Ausverkauf bei Buell

Fahrbericht Buell Lightning CityX XB 12 SX: Sag zum Abschied ganz laut Servus

Trotz der Produktionseinstellung von Buell Ende 2009 sind die noch verfügbaren Bikes der US-Schmiede attraktiv. Das gilt vor allem für die Lightning CityX XB 12 SX des Modelljahres 2010 - die letzte ihrer Art. (Heiko P. Wacker , 07.06.2010)

Deftiger Zweiradspaß ab 10.999 Euro

Für Freunde dynamischer Motorräder war es ein Schock, als Erik Buell im vergangenen Herbst das Ende verkünden musste: Zum Jahreswechsel wurde die Produktion der extravaganten Maschinen eingestellt. Weil jedoch sowohl Garantie als auch Ersatzteilversorgung durch den Mutterkonzern Harley-Davidson gesichert sind, bleiben die noch verfügbaren Bikes durchaus attraktiv. Das gilt vor allem für die Lightning CityX XB 12 SX des Modelljahres 2010 - die letzte ihrer Art. Der Streetfighter sorgt ab 10 999 Euro für deftigen Zweiradspaß.

Buell Lightning CityX XB 12 SX - Front Fahr 3
Die große CityX von Buell bietet deftigen Zweiradspaß.

Kompaktes und auffälliges Kraftpaket

Immerhin kombiniert die XB12SX den alles andere als schwächlichen Thunderstorm-Twin-Motor mit dem Fahrwerk und der Federung der bekannten Lightning CityX XB 9 SX. Resultat ist ein beeindruckendes Kraftpaket mit kompakten Abmessungen und einer mehr als auffälligen Optik, die sich auch transparenten Abdeckungen verdankt. Allein aufgrund ihres Designs erregt die große "CityX" (gesprochen: City Cross) Aufsehen. So beherbergt der opulente Rahmen den Tank, während die Schwinge zugleich als Motoröl-Reservoir dient. Im Interesse zentralisierter Massen trägt die SX zudem ihren ofenrohrdicken Schalldämpfer unter dem Motor, so wie es sich für eine Buell gehört.

Buell Lightning CityX XB 12 SX - Front Fahr 4
Über schnöde Verbrauchsdaten darf die 12er Buell des Modelljahres 2010 nicht definiert werden.

Der Sound wird uns fehlen

Im Zentrum der Extravaganz steckt ein luftgekühlter 45-Grad-V2-Motor. Das charakterstarke Aggregat schöpft aus 1 203 ccm Hubraum 69 kW/94 PS Leistung bei 7 000 U/min sowie ein maximales Drehmoment von 104 Nm bei 5 550 Touren; überträgt seine Kraft via Zahnriemen und schiebt die 215 Kilogramm leichte Maschine bereits kurz nach dem Verlassen der Leerlaufdrehzahl vehement voran. Vor allem im Bereich jenseits von 3 500 Touren macht sich das Potential des Kraftpakets bemerkbar, das zudem mit seinem erfrischend ehrlichen Klang verwöhnt. Schon wegen des Sounds einer Buell ist es zu bedauern, dass die kleine Schmiede aus East Troy den Laden dicht machen musste.

Buell Lightning CityX XB 12 SX - Hinterradschwinge
Krallt sich bissig in den Asphalt, der Hinterreifen der Buell CityX XB 12 SX.

Lebensfrohes für Individualisten

Hier wurden eben immer Bikes für Individualisten gefertigt und keine Massenware, schon gar nicht für Einsteiger. Die Kombination aus potentem Antrieb, kurzem Radstand und knorrigem Fahrwerk sorgt für eine bestechende, beinahe nervöse Dynamik: Sowohl die steil stehende 43-mm-Upside-Down-Gabel als auch das Zentralfederbein mit seinem unter der Sitzbank positionierten Ausgleichsbehälter stammen von Showa und sind voll einstellbar. Auf solch einem Motorrad empfiehlt es sich, mit wachen Sinnen unterwegs zu sein - wobei das wilde Schütteln im Standgas die Aufmerksamkeit zumindest beim Ampelstopp garantiert. Der lebensfrohe Charakter der bis zu 217 km/h schnellen Buell schlägt sich indes auch im Verbrauch nieder, der selbst bei normaler Fahrweise bei 6,4 Litern Superbenzin auf 100 Kilometer liegt. Dies macht in Verbindung mit dem 14,5 Liter fassenden Rahmentank Etappen von rund 220 Kilometern möglich.

Buell Lightning CityX XB 12 SX - Front Still
Zum Abschied sagt die große CityX von Buell laut Servus.

Die XB 12 SX - ein würdevoller Schlusspunkt

Doch eigentlich sollte man sich unterstehen, die 12er des Modelljahrs 2010 über schnöde Verbrauchsdaten definieren zu wollen. Dafür ist sie viel zu eigenständig, ja viel zu unnormal. Denn Erik Buell ging es nie um Alltagsnutzen, um Windschutz oder darum, mit seinen Maschinen möglichst viele Menschen anzusprechen. Er ordnete alles dem Ideal einer leichten, wendigen Fahrmaschine unter, die mit ungewöhnlichen technischen Lösungen und einer gehörigen Prise Individualismus für Furore sorgen durfte. Die 10 999 Euro teure XB 12 SX verkörpert Eriks Ideen deshalb in Perfektion - und ist durchaus geeignet, den Schlusspunkt einer rund 25 Jahre währenden Markenhistorie zu setzen. Ein Abgang mit Würde, die Motorradwelt wird ohne Buell ein Stück ärmer sein.

Teststeno Buell Lightning CityX XB12SX:

Streetfighter mit luft-/öl-/gebläsegekühlter Zweizylinder-Viertakt 45-Grad-V-Motor, zwei Ventile pro Zylinder, 1 203 ccm Hubraum, Leistung 69 kW/94 PS bei 7 000 U/min, max. Drehmoment 104 Nm bei 5 550 U/min, elektronische Einspritzung, 5 Gänge, Sitzhöhe 76,5 Zentimeter, Tankinhalt 14,5 Liter, Leergewicht 215 Kilogramm, Zuladung 170 Kilogramm, Höchstgeschwindigkeit 217 km/h, Verbrauch 6,4 Liter Super auf 100 Kilometer; Preis: 10 999 Euro.

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