddart trägt ihren Teil zur Erfüllung der Frauenquote bei. 2010 gelang der 28-jährigen im fünften Jahr die erste Punkteplatzierung – nicht gerade die Bilanz eines Leistungsträgers. Immerhin holte sie insgesamt vier Zähler und damit einen mehr als Ralf Schumacher, der jedoch aus Marketinggründen sein Cockpit sicher hat – und das weiterhin in im aktuellen Auto.

Hankook DTM-Reifen
Hankook beerbt Dunlop als Alleinausrüster der DTM und will damit endgültig den letzten Schritt zum anerkannten Premium-Reifenhersteller vollziehen.

Hankook ersetzt Dunlop als Reifenpartner

Ansonsten wird spannend zu beobachten sein, ob sich der Wechsel des Reifenpartners ähnlich auswirkt wie in der Formel 1. Hankook beerbt Dunlop als Alleinausrüster und will damit endgültig den letzten Schritt zum anerkannten Premium-Reifenhersteller vollziehen, der in der Liga von Michelin, Continental, Pirelli und Co. mitspielt. Entsprechend verlockend soll das Angebot der Südkoreaner gewesen sein. Hankook sieht sein Engagement vor allem als Marketingmaßnahme und soll die Reifen im Gegensatz zu Dunlop gratis liefern. Nach ersten Aussagen der Fahrer sollen die Pneus sehr lange haltbar sein, was das Feld lange zusammenhalten und so für spannende Rennen sorgen soll.

Bruno Spengler und Mattias Eckström
Ein Showrun auf einer eigens im Münchner Olympiastadion angelegten Strecke, der im K.O.-System ausgetragen wird, wird einen Ausblick auf den nächstjährigen Wertungslauf geben und soll neue Fankreise erschließen.

Saisonhighlight mitten im Sommer

Ein Saisonfinale in China bleibt den Fans2011 erspart, das Rennen in Shanghai ist kurzfristig aus dem Kalender eliminiert worden. Stattdessen finden sowohl der Saisonauftakt als auch das Finale in Hockenheim statt – schon aus traditioneller Sicht eine gute Entscheidung. Einziger Neuzugang bei den Wertungsläufen ist der Österreichring, der das Rennen auf dem Adria Raceway ersetzt. Die DTM war letztmals 2003 auf dem damals noch A1-Ring genannten Berg- und Talbahn unterwegs und feiert auf dem modernisierten Kurs ein Comeback. Das Saisonhighlight wird in diesem Jahr mitten im Sommer stattfinden und nicht zur Gesamtwertung zählen: Ein Showrun auf einer eigens im Münchner Olympiastadion angelegten Strecke, der im K.O.-System ausgetragen wird, wird einen Ausblick auf den nächstjährigen Wertungslauf geben und soll neue Fankreise erschließen.

Schließlich steht im Raum, dass die Hersteller in diesem Rahmen ihre Autos für 2012 präsentieren werden. Die DTM legt die Geschenke quasi schon einmal unter den Weihnachtsbaum und dürfte damit die Vorfreude auf das kommende Jahr noch ein wenig steigern. Bleibt zu hoffen, dass es der aktuellen Saison gelingt, die Spannung hochzuhalten, bis endlich ausgepackt werden darf.

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