Ferrari-Design – das ist nicht nur Pininfarina. In den Fünfziger Jahren entwarf Zagato fünf ganz besondere Exemplare der Maranello-Renner. (D. Maier , 01.01.2009)
Wenn man an die aufregende Formensprache Ferraris denkt, kommt einem natürlich der Name „Sergio Pininfarina“ in den Sinn. Tatsächlich zeichnet das Turiner Pininfarina-Studio bis heute für das Design der meisten Ferrari-Boliden verantwortlich. Doch insbesondere in den Fünfziger und Sechziger Jahren entwerfen auch andere berühmte italienische Karossiers Blechkleider für die springenden Pferde aus Maranello. So auch die Carrozzeria Zagato.
In diesem Jahr feiert mit dem 250 GTZ das wohl legendärste Erzeugnis der Liaison zwischen Mailand und Maranello seinen 50. Geburtstag. Insgesamt umfasst diese Ahnenreihe nur fünf Exemplare. Jedes einzelne besitzt eine eigenständige Karosserie und einen speziellen Namen. Das erste Modell, die 250 GTZ Berlinetta, gibt der „Gentleman Driver“ Vladimiro Galuzzi in Auftrag. Die Maßgabe: Das Auto soll Sportlichkeit und Eleganz perfekt vereinen und sowohl auf Rennstrecken als auch auf dem Boulevard eine gute Figur abgeben. So feiert er denn auch stilvoll beim „Concorso d´Eleganza Villa d´Este“ 1956 seine Weltpremiere.
Blau-Grau statt Rot
So schneidert Zagato ein einzigartiges Aluminium-Blechkleid auf das Ferrari-Chassis Nr. 0512 GT. Schon durch seine Farbgebung sticht der Bolide aus der Masse heraus: In einer Zeit, in der fast alle Ferraris im legendären „rosso“ erstrahlen, ziert den 250 GTZ-Korpus ein erhabenes Blau. Dem Dach verleiht Zagato einen grauen Anstrich. Mit seiner endlos langen Motorhaube, den großen Rädern und seinem Stufenheck verfügt er über jene Gestaltungsmerkmale, die auch andere Sportwagen dieser Zeit zu Designikonen werden ließen. Eines haben die Zagato-Kreationen jedoch exklusiv: Das „Double Bubble-Roof“, das an den Seiten stärker ausgeformte Dach.Das nächste „cavallo rampante“ mit Zagato-Hülle entsteht noch im selben Jahr. Auftraggeber ist diesmal der Rennfahrer Camillo Luglio. Um das Ferrari-Chassis mit der Nummer 0537 GT gestaltet die Mailänder Karosserieschmiede das 250 GTZ Coupé Corse. Dieses Exemplar hat vor allem eine Bestimmung: Es soll siegen! Zagato baut das Auto in Rekordzeit und übergibt es Luglio erst kurz vor seinem ersten Rennen, dem „Vermicino-Rocca di Papa“. Welches Potenzial in dem Auto steckt, beweist Luglio mit dem zweiten Platz – obwohl er weder mit dem Auto noch mit der Strecke vertraut ist. In der Folgezeit gewinnt Luglio noch die „Coppa d´Oro“ in den Dolomiten, den „Giro delle Calabrie“ und die Italienische Meisterschaft 1956.
Der Auftrag: Rennsiege
Überzeugt von Zagatos Produkten, ordert Luglio ein Jahr später bereits den nächsten 250 GTZ – diesmal den Competizione auf dem Ferrari-Chassis Nummer 0665 GT. Mit dem aerodynamisch optimierten Zagato-Ferrari tritt der Pilot 1957 in der italienischen Meisterschaft an. Im Auftrag des „Gentleman Drivers“ Vittorio De Micheli folgt kurze Zeit später der 250 GTZ Lusso. Dieses Modell unterscheidet sich in mehreren Punkten von den Vorgängern. Die wichtigsten Charakteristika: Die rote Lackierung und das fehlende „Double Bubble“-Dach. Außerdem gestaltete Zagato die Form der seitlichen Luftauslässe und den Innenraum um. Speziell 1958 und 1959 verhilft der 250 GTZ Lusso seinem Besitzer zu vielen Rennsiegen.Letzter im Bunde der Zagato-Ferraris der 1950er Jahre ist der 250 GTZ Prototipo, aufgebaut auf dem Ferrari-Chassis Nummer 1367. Dieses Modell, das 1959 entsteht, spricht jedoch eine ganz eigene Formensprache. Statt ausladender Rundungen dominieren Ecken, Kanten und gegenläufige Linien die Seitenansicht. Auch der Prototipo entsteht ursprünglich, um der Mailänder Carrozzeria durch Rennsiege zu Ruhm und Ehre zu verhelfen. Tatsächlich nimmt er jedoch an keiner einzigen Rennsportveranstaltung teil.
Die Reinkarnation: Ferrari 575 GTZ
Nun lebt die große Zagato-Ferrari-Tradition wieder auf – und zwar dort, wo sie mit dem 250 GTZ vor einem halben Jahrhundert begann: Beim „Concorso d´Eleganza Villa d´Este“ präsentierte das Mailänder Design-Studio mit dem 575 GTZ das erste Modell auf Ferrari-Basis seit 1993. Ein japanischer Sammler ließ zu Ehren des Jubilars ein Einzelstück fertigen, dessen Design sich am Vorbild 250 GTZ Berlinetta orientiert. Und wer weiß: Vielleicht lebt die alte Verbindung für weitere Modelle wieder auf.