Noch keine volle Hütte
Pressetag auf der Essen Motor Show und wir sind gespannt, wie sich die Tuning-Branche nach dem Seuchenjahr 2009 präsentieren wird. Gähnend leere Ausstellungsflächen sollten ja in diesem Jahr der Vergangenheit angehören, man geht mit Zuversicht nach vorne. Naja, so ein bisschen zumindest. Es ist nicht mehr so verlassen wie letztes Jahr, ein pralles Veredler-Aufgebot sieht aber trotzdem anders aus.
-
- Desweiteren haben die Bottroper das ein- oder andere Spoilerchen aus Karbon für den SLS zu bieten und ziehen ihn mit einem dezenten Breitbau leicht nach außen.
Brabus mit souveränem Heimspiel
Leistungsprofi Brabus lässt sich davon freilich nicht schrecken, hat beim Heimspiel traditionell den dicksten Stand. Mit dabei: Der 800 PS starke und voll vernetzte SV 12R. Die S-Klasse sieht aus wie ein fahrender Apple-Store und ist mit Sicherheit das schnellste Büro der Welt. Daneben präsentieren die Bottroper einen dezenten und gelungenen Breitbau für den Super-Stern SLS. Mehr Leistung für den Flügeltürer? Noch nicht! Mit einem dicken Grinsen empfiehlt man uns aber einen Blick auf den Tacho. Der geht jetzt bis 400. Das kann ja was geben.
-
- Chiptuner SKN gibt in Essen den dicken Fisch und hat gleich acht scharfgemachte Boliden am Stand. Unter anderem diesen Nissan GT-R mit bis zu 678 PS.
Porsche-Flut
Wir ziehen weiter zu SKN. Der Chiptuner gibt in Essen ebenfalls den dicken Fisch, präsentiertinsgesamt sieben scharfgemachte Boliden. Neben den von uns gerade getesteten Audi RS5 und BMW Z4 auch ein 678PS-Monster von einem Nissan GT-R. Der belgische Bodykit-Guru Caractere zeigt seinen neuesten Streich für den Porsche Panamera. Apropos: Panamera hier, Panamera da, fast jeder hat den hüftspeckigen Schwaben-Gran Turismo in vollem Tuning-Ornat auf seinem Stand. Mittlerweile kommtauf jeden Scheich und Ostblock-Oligarcheneine Tuningfirma, die den Panamera „ganz besonders individuell“ gestaltet hat.
-
- Speedart ist mit dem BTR-II 650 Evo auf Porsche Turbo-Basis nach Essen gekommen. Der Evo punktet mit fettem Bodykit und 650 PS.
Das gilt so ähnlich auch für den Rest der heilen Sportwagen-Welt. Geld scheint keine Rolle zu spielen, die Motor Show wird ganz maßgeblich von aufgebrezelten Zuffenhausenern dominiert. Speedart zeigt (neben dem obligatorischen Panamera) den BTR-II 650 EVO auf Porsche Turbo-Basis und fürs ach so grüne Gewissen den 450 PS-Cayenne Hybrid S.Techart geht mit GrandGT (Panamera, was sonst) und dem monströsen Magnum (Cayenne) gehörig in die Breite und die Highspeed-Fetischisten von 9ff schießen mit dem GTurbo 1200 (ja, es bezieht sich auf die Leistung) endgültig den Vogel ab.
-
- Opel-Urgestein Irmscher bedient sich beim Mutterkonzern und verpasst dem Chevy Camaro kurz vor der Markteinführung in Deutschland propere 509 PS und dicke 22-Zöller.
Hauptsache Dampf
Power ohne Porsche? Keine Sorge, gibt es natürlich auch. Wolf Racing legt seine ganze Rennsport-Erfahrung in die Waagschale und zaubert einen 400PS-Focus RS mit Allradantrieb(!) aufs Essener Parkett. Opel-Urgestein Irmscher nimmt sich mit dem ChevyCamaro eines der wenigen richtigen Autos aus dem GM-Konglomerat vor und verpasst dem Ami-V8 respektable 529 Pferde, passend zur deutschen Markteinführung im Frühjahr sozusagen. Dbilas Dynamic hat den Schneid, der Vorderachse eines Opel Corsa GSi 400 PS anzuvertrauen und dann sitzt da noch ganz versteckt – fast hätten wir sie übersehen - Manhart Racing mit einem 738 PS starken BMW M3. Der Motor stammt übrigens aus dem X6M – eh klar. Wo wir gerade bei BMW sind: Kelleners Sport feiert mit einem reichlich beplankten 5er sein Revival in der Tuning-Szene und AC Schnitzer hat neben einem ordentlich gewürzten Z4 auch die ersten Tuningmaßnahmen für den neuen X3 im Gepäck.
-
- Volks-Tuning: Einen Dacia tunt man doch nicht, oder? Elia traut sich und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Tuning fürs Volk
Wo bleiben bei dem ganzen PS-Wahn eigentlich die …ähm…stinknormalen Brot- und Butter-Autos? Die Gefährte fürs veredelungswillige Volk? Wir haben sie gefunden, auch wenn es nicht viele sind, und wir fangen ganz bodenständig an: Mehr Volk als Dacia geht nicht und auch wenn es komisch ist den rumänischen Billigheimer zu „veredeln“, so hat es Elia beim Discount-SUV Duster doch getan. Obendrauf zeigen die Franken noch den Renault Wind, auch wenn böse Zungen behaupten, da sei eh nichts mehr zu retten. Stichwort „nicht mehr zu retten“: Cobra präsentiert seine Version des Nissan Juke. Auch hier eher vergebliche Liebesmüh. Seltsamerweise gibt es an der sonst so beliebten VW-Front gar keine gravierenden Neuerungen, die Leistungsexplosionen beim Golf R haben wir ja schon zu Genüge abgehandelt. Nur die Schwester Audi hat Tuning-Deutschland mit dem A1 ein neues Lieblingsspielzeug erschaffen. Spoiler-Papst Rieger, Abt und viele andere haben den Lifestyle-Zwerg schon in ihr Herz geschlossen.
Da geht noch was
In ihr Herz geschlossen haben viele Tuning-Manufakturen die Essen Motor Show leider auch in diesem Jahr wieder nicht. Selbst wenn es besser ist als letztes Jahr: Zu viele Namen gehen ab, zu viele der Anwesenden schließen sich zu Gemeinschaftsständen zusammen. Umwelt? Öko? Auch hierfür scheint Essen nicht das richtige Pflaster zu sein. Wir von Motorvision.de können’s mit Leichtigkeit verschmerzen. Und ein Besuch lohnt dennoch allemal, denn das was da ist, kann sich durchaus sehen lassen.

