Auf die Enttäuschung folgt die Trotzreaktion
Alles ist bereitet für eine riesige rote Siegesfeier im Schatten der mächtigen Ferrari World, die sich direkt an Grand Prix-Strecke in Abu Dhabi befindet. Stattdessen versinkt ganz Italien in kollektiver Trauer. Fernando Alonso geht als Tabellenführer und Topfavorit ins Saisonfinale in der Wüste, doch ein grober taktischer Fehler der Ferrari-Strategen lässt am Ende die Jungs in den blauen Overalls jubeln. Der allmächtige Präsident Luca di Montezemolo ist über alle Maßen erzürnt und kündigt personelle Konsequenzen für den Fall an, dass die so umfangreiche Titelsammlung nach der Saison 2011 nicht ergänzt werden kann. Denn Verlieren gehört nun wahrlich nicht zu Ferraris Lieblingsbeschäftigungen.
-
- Ferrari ist das einzige Team, das seit Gründung der Formel 1 ununterbrochen in der Königsklasse des Motorsports aktiv war.
Kult wegen Erfolg – und wegen Misserfolg
Mythos, Legende, Kult – nur die bedeutungsschwersten Worte können Ferrari beschreiben. Seit der ersten Saison ist die Scuderia ununterbrochen in der Formel 1 aktiv, schafft es in 60 Jahren zum erfolgreichsten Team in der Königsklasse. Ferrari hat die meisten Konstrukteurs-Titel (16), Grand Prix-Siege (215), WM-Punkte (5.397) und Pole Positions (205). Doch nicht minder wichtig für die Aura, die Ferrari umgibt, sind die langen Durststrecken, welche die Scuderia durchmachen muss. Fast schon legendär ist Ferraris Misserfolgs-Serie nach Jody Scheckters Titelgewinn 1979: Die Roten aus Maranello müssen bis ins neue Jahrtausend warten, um wieder eine Fahrer-WM feiern zu können. Drei Konstrukteurs-Titel in der Zwischenzeit können Ferraris Titelhunger nicht ansatzweise stillen.
-
- 2004 feiert Michael Schumacher den letzten seiner fünf WM-Titel mit dem Ferrari-Team. Danach bleibt er den Roten als Berater erhalten, bevor er 2010 zu Mercedes GP-Petronas wechselt.
Michael Schumacher: Der Legendärste unter vielen Legenden
In sechs Jahrzehnten Formel 1-Teilnahme steht fast jeder legendäre Pilot auf Ferraris Gehaltsliste. Alberto Ascari, Mike Hawthorn, Juan Manuel Fangio, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Phil Hill, John Surtees, Jacky Ickx, Clay Regazzoni, Niki Lauda, Gilles Villeneuve, Alain Prost – sie alle haben die Geschichte der Scuderia entscheidend geprägt. Doch nur ein Name scheint neben dem des „Commendatore“ Enzo Ferrari untrennbar mit der Scuderia verbunden zu sein: Michael Schumacher. Zwar beißt sich Schumi in den ersten vier Jahren die Zähne an Williams und McLaren aus, doch dann gelingen ihm fünf Fahrertitel in Folge. Die Konstrukteurs-WM geht sogar sechsmal in Folge nach Maranello. Ganz Italien liegt einem Deutschen zu Füßen - bis er kurz vor Weihnachten dem Ruf von Mercedes folgt.
-
- Fernando Alonso geht in sein zweites Jahr bei der Scuderia Ferrai. Nach dem verpassten Titel im letzten Jahr will der Spanier 2011 unbedingt seine dritte Fahrer-WM gewinnen.
Bereit für die Mission "Titel-Zurückeroberung"
Stattdessen heuert ein weiteres Alphatier als Ferrari-Fahrer an: Fernando Alonso. Fast hätte es der Spanier dem stillen Finnen Kimi Räikkönen nachgemacht und gleich in seiner Ferrari-Premierensaison den Fahrertitel geholt. Doch aus den eingangs erwähnten Gründen wurde daraus nichts, woraus sowohl Fahrer als auch Team umso mehr Motivation für die Saison 2011 schöpfen. Und die Roten scheinen für die Mission "Titel-Zurückeroberung" gut gerüstet, der nach diversen Umbenennungen nun Ferrari 150° Italia erweist sich bei den Testfahrten als ebenso schnell wie standfest. Die Chancen stehen also gut, dass Luca di Montezemolo zu Saisonende nicht zum personellen Rundumschlag ausholen muss.

