Der beste Golf aller Zeiten
Wer beim VW Golf an müde Familienmobile mit 80 Opa-PS oder die Vertreter-Grundausstattung mit TDI am Heckdeckel denkt, verkennt ihn völlig. Denn darüber hinaus ist bereits der Golf GTI ein mehr als angenehmer Trainingsgefährte, mit dem es mächtig Spaß macht, auf dem Weg aus dem Büro an die eigenen Grenzen zu gehen. Doch zum wahren Lustbringer taugt ausschließlich der Golf R. Dieser Golf ist so böse, der könnte auch „Golf Grrrrr“ heißen. Vom Golf R gab es bereits honorige Vorgängermodelle. Am schärfsten war dabei der Rallye-Golf, der mit modifizierter Front, Allradantrieb und einem 160 PS starken Spirallader seine Konkurrenten Anfang der 90er Jahre verschreckte. Leistungsstark, aber mit sechs Zylindern konnte sich der Nachfolger R32 zuletzt nicht derart effektvoll in Szene setzen. Der Golf R der aktuellen Baureihe ist der beste Golf aller Zeiten. 270 PS, Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe, aufgeladener Vierzylinder und ein exzellentes Sportfahrwerk – mehr geht in Wolfsburg derzeit nicht. Schade, dass diese Rakete nicht den modifizierten Weg in die Rallye-WM findet.
Der Über-Golf hält sich zurück
Der Golf R ist ein Renner für Kenner. Keine dicken Backen oder peinliche Spoiler, die das Auge der Ästheten beleidigen – der Über-Golf hält sich trotz dunkler Räder und sichtbarer Schweller überraschend zurück. Muss er aber gar nicht. Denn ist er mit dem Zündschlüssel erst einmal zum Leben erweckt worden, zeigt sich wie forsch zwei Liter Hubraum zur Sache gehen können. Keine Überraschung, dass die vier Brennkammern in Sachen Hörgenuss nicht alle begeistern können. Es dröhnt imposant, aber der Klang aus dem ordentlichen Soundsystem ist besser. Nicht der einzige Unterschied zum direkten Konkurrenten Ford Focus RS, der sogar 305 bzw. 350 PS bietet. Ihm hatten die Kölner Ingenieure aus Kostengründen den sinnvollen Allradantrieb verwehrt. Das gleiche gilt im Übrigen auch für den 2+2-sitzigen Coupé-Bruder des Golf, den Scirocco R. Der muss allein mit einer kraftvoll motorisierten Vorderachse auskommen.
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- Der Innenraum des Golf R wird mit schwarzem Klavierlack und der obligatorischen Alu-Pedalerie aufgewertet.
Etwas zu untersteuernd ausgelegt
Das ist beim Golf R anders – zum Glück. Im Grenzbereich können bis zu 100 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse abgegeben werden. Um den Allradantrieb in Rage zu bringen, bedarf es am 4Motion-System keiner Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse. Der Druckaufbau funktioniert mit einer elektrischen Pumpe, die einen Druckspeicher mit Öl versorgt. Ein Computer berechnet den nötigen Druck auf die Lamellen der Kupplung und los geht‘s. So ist das Handling des Golf R eine wahre Wucht. Die Lenkung präzise, die Dämpfer selbst im Komfortmodus straff genug, um mit dem Emporkömmling jede Menge Spaß zu haben. Das Heck bleibt auch durch das 25 Millimeter tiefer liegende Sportfahrwerk lange ruhig und die Fahrfreude ließe sich nur so steigern, wenn die Fahrwerksentwickler den Allradler nicht derart untersteuernd ausgelegt hätten. Die DSG-Gänge schnalzen nur so durch die einzelnen Fahrstufen und bringen den Turbo-Golf problemlos auf 230 km/h. Danach wird es spürbar kraftloser und nur mit Mühe geht es die letzten Tachostriche bis an die imageträchtige Zahl 250 hinauf. Längst hat das Geräuschniveau deutlich zugelegt und zeigt, dass in dieser Hubraumklasse keine Wunder zu erwarten sind. 200 KW / 270 PS sind im Golf derzeit das Maß der Vierzylinderdinge. Gerne hätten einige Volkswagen-Ingenieure mit der Leistungsangabe die mögliche 300-PS-Marke geknackt. Der Motor gäbe es her. Doch mit Blick nach Ingolstadt wo im kommenden Sommer der Audi RS3 kommen soll, wurde früher Schluss gemacht. Der wird jedoch von dem aufgeladenen Fünfzylinder des Audi TT RS mit 340 PS befeuert und hat ebenfalls Allradantrieb und die Doppelkupplung namens S-Tronic.
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- Einer der besten seiner Zunft: der auch aus dem Audi S3 bekannte 2-Liter-TFSI mit 270 PS und 350 Nm Drehmoment. Von 0-100 vergehen nur 5,5 Sekunden, Schluß ist bei 250 km/h. Die Verbrauchsangabe von 8,5 Litern verfehlt der R. Die 10 Liter, die er sich im Schnitt genehmigt, gönnen wir ihm aber allemal.
Imposante Fahrleistungen
Über einen allzu zurückhaltenden Tatendrang beschwert sich in den optionalen Sportschalen des Golf R doch auch so niemand. 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h sind allemal imposant genug. Das Doppelkupplungsgetriebe mit seinen sechs Schaltstufen muss den Tatendrang von Motor (350 Nm Drehmoment) und Fahrer artgerecht unter einen Hut bringen. Ein versprochener Normverbrauch von 8,5 Litern Super auf 100 Kilometern ist nicht einmal mit lahmendem Gasfuß zu erreichen. Im Praxistest saugten sich eher zehn Liter durch die Benzinleitungen – in dieser PS-Liga immer noch akzeptabel.
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- Schade, dass dieser Lustbringer entsprechend viel Kapital verlangt. 36.825 Euro muss man nämlich mindestens anlegen um Golf R zu fahren. Mit ein paar sinnvollen Ausstattungsdetails wird die 40.000 Euro-Marke im Vorübergehen durchbrochen.
Teuer, aber sein Geld wert
Schade drum, dass dieser Lustbringer im Kleid eines müden Kompaktklassemodells entsprechend viel Kapital verlangt. Sonst stünde er statt des obligatorischen GTI in Garagen und Einfahrten vieler Golf-Fans. Doch 36.825 Euro sind für das exzellente Paket kein Pappenstiel und der Golf R bleibt auch durch LED-Lampen, Doppelendrohr, 18-Zöller und Sportfahrwerk insbesondere eines – ein Golf. Das muss einem ein Aufgeld von 10.000 Euro zum alles andere als müden Golf GTI schon wert sein. Wer den Golf R mit vier Türen und dem sinnvollen DSG (ab 38.70 Euro) ordert, liegt nur knapp unter der 40.000-Euro-Marke. Mit entsprechend sinnvoller Komfortausstattung wie beheizbaren Ledersitzen, Spiegelpaket und Navigationssystem wird diese im Vorübergehen durchbrochen. Die Alltagstauglichkeit für vier Personen des Golf R gibt es jedoch serienmäßig.

